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Die Lage der Kinder der Welt 2013 – Kinder mit Behinderungen (UNICEF 2013)

16/07/2013

Im Mai 2013 veröffentlichte UNICEF seinen neuesten Bericht zur „Lage der Kinder der Welt “, der sich in diesem Jahr auf Kinder mit Behinderungen konzentriert und auf der Grundlage statistischer Daten aus der ganzen Welt neben einer Analyse der aktuellen Situation auch einen Aktionsplan beinhaltet. Darüber hinaus umfasst er mehrere Artikel aus der Sicht einzelner Personen mit unterschiedlichen Erfahrungen zu diesem Thema.

child with disability

Wichtige Beobachtungen zur aktuellen Situation

Auch wenn der Bericht bestätigt, dass es tatsächlich einige Verbesserungen für Kinder mit Behinderungen und ihre Familien gibt, so betont er doch auch, dass die Fortschritte in den einzelnen Ländern ganz unterschiedlich ausgeprägt sind. Im Februar 2013 hatten 193 Länder die Kinderrechtskonvention (Convention on the Rights of the Child, CRC) sowie 127 Länder und die Europäische Union die Behindertenrechtskonvention (Convention on the Rights of Persons with Disabilities, CRPD) ratifiziert. Doch „eine Ratifizierung allein ist nicht ausreichend“.

Der vorherrschende Trend in den meisten Ländern besteht darin zu versuchen, Kinder mit Behinderungen in die vorhandenen institutionellen Rahmenbedingungen einzugliedern und sie so in die Gesellschaft zu integrieren; bildungstechnisch beispielsweise durch die Aufnahme in so genannte „Regelschulen“. In vielen Fällen hat dies jedoch nur zu einer verschärften Ausgrenzung und Diskriminierung der betroffenen Kinder in der Gesellschaft geführt, da es noch keine ausreichenden Bemühungen gibt, diese Einrichtungen so anzupassen, dass behinderte Kinder wirklich partizipieren können. Eine Prüfung der Situation von Kindern mit geistigen Behinderungen in 22 europäischen Ländern hat ergeben, dass normale Lehrer für die Arbeit mit behinderten Kindern unzureichend ausgebildet sind. Der UNICEF-Bericht zitiert außerdem eine britische Studie aus dem Jahr 2007pdf zu Kindern mit besonderen schulischen Bedürfnissen, in der 55 % der Befragten angaben, aufgrund ihrer Behinderung ungerecht behandelt worden zu sein. Anders ausgedrückt bedeutet dies, dass Integration nicht automatisch auch Inklusion bedeutet.

Kinder mit Behinderungen sind im Alltag vielen körperlichen, bürgerlichen und gesellschaftlichen Hindernissen ausgesetzt, deren Größe und Schweregrad je nach Kultur unterschiedlich ausfallen können. Mit dem Bericht will UNICEF die derzeitigen karitativen Ansätze in Frage stellen, die Kinder mit Behinderungen als "passive Empfänger von Betreuung und Schutz" betrachten; man sollte ihnen vielmehr zu ihrem rechtmäßigen Status als "vollwertige Mitglieder der Gesellschaft" verhelfen. Der Bericht drängt Politiker, eingefahrene Haltungen gegenüber Kindern mit Behinderungen aufzugeben und sie nicht länger als Begünstigte, sondern als "Agents of Change" zu behandeln, die aktiv an Veränderungen mitwirken, um die Hindernisse, die ihnen im Weg stehen, zu beseitigen. Als eine Möglichkeit zur Umsetzung schlägt UNICEF vermehrte öffentliche Kampagnen zur Erhöhung des Bewusstseins für Kinder mit Behinderungen vor.

Aktionsplan

UNICEF hat eine Reihe von Empfehlungen zusammengestellt, die von Ländern übernommen werden können, die bereits Schritte zur Ratifizierung der Konventionen getroffen haben. UNICEF fordert die Regierungen der Länder auf, sich mit lokalen Behörden, Arbeitgebern, Verbänden und anderen Dienstleistern abzustimmen, um Diskriminierung zu bekämpfen, Inklusionshindernisse abzubauen, Institutionalisierung zu beenden, Familien zu unterstützen, über Mindeststandards hinauszugehen, Dienste zur Unterstützung der Kinder zu koordinieren und Kinder mit Behinderungen in die Entscheidungsfindung einzubinden.

Der Bericht betont insbesondere die Notwendigkeit, Familien mehr finanzielle, physische und emotionale Unterstützung durch den Staat bereitzustellen, da Familien, die mit ihrer Situation überfordert sind, häufig keine andere  Wahl haben, als ihre Kinder Institutionen zu überlassen. Auch die Furcht vor Diskriminierung und gesellschaftlicher Ausgrenzung kann dazu führen, dass Eltern ihre Kinder unsichtbar machen und ihnen so den Zugang zur nötigen Betreuung, Bildung und Förderung verweigern. Verschlimmert wird das Problem der "Unsichtbarkeit" durch den lähmenden Mangel an verlässlichen Daten und Informationen zu Behinderungen von Kindern. Daher ruft UNICEF zu verstärkten weltweiten Bemühungen auf, zuverlässige, gültige und international vergleichbare Schätzungen auszuarbeiten, um "angemessene politische und programmatische Reaktionen" seitens der Regierungen und ihrer internationalen Partner zu ermöglichen.

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