Navigationsleiste

Weitere Extras

  • Druckversion
  • Text verkleinern
  • Text vergrößern

Unverhältnismäßige Benachteiligung armer Familien durch Kinderbetreuungskosten in Europa

19/06/2014

Kinderbetreuungskosten stellen in etlichen europäischen Ländern eine große Belastung für erwerbstätige Eltern dar. Aus einem kürzlich im Vereinigten Königreich veröffentlichten Bericht geht hervor, dass die Jahresdurchschnittskosten für die Kinderbetreuung in den vergangenen Jahren stark angestiegen sind und mittlerweile die durchschnittliche jährliche Hypothekentilgung übersteigen. Laut Berechnungen der OECD, die von einer Familie mit zwei berufstätigen Elternteilen mit durchschnittlichem Einkommen ausgehen, belaufen sich die Durchschnittskosten für die Kinderbetreuung in den OECD-Ländern auf 11,8 % des elterlichen Nettoeinkommens. In Europa schwankt diese Zahl zwischen 26,6 % im Vereinigten Königreich und 4,9 % in Griechenland. Eine auf europäischer Ebene durchgeführte Überprüfung von Kinderbetreuungseinrichtungen kam zu dem Schluss, dass der Zugang zu Kinderbetreuung zudem sowohl durch die zur Verfügung stehenden Betreuungseinrichtungen als auch durch deren Öffnungszeiten eingeschränkt ist.

Kinderbetreuungskosten beeinflussen die Berufswahl

Jüngst vorgenommene Überprüfungen der Barcelona-Ziele, wonach für mindestens 90 % der Kinder ab drei Jahren bis zur Einschulung und für 33 % der Kinder unter drei Jahren Betreuungsplätze zur Verfügung gestellt werden sollen, haben die nachteiligen Auswirkungen verdeutlicht, die das Nichterreichen dieser Ziele für die europäische Wirtschaft hat. Hohe Kinderbetreuungskosten sind oft ein Grund für Eltern (überwiegend Mütter), nicht in die Vollzeitbeschäftigung zurückzukehren, um auf diese Weise die Kosten für die Kinderbetreuung einzusparen. Das Ad-hoc-Modul zur Arbeitskräfteerhebungpdf Übersetzung für diesen Link wählen  2010 ergab, dass 53 % der Mütter, die erklärten, aufgrund von Problemen mit der Kinderbetreuung nicht zu arbeiten oder halbtags beschäftigt zu sein, dies auf die hohen Kosten für formelle Kinderbetreuungseinrichtungen zurückführten. Diese Ziffer lag in Irland, den Niederlanden, Rumänien und dem Vereinigten Königreich bei über 70 %. Die Beteiligung von Frauen auf dem Arbeitsmarkt, eine der Prioritäten der europäischen Sozialpolitik, wird demnach durch die eingeschränkte Erschwinglichkeit und Verfügbarkeit von Kinderbetreuungseinrichtungen negativ beeinflusst. Eine geringere Arbeitsmarktbeteiligung wiederum hat ein niedrigeres Einkommen und verminderte Lebensqualität für die Familien zur Folge, während die Kinder bei der frühkindlichen Bildung, die zur Beseitigung der für den Nachwuchs benachteiligter Familien bestehenden Hindernisse wesentlich ist, zu kurz kommen.

Europäische Systeme haben Schwierigkeiten bei der Gewährleistung eines gleichberechtigten Zugangs zu Kinderbetreuung

In allen europäischen Ländern gibt es staatliche Zuschüsse und Stützungsregelungen für die Kleinkindbetreuungpdf. Zu diesen Fördermaßnahmen gehören neben Steuererleichterungen auch Bildungsgutscheine und Zuschüsse für Eltern oder Erzieher. In einigen europäischen Ländern ist darüber hinaus auch eine einkommensabhängige Deckelung der Kinderbetreuungskosten vorgesehen, während wieder andere Länder, wie z. B. die Niederlande, bei der Unterstützung für Kinderbetreuungskosten die Arbeitgeber in die Pflicht nehmen. Aufgrund der unterschiedlichen Unterstützungssysteme gestaltet sich der Vergleichpdf der endgültigen Kinderbetreuungskosten zwischen den Ländern schwierig. Aus Studien geht jedoch hervor, dass es vielen europäischen Gesellschaften völlig unabhängig von der Gestaltung ihrer Anreiz- und Beihilfesysteme derzeit nicht gelingtpdf, einen gleichberechtigten Zugang zu Kinderbetreuung und frühkindlicher Betreuung, Bildung und Erziehung (FBBE) zu gewährleisten. Vergleichende Daten wie die OECD-Familiendatenbank zeigen, dass einkommensstärkere Familien im Vergleich zu den ärmsten Familien, unabhängig von der Struktur der Kinderbetreuungskosten, unverhältnismäßig stark von derartigen Leistungen profitieren. Nur in einer Handvoll Länder (Dänemark, Schweden, Slowenien und Deutschland) fiel die Inanspruchnahme von Kinderbetreuung durch einkommensschwächere Familien höher aus oder war zwischen den Einkommensgruppen ausgeglichen. Für Regierungen in ganz Europa bleiben die Bezahlbarkeit von und der Zugang zur Kinderbetreuung auch weiterhin eine gewaltige Herausforderung.

Subscribe
Unsubscribe