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Das Versprechen frühkindlicher Bildung und Erziehung zur Förderung sozialer Mobilität

30/04/2014

Innerhalb der letzten Jahre ist anhand von Langzeitstudien immer klarer geworden, welchen positiven Einfluss die frühkindliche Bildung und Erziehung (Early Childhood Education and Care, ECEC) auf die zukünftige Entwicklung von Kindern nimmt und welch hohe Kosten entstehen, wenn nicht bereits sehr früh versucht wird, Benachteiligungen entgegenzuwirken. Die Europäische Kommission hat durch die Einführung des Sozialinvestitionspakets sowie die in diesem Zusammenhang implementierte Europäische Plattform für Investitionen in Kinder deutlich gemacht, wie wichtig „Investitionen in Kinder“ sind, um den „Kreislauf der Benachteiligung zu durchbrechen“. Die Plattform hat vor kurzem ein Kurzdossier über die Bedeutung frühkindlicher Bildung und Erziehung und den Zusammenhang dieser Thematik mit dem Zugang zu Hochschulbildung im Rahmen der Förderung sozialer Mobilität veröffentlicht.

(c) IStock

Die Möglichkeiten, die Maßnahmen in der frühen Kindheit bereithalten

Frühkindliche Bildung und Erziehung (Early Childhood Education and Care, ECEC) bietet die Möglichkeit, Benachteiligungen, die sich im Zusammenhang mit der Herkunft eines Kindes ergeben, entgegenzuwirken und kann dazu beitragen, dass sich die gesamtgesellschaftliche Produktivität erhöht. Dies geschieht insbesondere durch die Verbesserung der Bildungsergebnisse von Kindern. Der Kreislauf der Benachteiligung trägt dazu bei, dass Benachteiligungen von einer Generation auf die nächste übergehen. Kurzum: Bei Kindern, die in Familien mit niedrigerem Einkommen hineingeboren werden, ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie intellektuell nicht ausreichend stimuliert werden, höher. Dies hat zur Folge, dass kognitive und soziale Kompetenzen weniger stark ausgebildet werden, was zu einem geringeren Bildungsniveau und einer geringeren Anzahl an Hochschulzugängen beiträgt. Dies wirkt sich letzten Endes auf die Karriereperspektiven aus und erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Kinder aus benachteiligten Verhältnissen zu benachteiligten Erwachsenen werden.

Seit bekannt ist, dass Maßnahmen frühkindlicher Bildung und Erziehung nachweislich dazu beitragen können, Benachteiligungen entgegenzuwirken und eine wesentliche, langfristige Investition darstellen, interessieren sich politische Entscheidungsträger stärker für das Thema. Die Tatsache, dass sich das Gehirn in den ersten Lebensjahren schnell entwickelt und geformt werden kann, bietet eine einzigartige Gelegenheit, um in Kinder zu investieren. Untersuchungen zeigen, dass Bildungsmaßnahmen in den frühen Lebensjahren (insbesondere bei benachteiligten Kindern) eine wesentliche Rolle im Zusammenhang mit einem guten Start ins Leben spielen. Dies gilt insbesondere für die Vorbereitung auf die Schule sowie den Erfolg in der Grundschule und darüber hinaus, ganz besonders für Kinder ab 3 Jahren. Die Ergebnisse von Programmen mit Langzeitnachbeobachtung in den USA im Bereich frühkindlicher Bildung und Erziehung wie beispielsweise das „High/Scope Perry Preschool Project“, das sich in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts auf benachteiligte Kinder konzentrierte, besagen, dass 70 Prozent der Gruppe, die ein qualitativ hochwertiges Kinderbetreuungsangebot in Anspruch nehmen konnten, einen Hochschulabschluss planten. Bei Kindern, die kein qualitativ hochwertiges Kinderbetreuungsangebot hatten in Anspruch nehmen können, waren es 36 Prozent.

Herausforderungen für die soziale Mobilität in Europa

Bei der frühkindlichen Bildung und Erziehung stellen sich in Europa zwei zentrale Herausforderungen. Erstens ist die Durchführung von Maßnahmen zu frühkindlicher Bildung und Erziehung in Europa ungleich verteilt: während in einigen EU-Mitgliedstaaten ein universeller Zugang geboten wird, ist dies in Ländern nicht der Fall. Zweitens müssen Maßnahmen frühkindlicher Bildung und Erziehung gewissen Kriterien gerecht werden, um wirksam zu sein. Wirksame Maßnahmen frühkindlicher Bildung und Erziehung müssen qualitativ hochwertig sein, insbesondere, weil sich qualitativ nicht hochwertige Maßnahmen frühkindlicher Bildung und Erziehung negativ auf Kinder auswirken können, die aus einkommensschwachen Familien stammen. Zudem müssen die Maßnahmen frühkindlicher Bildung und Erziehung gezielt umgesetzt, d. h. insbesondere auf Kinder ausgerichtet werden, die gefährdet sind, weil sie aus benachteiligten Verhältnissen stammen und ihre Entwicklung nicht angemessen stimuliert wird. Weitere Faktoren, die auf die Auswirkungen von Maßnahmen frühkindlicher Bildung und Erziehung Einfluss nehmen, sind unter anderem die Dauer intensiver Maßnahmen in diesem Bereich sowie Mitarbeiterschulungen.

Weitere Herausforderungen stellen sich im Zusammenhang mit dem Thema Hochschulzugang. Für Schüler mit einem niedrigen sozioökonomischen Status beispielsweise ist die Wahrscheinlichkeit eines Hochschulzugangs in Europa unverhältnismäßig gering. Allerdings sind diese Schüler je nach Land unterschiedlich stark unterrepräsentiert. Auf der einen Seite können Maßnahmen frühkindlicher Bildung und Erziehung dazu beitragen, das „Angebot“ zu erhöhen, indem benachteiligten Kindern die Möglichkeit gegeben wird, ein höheres akademisches Potenzial auszubilden, das es ihnen ermöglichen kann, die Universität zu besuchen. Zudem wären Hochschulen dazu in der Lage, sich mit dem Thema „Nachfrage“ zu beschäftigen, insbesondere indem sie leistungsstarke Schüler davon überzeugen, dass diese in Erwägung ziehen sollten, an der Universität zu studieren.

In Anbetracht des Versprechens  für frühkindliche Bildung und Erziehung sowie der damit verbundenen Herausforderungen scheinen sich die Regierungen stärker darauf konzentrieren können, den Kreislauf der Benachteiligung zu durchbrechen, indem sie beispielsweise anspruchsvolle Indikatoren und politische Ziele entwickeln, die die Bereitstellung von Maßnahmen frühkindlicher Bildung und Erziehung für unterrepräsentierte Gruppen mit dem Thema Hochschulzugang in Zusammenhang bringen.

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