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ESN kommentiert den Bericht des Ausschusses für Sozialschutz für die Europäische Kommission: die Perspektive lokaler Sozialdienste für Kinder

10/12/2012

Das Network of European Social Services (ESN, Netzwerk europäischer Sozialdienste)  hat seine Analyse des Beraterberichts des Ausschusses für Sozialschutz (SPC) für die Europäische Kommission zur Bekämpfung und Verhinderung von Kinderarmut und der Förderung des Wohls aller Kinder  veröffentlicht. Im Mittelpunkt der Kommentare des ESN stehen der Zugang zu Qualitätseinrichtungen für Kinder sowie das Ausmaß, in dem ihnen dem Bericht zufolge bei den öffentlichen Dienstleistungsträgern Gehör und Berücksichtigung verschafft werden sollten.
Aus der Perspektive des ESN sollte die Empfehlung benachteiligte Kinder, mit denen die lokalen Sozialeinrichtungen (Mitglieder des ESN) normalerweise zu tun haben, in den Vordergrund rücken. Um einen Text zu erstellen, der diese Priorität wiedergibt, hat das ESN vorgeschlagen, dass eine Reihe von übergreifenden Prinzipien in der Empfehlung erneut bestätigt werden.

children standing outside

Zwar werden diese Prinzipien in mehreren Mitgliedstaaten der Europäischen Union als selbstverständlich angesehen, doch stellte das ESN fest, dass sie selten universell anerkannt oder in die nationale Politik eingebunden sind:

• regelmäßige strategische Beurteilung der Bedürfnisse von Kindern in einem lokalen Bereich;
• strukturelle Koordination zwischen den Einrichtungen und individuelle Kooperation zwischen dem Fachpersonal;
• eine Pflicht für alle Einrichtungen, in Fällen von Vernachlässigung und Misshandlung das Jugendamt einzuschalten;
• Qualitätsüberwachung und fortwährende Verbesserung basierend auf den Ergebnissen im Leben der Kinder;
• Zugang zu Einrichtungen für Angehörige ethnischer Minderheiten;
• Zugang zu Einrichtungen für Kinder mit benachteiligtem Hintergrund;
• eine gesetzliche Anforderung, Kinder anzuhören, die von allen sozialen Trägern anerkannt werden sollte.

Frühkindliche Erziehung und Betreuung

Das ESN würde gerne mehr Wert auf die Rolle frühkindlicher Erziehung und Betreuung (Early Childhood Education and Care, ECEC) bei der Identifizierung von Familien mit zusätzlichen Bedürfnissen oder bestimmten Problemen, einschließlich der Gefahr der Kindesvernachlässigung oder –misshandlung, legen und Mechanismen einführen, die dafür sorgen, dass spezielle Einrichtungen alarmiert werden und Hilfe zur Stelle ist. Das ESN begrüßte die Bekräftigung, dass der Zugang zu ECEC nicht vom Einkommen abhängig sein darf, und dass Familien mit benachteiligtem Hintergrund in der Benutzung dieser Einrichtungen bestärkt, und nicht stigmatisiert  werden sollten.  Darüber hinaus sollten ECEC-Einrichtungen in der Lage sein, Kinder und Familien mit zusätzlichen Bedürfnissen oder bestimmten Problemen, einschließlich der Gefahr der Kindesvernachlässigung oder –misshandlung, zu identifizieren und mit Spezialeinrichtungen zusammenzuarbeiten, um Unterstützung zu bieten.

Erziehung und Unterricht

Desgleichen begrüßt das ESN den Aufruf des SPC, eine Segregation schulischer Einrichtungen zu verhindern, da das ESN der Meinung ist, dass es allen Kindern möglich sein sollte, sich in Regelschulen unter Berücksichtigung ihrer Bedürfnisse weiterzuentwickeln, wobei die örtlichen Behörden eine wichtige Rolle spielen. Darüber hinaus empfiehlt das ESN, dass das Kommissionsdokument das Bildungssystem als Teil des Mechanismus früher Intervention ansieht, bei der abgesehen vom Unterricht auch Gesundheit sowie soziale und emotionale Bedürfnisse der Kinder Berücksichtigung finden. Um dies zu erreichen, müsste eine engere Zusammenarbeit der Gesundheits-, Sozial- und Bildungseinrichtungen stattfinden. Ausbilder und Lehrer sollten darin geschult werden, frühe Anzeichen von Bedrängnis zu erkennen und Zugang zu professioneller Beratung durch spezielle Sozialeinrichtungen haben.

Gesundheit

Im Hinblick auf Gesundheitsdienste und die Reduzierung von gesundheitlicher Ungleichheit empfiehlt das ESN, dass vor allem zwei Gruppen benachteiligter Kinder, die den Angaben der Sozialeinrichtungen zufolge besonders schlechten Zugang hierzu haben, spezielle Unterstützung geboten wird: Kinder mit ärmerem sozioökonomischem Hintergrund und Kinder, die ethnischen Minderheiten angehören (vor allem Roma und Fahrende). Diese Kinder benötigen u. U. zusätzliche Unterstützung, um sicherzustellen, dass ihnen ausreichende Gesundheitsfürsorge zukommt, wozu die Zusammenarbeit von Gesundheits- und Sozialfachkräften, die mit diesen Gruppen zu tun haben, erforderlich ist.  Das ESN hob hervor, dass eine große Notwendigkeit für die kulturelle Anpassung lokaler Gesundheits- und Sozialeinrichtungen besteht, um ein klares Verständnis der kulturellen und der Migrationsbedürfnisse zu erlangen.

Wohnverhältnisse und Umwelt

Das ESN ist der Meinung, dass die Bereitstellung erschwinglicher Wohnungen für einkommensschwache Familien eine Möglichkeit ist, die Qualitätsstandards zu erhöhen und jungen Eltern sowie einkommensschwachen Familien, die vielfachen Benachteiligungen gegenüberstehen, zu helfen. Bei der Raumplanung ist zu berücksichtigen, dass eine Konzentration von Benachteiligungen Probleme mit sich bringen kann, daher sollte ein bestimmter Prozentsatz erschwinglichen Wohnraums sowohl in öffentlichen als auch privaten Wohnbauprogrammen enthalten sein. Das ESN möchte der Empfehlung außerdem hinzufügen, dass der Planungsansatz beim Entwurf öffentlicher Plätze auf eine „kinderfreundliche“ Infrastruktur, die nicht nur wichtige öffentliche Einrichtungen, sondern auch Freizeit-, Kultur-, Sport- und andere Einrichtungen umfasst, Wert legen sollte.

Sozialeinrichtungen und die Beteiligung von Kindern

Das ESN ist der Ansicht, dass es wichtig ist, über das Recht des Kindes, gehört zu werden, zu sprechen, vor allem im Bereich des Kinderschutzes. Daher schlägt das ESN vor, dass die Empfehlung der Kommission spezifisch anerkennt, dass die Stimme des Kindes gehört werden und bei Entscheidungen, welche die Zukunft des Kindes betreffen, berücksichtigt werden muss. Abschließend ist das ESN davon überzeugt, dass die Empfehlung anerkennen sollte, dass Heimkinder und solche, die speziellen Kinderschutzmaßnahmen unterstehen, Zugang zu unabhängiger rechtlicher Vertretung haben sollten.

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