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In Deutschland wurde ein Rechtsanspruch auf Kindertagespflege eingeführt

27/08/2013

Seit dem 1. August besteht in Deutschland ein Rechtsanspruch auf frühkindliche Förderung in einer Tageseinrichtung oder in der Kindertagespflege. Jedes Kind zwischen einem und drei Jahren hat nun einen Rechtsanspruch auf diese Art von Unterstützung und die Bundesländer Deutschlands planen, etwa 810.000 Plätze für Kinder unter drei Jahren in Kindertagesstätten (Kita's) zu schaffen. Dieser Rechtsansatz stimmt mit der Empfehlung der Europäischen Kommission „Investitionen in Kinder“ überein, die im Februar diesen Jahres herausgegeben worden war.

(c) IStock

Der Plan, Plätze zu schaffen, erweist sich als ambitioniert

Der Rechtsanspruch auf Kindertagespflege trat auf der Grundlage einer Vereinbarung zwischen der Bundesebene, den Bundesländern und lokalen Behörden in Kraft. Die Länder sind dazu verpflichtet, eine ausreichende Anzahl an Plätzen in Kindertagesstätten zu finanzieren, um sicherzustellen, dass jedes Kind seinen Rechtsanspruch auf Kindertagespflege in Anspruch nehmen kann. Die Bundesregierung hat finanziell dazu beigetragen, dass diese Plätze in Kindertageseinrichtungen geschaffen werden konnten und eine Webseite ins Leben gerufen, die Informationen für Eltern, Kinderbetreuungspersonen und Tagesmütter/Tagesväter bereitstellt sowie einen Überblick über Finanzierungsprogramme gibt, um eine Vielzahl von Interessensgruppen zu unterstützen.

Allerdings fehlen nach Auskunft des Vereins Deutscher Städtetag noch etwa 90.000 Plätze in Kindertageseinrichtungen. In größeren Städten werden auch weiterhin viele Plätze fehlen. Die Tatsache, dass nicht genügend qualifizierte Tagesmütter und Tagesväter zur Verfügung stehen, wird möglicherweise dazu führen, dass Kindertagesstätten mehr Kinder aufnehmen müssen, ohne dass mehr Personal eingestellt wird. Die deutsche Bundesagentur für Arbeit schätzte, dass bis 2016 etwa 20.000 weitere Tagesmütter und Tagesväter benötigt werden. In einigen innerstädtischen Bereichen gehen weniger Personen dem Beruf der Tagesmutter oder des Tagesvaters nach, als erwartet wurde. Dies führt dazu, dass mehr Plätze in Kindertagesstätten angefragt werden, als voraussichtlich frei werden, so dass sich die Suche nach einem Platz in einer Kindertagesstätte für Eltern oder werdende Eltern schwierig gestaltet. Eine kürzlich durchgeführte Studie, die an 600 Kindertagesstätten in acht Bundesländern durchgeführt wurde, zeigte zudem, dass das Betreuungsniveau in jeder zweiten Tagesstätte qualitativ unzureichend ist.

Betreuungsgeld

Wenn sich Eltern dazu entscheiden, Ihr Kind nicht in eine Kindertagesstätte zu geben, werden ihnen 100 Euro (ab dem 1. August 150 Euro) pro Kind im Alter von 15 bis 36 Monaten ausgezahlt – unabhängig von ihrem Beschäftigungsstatus. Die Regierung, die sich aus der Christlich-Demokratischen Union (CDU) und ihren Koalitionspartnern (der Christlich-Sozialen Union) sowie den Liberalen (FDP) zusammensetzt, rechtfertigt diese Maßnahme mit der Erklärung, dass diese den Eltern, die ihr Kind nicht in eine Kinderbetreuungseinrichtung geben möchten, eine Alternative bietet. Die Opposition argumentiert, dass dieses Geld besser dafür verwendet werden sollte, sicherzustellen, dass ausreichend Plätze in Kindertagesstätten zur Verfügung gestellt werden können und dass diese Form der Unterstützung den Eltern – insbesondere den Müttern – einen falschen Anreiz bietet und sie so dem Arbeitsmarkt länger fernbleiben. Sie ist ebenfalls der Meinung, dass sich dieser negative Anreiz zudem in unproportionalem Maße auf Mütter mit Migrationshintergrund  auswirkt, die sich nicht in die Gesellschaft integrieren, wenn sie die Unterstützung in Anspruch nehmen.

Steigende Geburtenraten?

2011 wurde in Deutschland für Frauen zwischen 15 und 49 Jahren eine Gesamtgeburtenrate von 1,36 berechnet.  Diese Zahl ist durchgängig geringer als die Rate von 1,4 im letzten Jahrzehnt und geringer als der Durchschnitt der EU-27, der bei 1,57 liegt. Die Einführung des Rechtsanspruchs auf Kindertagespflege gilt unter anderem als Maßnahme, langfristig einen demografischen Wandel in einer schnell alternden Gesellschaft herbeizuführen.  Die Verfügbarkeit von Plätzen in Kindertageseinrichtungen gilt als einer der Schlüsselfaktoren hinsichtlich der Entscheidung junger Menschen, ob sie Kinder haben möchten oder nicht. Da die Reform erst kürzlich durchgeführt wurde, wird allerdings erst in einigen Jahren absehbar sein, ob sich der Rechtsanspruch auf Kindertagespflege positiv auf die Geburtenraten in Deutschland auswirken wird.

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