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„ONE in FIVE“ – Datenbank bewährter Praktiken gegen sexuelle Gewalt an Kindern

18/06/2013

Im Februar 2013 rief der Kongress der Gemeinden und Regionen des Europarates eine Initiative ins Leben, die die 200.000 kommunalen und regionalen Behörden der Mitgliedstaaten dazu aufrief, einen Pakt zu unterzeichnen, um gegen sexuelle Gewalt an Kindern vorzugehen. Mit dem Pakt leistet der Kongress seinen Beitrag zur Initiative „ONE in FIVE“ des Europarates, die 2010 ins Leben gerufen wurde und auf Daten basiert, aus denen hervorgeht, dass schätzungsweisepdf jedes fünfte Kind Opfer sexueller Gewalt ist. Die Initiative zielt auf eine verstärkte Umsetzung des Abkommens des Europarates zum Schutz von Kindern vor sexueller Ausbeutung und sexuellem Missbrauch ab. Die Beteiligung der Kommunalbehörden ist sehr wichtig, damit die Initiative erfolgreich durchgeführt werden kann, da viele entscheidende Themen im Bereich Kinderschutz in ihren Zuständigkeitsbereich fallen, wie beispielsweise die Reglementierung der Sozial- und Gesundheitsdienste. Es wurde auch eine Online-„Pakt-Plattform” ins Leben gerufen, die dazu gedacht ist, den Fortschritt und die Initiativen der Unterzeichnenden zu verfolgen und die als zentrale Datenbank bewährter Praktiken dienen wird.

report on best practices to step sexual violence against abused children to foster child well-being

Die vier „P“

Der Pakt beinhaltet vier Schwerpunktbereiche: Prävention, Protektion, Prosekution und Partizipation – die vier „P“: präventiv tätig werden, um Missbrauch vorzubeugen, die Opfer schützen, die Täter verfolgen und sicherstellen, dass Kinder umfassend in den gesamten Prozess eingebunden werden.

  • Grundlegender Bestandteil der Prävention ist, das Problembewusstsein in Zusammenhang mit dieser Thematik bei Eltern, Kindern, Lehrern und der Öffentlichkeit zu erhöhen. Eltern und Betreuer müssen in der Lage sein, Anzeichen für sexuelle Ausbeutung und sexuellen Missbrauch von Kindern zu erkennen und alle Interessensvertreter, die regelmäßig mit Kindern in Kontakt stehen, sollten entsprechend geschult werden.
  • Geschützt werden können Kinder am besten dadurch, dass Städte und Regionen im Dienstleistungsbereich einen behördenübergreifenden, multidisziplinären Ansatz verfolgen. „One-stop“-Zentren böten die Möglichkeit, alle Fachkräfte, die in die Untersuchung von Fällen sexuellen Missbrauchs an Kindern eingebunden sind, unter einem Dach zu vereinen und wären ein sicherer Ort, an den Kinder gehen können, um jemanden ins Vertrauen zu ziehen.
  • Auch wenn die Verfolgung der Täter auf nationaler Ebene erfolgt, könnten die Kommunalbehörden sicherstellen, dass dem Kind und seinen Eltern während des Verfahrens die notwendige Unterstützung zuteilwird, beispielsweise in Form eines Beratungsangebots. Zudem obliegt es den Kommunalbehörden, die Täter über ihre Rechte zu informieren und auf die Dienstleistungen hinzuweisen, die sie in Anspruch nehmen können.
  • Die Kommunalbehörden sollten vorrangig die Standpunkte junger Menschen vertreten und in ihrem besten Interesse handeln, um sie vor Missbrauch zu schützen. Dieses Prinzip der Einbindung ist grundlegend für jede Maßnahme, die ergriffen wird.

Wie wird der Pakt praktisch umgesetzt?

Dadurch, dass sie den Pakt unterschreiben, verpflichten sich Städte und Regionen dazu, dem allgemeinen Ziel des Kongresses zu entsprechen, das darin besteht, das Problembewusstsein in Hinblick auf diese Thematik zu erhöhen und die notwendigen Strukturen zu schaffen, um mit dem Thema sexuelle Gewalt umgehen zu können. Dennoch bietet der Pakt einen umfassenden Empfehlungskatalog und die Behörden können entscheiden, welche Initiativen sie für sinnvoll halten und diese auswählen oder umsetzen. Dadurch ist eine unterschiedliche inhaltliche Ausprägung möglich und – was vielleicht noch wichtiger ist – die Möglichkeit unterschiedlicher wirtschaftlicher Beschränkungen ist gegeben. Viele der vorgeschlagenen Maßnahmen sind sehr einfach und können mit geringem finanziellen Aufwand umgesetzt werden: beispielsweise „verlinken sie von den Homepages der Städte und Regionen auf die ONE in FIVE-Website des Europarates“. Somit reduziert der Pakt kurzfristig gesehen den notwendigen Aufwand und die notwendigen Ressourcen auf ein Minimum, das letztendliche Ziel liegt jedoch darin, dass die Kommunalbehörden präzise ausgearbeitete, zukunftsfähige Systeme schaffen, die zwangsläufig größere Investitionen erforderlich machen werden.

Ein zentraler Aspekt des Paktes besteht darin, das Problembewusstsein durch Aufklärung zu erhöhen. Der Pakt zeigt die große Anzahl an Ressourcen auf, die den Kommunalbehörden bereits zur Verfügung stehen und verlangt nicht, dass sie diese selber schaffen müssen. Der Europarat stellt Entscheidungsträgern, Interessensgruppen und Fachkräften Informationsmaterial zur Verfügung, das dazu beitragen soll, ihr Verständnis der Problematik zu erhöhen. Die Kommunalbehörden müssen diese Informationen nur ausdrucken und verteilen. Der Europarat hat zudem Ressourcen geschaffen, um Eltern und Kindern die Möglichkeit zu geben, sexueller Gewalt vorzubeugen und Bericht über diese zu erstatten: beispielsweise auf www.underwearrule.org. Des Weiteren ermutigt der Pakt Kommunalbehörden, Partnerschaften mit bestehenden Nichtregierungsorganisationen und privaten Organisationen einzugehen, um von deren Wissen und Kompetenz in diesem Bereich zu profitieren. Der Schwerpunkt liegt somit auf einer stärkeren Koordinierung und Zusammenarbeit, mit dem Ziel, maximale Wirkung zu erreichen.

Das Prinzip der Zusammenarbeit wird beispielhaft anhand der Online „Pakt-Plattform“ veranschaulicht. Herr Clemens Lammerskitten, Abgeordneter der Kammer der Regionen, sagte in seiner Rede anlässlich der 7. jährlichen Konferenz des europäischen Netzwerkes „Cities for Children“ am 13. Mai:

„Unser Ziel ist es, durch diese Plattform eine umfassende Datenbank mit Initiativen und Strategien zur Bekämpfung sexueller Ausbeutung und sexuellen Missbrauchs zu bieten, die anderen Städten, Regionen und Verbänden als Informations- und Inspirationsquelle dient.“

Diejenigen, die den Pakt unterzeichnet haben, können ihre eigene „Pakt-Website“ erstellen und Informationen zu aktuellen strategischen Schritten und Maßnahmen hochladen. Auf diese Weise können die Kommunalbehörden von dem Austausch bewährter Maßnahmen profitieren und dem Pakt eine dauerhafte Präsenz schaffen.

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