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Vaterschaft: Elternschaftsprogramme und Politik

24/10/2012

Die Vater-Kind-Beziehung trägt zur positiven emotionalen Entwicklung und zu Gesundheit und Wohlbefinden des Kindes bei; daher ist sie eine wichtige Komponente in der Entwicklung des Kindes. Darüber hinaus ist es für die Gesundheit und das psychologische Wohlbefinden der Mütter wichtig,  dass sie die Unterstützung ihres Partners bei der Kindererziehung spüren. In der Studie Fatherhood: Parenting Programmes and Policy – A Critical Review of Best Practice („Vaterschaft: Elternschaftsprogramme und -politiken: eine kritische Analyse der bewährten Praktiken“, von Fiona McAllister und Adrienne Burgess  (2012) [NO] wurden von der britischen Expertenkommission Fatherhood Institute (Institut für Vaterschaft) Politiken und Programme kritisch betrachtet, die „die Beteiligung des Vaters bzw. einer vater-ähnlichen Person von der vorgeburtlichen Periode bis hin zum achten Lebensjahr ihres Kindes  fördern und erleichtern, um nachweisen zu können, wie diese Programme sich potenziell auf Probleme wie Gewalt in der Familie, Kindesmissbrauch oder die Beeinträchtigung der Gesundheit und der Lernleistungen des Kindes auswirken“ (S. 5). Die Studie bietet ebenfalls Politikempfehlungen und Vorschläge für künftige Forschungsprojekte.

father and child playing

Methodik

Die Ergebnisse von McAllister und Burgess beruhen auf systematischen Untersuchungen von Programmen für das Engagement der Väter und den Eingriff der Eltern, sowie der Analyse von breiter angelegten Präventionsprogrammen über die Gesundheit des Kindes vor der Geburt und den Kindesmissbrauch. Die Autoren stützen sich auch auf von Fachkollegen überarbeitete Artikel und Berichte, die von internationalen Organisationen wie der Weltbank, OECD, WHO usw. zu diesen Themen erstellt werden. Die Studie hat globalen Umfang; es werden zwanzig Fallbeispiele sowie eine Reihe von Projekten mit weniger aussagekräftigen Beweisen vorgestellt. Wenn es darum geht, das Wesentliche der ‚bewährten Praktiken’ zu bestimmen, so nannten McAllister und Burgess insbesondere „zwei Aspekte, und zwar den Nachweis der Wirksamkeit eines bestimmten Programms und dessen Einbeziehung einer Perspektive der Geschlechtergleichstellung in Bezug auf die Einbeziehung von Männern sowie die Zusammenstellung von Ergebnissen von und über sie“ (Betonung original, S. 14).

Der Stand der Wissenschaft

Trotz der genannten Vorteile einer Beteiligung des Vaters an der Kindererziehung werden in nur wenigen Studien Programme untersucht, bei denen das Hauptaugenmerk auf dem Vater liegt. Die überwiegende Mehrheit der Studien konzentriert sich auf Programme, die auf die Mütter (insbesondere diejenigen mit geringem Einkommen oder im Teenager-Alter) abzielen. Darüber hinaus gibt es weit mehr Beweise aus den Ländern des ‚industrialisierten Westens’ (d.h. Europa und den USA) sowie den Staaten der ehemaligen Sowjetunion, Japan, Australien und Neuseeland, d.h.  den Ländern, die als der „globale Norden“ bekannt sind, als aus den Ländern mit Billig- oder Durchschnittslöhnen in Afrika, Asien und Lateinamerika, d.h. dem „Globalen Süden“. Um eine größere Anzahl an Programmen aus letzterer Gruppe aufzuführen, haben die Autoren auch bewährte Praktiken mit dem Ziel der Bekämpfung von HIV, zur Förderung der Gesundheit von Mutter und Kind, der Reduzierung von Gewalt in der Familie und der Übertragung von Verantwortung an die Frauen mit einbezogen, während einige Aspekte der Intervention an die Elternschaft übertragen werden könnten. Ein Schwerpunkt auf ganzheitlicheren Programmen unterstützt auch das Argument des Berichts, dass „man nicht zu dem Denken veranlasst werden darf, dass rein auf die Väter ausgerichtete Programme der beste Weg zum Fortschritt sind“ (S. 14).

Wesentliche Schlussfolgerungen und Empfehlungen

Die in dem Bericht betrachteten Nachweise zeigen, dass die Beteiligung des Vaters am Leben seines Kindes vom frühestmöglichen Alter an dessen Beteiligung auch im weiteren Verlauf fördert, denn eine „Beteiligung des Vaters von früh an setzt sich meist langfristig fort“ (S. 8). Die politischen Entscheidungsträger und Arbeitgeber könnten die Beteiligung der Väter beispielsweise durch bessere Anreize zum Elternschaftsurlaub fördern bzw. erleichtern. Außer den direkten positiven Auswirkungen auf die Kinder zählen zu den Vorteilen des Elternschaftsurlaubs auch ein gesünderer Lebensstil des Vaters, eine geringere Zahl von Frauen, die rauchen oder unter Depressionen leiden und mehr Kontakt mit den Kindern, falls die Eltern beschließen, sich scheiden zu lassen (S. 7). Die Gewährung finanzieller Anreize für Väter, um ihren Sonderurlaub in Anspruch zu nehmen, hat sich insbesondere in den skandinavischen Ländern, die die großzügigste Politik über den Elternschaftsurlaub haben, als wirksam erwiesen.
Ferner empfiehlt die Studie auch die Beteiligung des Vaters im Rahmen von breiter angelegten Initiativen zur Einbeziehung der Familie. Tatsächlich sind weniger Väter am Leben ihrer Kinder beteiligt, wenn die Programme ausschließlich für Väter konzipiert sind, im Vergleich zu Initiativen, bei denen beide Elternteile beteiligt sind. Die Bewertungen sollten sich jedoch im Wesentlichen auf die Väter konzentrieren, und es besteht eine eindeutige Notwendigkeit, den Stand der Beweise in diesem Bereich zu verbessern.
Schließlich empfehlen die Autoren, dass die Programme ganzheitlich (holistisch) sein sollten, aus mehreren Komponenten bestehen und mit dem Plädoyer auf lokaler und auf nationaler Ebene verbunden sein sollten. Bei der Bewertung der bisher bewährten Methoden und Praktiken schnitten Programme mit einem holistischen Ansatz meist besser ab, da sie sich als wirksamer erweisen.
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