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Eurochild-Kompendium zur Familien- und Kinderförderung

06/11/2012

Eurochild veröffentlichte kürzlich ein Sammelwerk pdfüber inspirierende Praktiken im Bereich Frühintervention bei der Familien- und Kinderförderung angesichts der  finanziellen Belastung, denen Jugend- und Familienhilfsdienste in Europa gegenüberstehen. Die Autoren stellten verschiedene Praktiken zusammen, die positive Auswirkungen für Kinder und Familien hatten und erarbeiteten 12 Fallstudien, die auf einem fünfjährigen Austausch zwischen den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union basieren. Sie formulieren drei Kernempfehlungen: die Unterstützung von Kindererziehung sollte Teil einer breiteren Strategie zur Bekämpfung der Ursachen von Armut und der Förderung der Kinderfürsorge sein; Stützdienste für Kindererziehung und Familien sollten ermächtigend sein und auf der Kinderrechtsstrategie basieren. Außerdem betont der Bericht die Wichtigkeit einer ausgewogenen und kritischen Perspektive in Bezug auf eine Evidenzbasis anstelle eines Schwerpunkts auf spezifische Methodologien.

family with children walking

Kontext des Berichts und sein Beitrag zur Kinder- und Familienförderung

Angesichts einer schwierigen Zeit, in der Jugend- und Familienfürsorgedienste in Europa sich befinden, ist eine evidenzbasierte und informierte Entscheidungsfindungspolitik  unabdingbar. Diese Arbeit ist auf diejenigen, die an der Bereitstellung der Stützdienste beteiligt sind sowie Politiker und Wissenschaftler ausgerichtet, und liefert Beispiele von Praktiken, die den Transfer effektiver Prävention und früher Intervention für Eltern und Familien ermöglichen. Das Ziel besteht darin, die Verbreitung von Ansätzen zu unterstützen, die Familien ermöglicht zu florieren und somit durch die Entwicklung einer kohäsiven Gesellschaft soziale Ausgrenzung zu vermeiden. Während des fünfjährigen Austauschs, der dem Kompendium vorausging, entwickelten und überdachten die Eurochild-Mitglieder fünf Prinzipien, die den Autoren zufolge als Basis für Familien- und Kinderfürsorgeansätze gelten sollten. Zu diesen Prinzipien gehört die Anerkennung der Wichtigkeit der Rechte von Kindern und die Gewährleistung, dass die Meinung von Kindern angehört wird, die Respektierung einer vielfältigen Familienstruktur und die Fokussierung politischer Maßnahmen auf die Ermächtigung der Eltern durch einen universellen und inklusiven Ansatz. Das Kompendium untersucht 12 Fallstudien aus ganz Europa im Detail wie folgt: In jedem der Fälle werden Schlüsselinformationen aus fünf Bereichen bereitgestellt. Der erste Bereich ist der theoretische Einblick in den Ansatz sowie Angaben über ihre Vorgeschichte, ihre Zielgruppen, Zielsetzungen und die mit ihr verbundenen Aktivitäten. Als zweites werden die an der Aktivität beteiligten Stakeholder und Organisationen untersucht und die Daten der beteiligten lokalen Partnerorganisationen präsentiert. Im dritten Teil wird der politische Kontext, in dem die Praktiken umgesetzt werden, dargelegt. Im vierten Teil der Abhandlung werden die gewonnenen Erfahrungen aufgezeigt: Hier erklären die Autoren die Strukturierung der Bewertung und welche Ergebnisse sie ergab, und präsentieren Nachweise über die Kostenwirksamkeit der beschriebenen Praktik. Zum Schluss wird die potenzielle Übertragbarkeit von jeden der Praktiken untersucht und spezifische Hindernisse für eine effektive Übertragung der Praktik auf andere Länder hervorgehoben.

Klassifizierung von Praktiken und Empfehlungen

Die 12 Fallstudien beziehen sich auf eine Reihe von Ländern in Ost- und Westeuropa, von Spanien und Großbritannien bis Rumänien und Bulgarien. Die Autoren liefern eine grundlegende Klassifizierung der Fallstudien nach Schwerpunktbereichen: Das erste Cluster an Praktiken zielt zur Förderung der sozialen Kohäsion auf die Stärkung von Familien und Gemeinschaften ab, eine zweite Gruppe hat die Unterstützung von Eltern mit Kindererziehungspflichten zum Schwerpunkt, und die letzte Gruppe besteht aus Praktiken zur Minimierung der Gefahr, dass Kinder von ihren Eltern getrennt werden. Eine Überlappung der Kategorien tritt de facto auf: zum Beispiel umfassen die Familien-Unterstützungszentren, die 2011 in Nordirland eingerichtet wurden, um die bestehenden Fürsorgedienste zu kombinieren und eine Duplizierung der Bemühungen um gefährdete Familien zu vermeiden, sowohl die Unterstützung von Eltern bei der Kindererziehung als auch die Reduzierung familiärer Zersplitterung.  Der Bericht formuliert drei wesentliche Ansatzempfehlungen. Erstens, dass Interventionen in die Kindererziehung Teil einer breiteren Strategie zur Unterstützung von Familien und der Rechte und Wohlfahrt von Kindern sein sollen. Zweitens, dass alle Familien- und Erziehungsstützdienste ihr Schwergewicht auf Ermächtigung und nicht auf Wohltätigkeit legen und mitbestimmend und gesamtheitlich sein sollten.  Abschließend empfehlen die Autoren angesichts der vielfältigen Bewertung der Praktiken, eine ausgewogene Perspektive bei evidenzbasierten Ansätzen aufrechtzuerhalten und alle Arten von Evidenz sowohl in qualitativer als auch quantitativer Hinsicht kritisch zu überdenken.

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