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Kinder in der EU vor Online-Gefahren schützen

08/05/2013

Die Umwelt, in der Kinder heutzutage leben, unterscheidet sich grundlegend von der, in der ihre Eltern aufgewachsen sind. Zu den bedeutendsten generationsübergreifenden Veränderungen gehört die zunehmende Bedeutung virtueller Umgebungen im privaten sowie im Bildungsbereich. Sie wirkt sich merklich auf das Maß an körperlicher Aktivität von Kindern sowie auf ihre Sozialisierung aus und stellt eine Herausforderung für Verhaltensmodelle vergangener Generationen dar. Die Online-Aktivitäten der Kinder halten neue Gefahren bereit und machen Kinder auf eine Art und Weise angreifbar, die Ihren Eltern und Lehrern nicht vertraut ist. Die Europäischen Institutionen und EU-finanzierte Projekte gehen immer stärker die Risiken für und die Sicherheit von Kindern im Online-Bereich an.

child looking at computer screen, (c) IStock

Das Internet macht einen wichtigen Teil der Welt aus, in der europäische Kinder leben

Heutzutage gehört die Nutzung des Internets wie selbstverständlich zum Leben der meisten Kinder dazu. Laut einer paneuropäischen Studie, die im Rahmen des „EU Kids Online“-Projekts in 33 Ländern durchgeführt wurde, sind 60 % aller 9- bis 16- Jährigen jeden Tag oder fast jeden Tag online. Kinder gehen immer früher online. Kinder nutzen das Internet für unterschiedliche und potenziell nützliche Dinge: 9- bis 16-Jährige nutzen das Internet hauptsächlich für ihre Hausaufgaben (85 %), um Spiele zu spielen (83 %), Videoclips anzusehen (76%) und für Instant-Messaging-Programme (62%). Durchschnittlich 59 % aller 9- bis 16-Jährigen verfügen über ein Profil in sozialen Netzwerken. Diese Zahl nimmt mit dem Alter der Kinder zu. 26 % dieser Profile in sozialen Netzwerken sind öffentlich. Bei Computernutzung, Computerkenntnissen und damit verbundenen Gefahren lassen sich je nach Land und sozio-öknonomischer Gruppe große Unterschiede feststellen. Generell lässt sich jedoch sagen, dass die Gefahren für die Kinder steigen, je öfter sie den Computer nutzen.

Die Gefahren, die die Online-Welt bereithält, richten nur in seltenen Fällen tatsächlich Schaden an

Laut einer Einschätzung der Europäischen Agentur für Netz- und Informationssicherheit (ENISA) sind insbesondere das Schikanieren von Kindern („Bullying“) und das Anfreunden mit Kindern in sexueller Absicht („Grooming“) die größten Gefahren im Zusammenhang mit der Nutzung des Internets. Beides kann schwere gesundheitliche und psychische Schäden verursachen. Weitere Gefahren liegen in der Verbreitung und unwiderruflichen Enthüllung wichtiger persönlicher Informationen im Internet, dem Ungleichgewicht zwischen technischer und sozialer Kompetenz, der Diskriminierung auf Basis von Verhaltensmustern - oft durch Marketingagenturen - sowie dem Missbrauch von Daten nach Datenverlust.

Obwohl die Nutzung des Internets bedeutende Gefahren für junge Nutzer bereithält und die Wahrscheinlichkeit, dass diese diesen Gefahren ausgesetzt werden, mit dem Alter und der Nutzungshäufigkeit steigt, richten nicht alle Gefahren, die die Online-Welt für die Nutzer bereithält, tatsächlich Schaden an. Zudem stehen Kinder Online-Gefahren nicht völlig hilflos gegenüber. Laut der EU Kids Online-Studie sind die meisten 11- bis 16-Jährigen dazu in der Lage, unerwünschte Nachrichten zu blockieren (64 %) oder sich online über Sicherheitsthemen zu informieren (64 %). Die Hälfte kann Privatsphäre-Einstellungen abändern (56 %), Webseiten vergleichen, um deren Qualität zu beurteilen (56 %) oder Spam abzuwehren (51 %).

Die größten Gefahren, denen junge Internetnutzer ausgesetzt sind, sind Pädophile, die sich in sexueller Absicht mit Kindern anfreunden, Gleichaltrige, die andere Kinder schikanieren und die Tatsache, dass Inhalte sexueller Natur im Internet verfügbar sind. Die Umfrage kam jedoch zu dem Ergebnis, dass Letzteres von den Kindern selbst nicht unbedingt als gefährlich angesehen wird: so haben 14 % der Kinder angegeben, dass sie im letzten Jahr Inhalte eindeutig sexueller Natur online gesehen haben und 13 % gaben an, Nachrichten sexueller Natur erhalten zu haben, allerdings empfanden nur 2 % dies als Belästigung. Dies wirft Fragen bezüglich der Desensibilisierung von Kindern auf, die regelmäßig unangemessenen Inhalten ausgesetzt werden. Im Gegensatz hierzu haben viele Kinder angegeben, dass es sie aufgeregt habe, von anderen schikaniert worden zu sein - obwohl es in den meisten Fällen offline zu „Bullying“ zu kommen scheint und nur 6 % der befragten Kinder verletzende Nachrichten erhalten hatten. Eine in den USApdf durchgeführte Studie kam zu dem Ergebnis, dass verletzendes Online-Verhalten oftmals durch Trends in den Technologien, die Kinder verwenden, bestimmt wird: so wurde z. B. festgestellt, dass die vermehrte SMS-Kommunikation unter Freunden bei Mädchen im Teenageralter zu einer erhöhten Anzahl schikanierender und belästigender Nachrichten geführt hat. Virtuelle Umgebungen spiegeln auf diese Weise tatsächliche Verhaltensweisen wider und dienen als neue Orte, an denen die Erfahrungen, die Kinder leben, ausgetragen werden.

Eltern und Schulen können eine wichtige Rolle spielen, wenn es darum geht, Kindern beizubringen, wie sie mit dem Internet umgehen sollten

Laut des Eurobarometerspdf Übersetzung für diesen Link wählen  machen sich Eltern vor allem Sorgen um die Inhalte, denen ihre Kinder im Internet ausgesetzt sind und davor, dass sich jemand in sexueller Absicht mit ihnen anfreunden könnte. Die elterliche Kenntnis darüber, ob sich diese Gefahren tatsächlich bewahrheiten, ist jedoch begrenzt. Die EU Kids Online-Umfrage fand heraus, dass mehr als der Hälfte der Eltern nicht bewusst ist, dass ihre Kinder gefährlichen Inhalten ausgesetzt sind, Nachrichten sexueller Natur erhalten oder versenden und sich offline mit Online-Bekanntschaften treffen. Obwohl der Großteil der Eltern denkt, dass es wichtig ist, sich mit seinen Kindern zusammenzusetzen und mit ihnen über ihre Online-Aktivitäten zu reden, sind nur wenige mit den Möglichkeiten vertraut, die Gefahren einschränken können, wie beispielsweise dem Einsatz von Filtern. Viele Kinder sehen ihre Schule als wichtigsten Ansprechpartner für das Thema „sichere Internetnutzung“.

Online-Sicherheit betrifft Kinder, Eltern und Internet-Provider

Die digitale Integration von allen und E-Kompetenz-Schulungen für alle Kinder gehören zu den grundlegenden Prioritäten der Europäischen Union. Es ist von entscheidender Bedeutung, dafür Sorge zu tragen, dass Kinder vor Online-Gefahren geschützt werden und das Internet eigenverantwortlich nutzen. Nationale Regierungen, Europäische Institutionen und EU-finanzierte Projekte gehen diese Themen verstärkt an. Das Projekt EU Kids Online rät, dass es bei Kindern, aber auch bei Eltern und Pädagogen zu einer Bewusstseins- und Kapazitätsbildung in diesen Bereichen kommen muss, um die oben beschriebenen Ziele zu erreichen. Zudem liegt es auch in der Verantwortung von Internet-Providern, beispielsweise von sozialen Netzwerken, die Sicherheit junger Nutzer bei der Gestaltung ihrer Privatsphäre- und Datenschutzrichtlinien zu berücksichtigen. Allerdings darf nicht vergessen werden, dass im Hinblick auf einige Probleme wie „Bullying“, Ansätze notwendig sind, die über die Thematik des Online-Verhaltens hinausgehen und die in einen breiteren sozio-politischen Kontext eingebettet sind.

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