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Bildung und Integration von Immigrantenkindern der zweiten Generation in Europa

30/05/2013

Das Thema Migration spielt eine wichtige Rolle im Zusammenhang mit dem Ziel, den Herausforderungen, die die europaweite Alterung der Gesellschaft stellt, gerecht zu werden. Jedoch besteht nach wie vor ein Ungleichgewicht zwischen dem sozioökonomischen Status von Migranten und Einheimischen und dieses Ungleichgewicht wurde teilweise an die Generationen weitergegeben, die im Gastland geboren wurden. Die sozioökonomische Situation von Migranten der zweiten Generation mit ausländischem Hintergrund (beide Eltern im Ausland geboren) ist besser als die von Migranten der ersten Generation, jedoch im Vergleich schlechter als die von Menschen ohne Migrationshintergrund. Gemäß Eurostat-Statistiken sind Migranten der zweiten Generation (Personen, die im Gastland geboren wurden; ein Elternteil oder beide Eltern wurden im Ausland geboren) im Hinblick auf Bildungserfolge, Einkommen und Beschäftigungsquoten im Nachteil. Einige dieser Nachteile konnten ausgeglichen werden oder haben sich sogar im Falle von Migranten der zweiten Generation mit einem „gemischten Hintergrund“ (ein Elternteil wurde im Ausland geboren), teilweise ins Gegenteil verkehrt. Allerdings bestehen je nach Mitgliedstaat große Unterschiede bezüglich des Bildungsniveaus von Migranten der zweiten Generation.

children playing at school, (c) IStock

Migrantenkinder der zweiten Generation und das Bildungssystem

Die Bezeichnung „Migranten der zweiten Generation“ beschreibt zwei Gruppen unmittelbarer Nachkommen von Migranten.  Zu der ersten Gruppe, bei der ein „gemischter Hintergrund“ vorliegt, gehören Personen, die im Gastland geboren wurden und bei denen ein Elternteil aus dem Ausland und der andere aus dem Gastland stammt. Zu der zweiten Gruppe, bei der ein ausländischer Hintergrund vorliegt, gehören Personen, die im Gastland geboren wurden und Eltern haben, die beide im Ausland geboren wurden.

Studien, die auf Mitgliedsstaatenebene durchgeführt wurden oder bestimmte Migrantengruppen untersucht haben, kamen zu dem Ergebnis, dass die Gestaltung des Bildungssystems Einfluss auf die Integration nimmt.  Bei jungen Migranten der zweiten Generation mit ausländischem Hintergrund ist in der Regel die Gefahr größer, dass sie das Bildungs- und Ausbildungssystem ohne höhere sekundäre Berufsqualifikation verlassen. Vergleicht man den Anteil früher Schulabgänger bei Migranten der zweiten Generation mit ausländischem Hintergrund mit dem von Migranten der ersten Generation, stellt sich die Situation bei Migranten der zweiten Generation um Einiges besser dar: die Anzahl früher Schulabgänger mit ausländischem Hintergrund ist wesentlich geringer als die von jungen Menschen, die nicht im Gastland geboren wurden (17 % im Vergleich zu 26 %).  Sowohl im Hinblick auf Frauen als auch auf Männer ist der europaweite Anteil an Migranten der zweiten Generation mit niedrigem Bildungsniveau geringfügig kleiner als bei ihren Pendants, deren Eltern im Gastland geboren wurden.  Einerseits weist dieser Trend darauf hin, dass die Bildungssysteme darauf ausgerichtet sind, Immigrantenkinder zu integrieren, wobei es nach wie vor nicht einfach ist, zu bemessenpdf, in welchem Verhältnis die Wirksamkeit dieser Maßnahmen im Vergleich zu der Möglichkeit steht, Integration durch Schulbildung zu fördern. Andererseits spielt der sozioökonomische Hintergrund von Migrantenkindern eine wichtige Rolle im Zusammenhang mit den Unterschieden, die im Hinblick auf die Schulergebnisse von Migrantenkindern und von einheimischen Schülern festgestellt wurden, wie Studien zu dem Thema Integration von Migranten der zweiten Generation in Schweden gezeigt haben, die 2013 im Rahmen des Demografie-Forums in Brüssel von Professor Kirk Scott vorgestellt wurden.  Nach Berücksichtigung dieser Faktoren ist die Diskrepanz in Bezug auf das Bildungsniveau wesentlich geringer und es ist zu vermuten, dass die Abweichung eher durch sozioökonomische als durch kulturelle Ursachen verstärkt/bedingt wird.

Faktoren, die zu einer Verbesserung des Bildungsniveaus und der Integration führen: Beziehungen zu Schulen, Familie und Freunden

Um die Integration zu erleichtern, ist es nachweislich sehr wichtig, Bildungsnetze und Unterstützungsstrukturen einzubeziehen, die auf den sozialen Hintergrund der Migrantenkinder zugeschnitten sind. Eine im Rahmen des europäischen TIES-Projektes SD: is a footnote needed here to explain what TIES stands for??? durchgeführte Studiepdf zu dem Thema „türkische Kinder in der zweiten Generation in Europa“ kam zu dem Ergebnis, dass die Unterschiede zwischen Kindern mit Migrationshintergrund und Kindern von Eltern, die im Gastland geboren wurden, dadurch verringert werden können, dass die Kinder bereits im frühen Kindesalter die Schule besuchen. Am erfolgsversprechendsten scheint ein Besuch des Kindergartens ab dem zweiten oder dritten Lebensjahr zu sein. Ein großer Teil der Migrantenschüler der ersten Generation schneidet im Vergleich zu sowohl einheimischen als auch Migrantenschülern der zweiten Generation in der Schule schlechter ab. Segregierte Schulen könnten sich jedoch noch zusätzlich negativ auswirken, da belegt ist, dass bei Schülern, die sie besuchen, die Wahrscheinlichkeit eines Besuchs weiterführender Schulen geringer ist. Zudem ist es in Bildungssystemen, bei denen es zu einer frühen Selektion kommt, wichtig, dass längere oder alternative Wege des Erwerbs höherer Bildungsabschlüsse gegeben sind, damit Immigrantenkinder zusätzliche Zugangsmöglichkeiten zu Hochschulbildung haben.

Für die Verbesserung des Bildungsniveaus sowie der vollständigen Integration sind zudem die Zusammenarbeit zwischen Eltern und Schulen sowie die Zusammensetzung der Freundeskreise des Kindes von zentraler Bedeutung. Migranteneltern sind oftmals dazu in der Lage, ihren Kindern sozial-emotionale Unterstützung aber keine praktische Hilfestellung zu geben. Hier ist eine andere Unterstützungsstrategie von Seiten der Schulen vonnöten. Zudem können Schulen oftmals ältere Geschwister mit einbinden, die in Migrantenfamilien ihren Eltern viele Aufgaben abnehmen. Studien in Deutschland haben ergeben, dass auch Freunde, insbesondere breit gefächerte Freundeskreise, im Hinblick auf das Bildungsniveau, die berufliche Leistung und die Einbindung in die Gemeinschaft des Gastlandes einen bedeutenden Beitrag zu einer erfolgreichen Integration leisten.

Abschließend lässt sich sagen, dass die Berücksichtigung des besonderen sozio-ökonomischen und kulturellen Hintergrundes von Migrantenkindern der zweiten Generation das Potenzial aufzuweisen scheint, diesen Kindern die Integration erheblich zu erleichtern und ihre schulischen und beruflichen Erfolg zu verbessern.

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