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Max-Planck-Institut veröffentlicht zwei Studien zum Thema Kinderbetreuung durch Großeltern in Europa

30/08/2012

Die Rolle von Großeltern in der Kinderbetreuung stellt ein Schlüsselthema für die Familienpolitik in der Konfrontation demografischer Wandlungen vor dem Hintergrund dessen Bedeutung für berufstätige Eltern im heutigen Europa dar. Die zwei hier präsentierten Studien, die kürzlich vom Max-Planck-Institut veröffentlicht wurden, analysieren Daten aus europaweiten Umfragen, die einerseits die Bedeutung von Werten und Normen, die bei der Ermittlung der Rolle, die Großeltern bei der Kinderbertreuung einnehmen, und andererseits den Einfluss der verfügbaren Unterstützung vonseiten der Großeltern auf die Erwerbsbeteiligung junger Mütter untersuchen.

Mit wachsender Erwerbsbeteiligung von Frauen steigt auch der Bedarf an Kinderbetreuung. Die EU setzte im Jahr 2002 beim „Gipfel in Barcelona“ die folgenden Ziele Übersetzung für diesen Link wählen  für die Verfügbarkeit von Kinderbetreuungs-Einrichtungen: 33% für Kinder unter 3 Jahren und 90% für Kinder im Alter von 3 Jahren bis zum Pflichtschulalter. Die Verfügbarkeit öffentlicher, formaler Kinderbetreuungsplätze variiert jedoch stark von Land zu Land. Derzeit reichen die Anmeldungsquoten der EU-15-Staaten bei Kinderbetreuungsstätten für Kinder unter 3 Jahren von 3 % (Griechenland) bis hin zu über 60% (Dänemark).

Hinsichtlich informaler Kinderbetreuung stellen Großeltern mit Abstand die wichtigsten Kinderbetreuer innerhalb Europas dar. Ihre Rolle in der Unterstützung junger Eltern hat demzufolge einen großen Einfluss auf die Realisierung der Ziele der europäischen Beschäftigungspolitik.

grandparents with baby, and their role in childcare, © Istock

Regionale Familiennormen und Kinderbetreuung durch Großeltern in Europa

Diese Studie von Arnstein Aassve, Bruno Arpino und Alice Goisiswertet Daten aus 23 Ländern im Rahmen der zweiten Welle der Europäischen Sozialerhebung aus, um herauszufinden, ob kulturelle Faktoren - insbesondere Familienpraktiken und Normen - die bestehenden, europäischen Unterschiede hinsichtlich Kinderbetreuung, speziell im Hinblick auf Kinderbetreuung durch Großeltern, beeinflussen.
Ein Ankurbeln der Frauenerwerbstätigkeit im Allgemeinen und der von Müttern im Besonderen stehen im Zentrum der Beschäftigungspolitik der EU, wobei ein erhöhter Bedarf an Kinderbetreuungsplätzen eine logische Folge darstellt. (Zitat Jappens und Van Bavel, S. 29). Es gibt jedoch innerhalb Europas erhebliche internationale Unterschiede im Bereich der Kinderbertreuung. Gleichzeitig jedoch sträuben sich einige Regionen immer noch gegen das Konzept, dass Mütter mit jungen Kindern außerhäusig erwerbstätig sind.
Die Studie ergab, dass europäische Muster hinsichtlich Kinderbetreuung nicht nur von strukturellen Faktoren, wie z. B. die Bereitstellung formaler Kinderbetreuung, abhängen. Vorzüge und Einstellungen, wie z. B. der Grad des Konservatismus, der eine Region charakterisiert, haben einen wichtigen Einfluss auf die Fähigkeit der Eltern, Kinderbetreuungsdienste in Anspruch zu nehmen. Mütter in konservativeren Regionen (hauptsächlich in Süd- und Osteuropa anzufinden, wobei große Unterschiede von Land zu Land bestehen) neigten vermehrt dazu, auf Großeltern als hauptsächliche Kinderbetreuer zurückzugreifen, anstatt formale Alternativen zu verwenden. Zudem wurden Großeltern im größeren Maß von jüngeren, nicht erwerbstätigen Müttern, die einen niedrigeren Bildungsgrad innehielten, als hauptsächliche Kinderbetreuer in Erwägung gezogen.
Die Abhängigkeit der Mütter von großelterlicher Kinderbetreuung wurde demzufolge sowohl von individuellen Merkmalen und von der Verfügbarkeit formaler Kinderbetreuung als auch von normativen Rahmenbedingungen innerhalb der entsprechenden Region beeinflusst.

Betreuung durch Großeltern und Erwerbsbeteiligung von Müttern: Eine vergleichende Analyse unter Verwendung der Generations- und Genderumfrage

Die Rolle der Großeltern stellt ein wichtiges Element in den Bemühungen von Familien dar, Familie und Arbeit zu vereinen. Diese Studie von Maaike Jappens und Jan Van Bavel konzentriert sich auf die komplexe Beziehung zwischen Arbeitsangeboten und informaler, großelterlicher Kinderbetreuung, basierend auf Daten der Generations- und Genderumfrage (Generations and Gender Survey - GGS), die in sieben Ländern (Bulgarien, Frankreich, Georgien, Deutschland, Ungarn, die Niederlande und Russland) durchgeführt wurde.
Die detaillierte Analyse nationaler Szenarios ergab eine länderübergreifende, hochgradige Heterogenität bezüglich angebotener Dienstleistungen, Urlaubspolitiken und der Belastung, denen sich Familien ausgesetzt sehen.  Darüber hinaus haben sich keine eindeutigen Gruppierungsmuster ergeben, die mit der traditionellen Ländertypologie gemäß Esping-Andersen hinsichtlich generationsübergreifender Unterstützungsmaßnahmen konsistent sind.
Die Studie ergab, dass die Erwerbstätigkeit von Müttern lediglich in einigen Ländern in signifikanter Weise mit der großelterlichen Kinderbetreuung im Zusammenhang steht. In Frankreich, Deutschland, Ungarn und Bulgarien stellt eine Hilfe bei der Kinderbetreuung vonseiten der Großeltern einen signifikanten Einfluss auf die Entscheidung der Erwersbtätigkeit von Müttern dar, während dies in den anderen drei Ländern wesentlich weniger der Fall ist.
Die Autoren kommen zu dem Ergebnis, dass, abgesehen von der sozialen und institutionellen Funktion innerhalb eines Landes, die Bereitstellung von großelterlicher Kinderbetreuung ebenfalls von den Präferenzen der jeweiligen Familie und vom Anteil moderner und traditioneller Werte zwischen den Generationen - einem wichtigen Aspekt, der bei der Untersuchung generationsübergreifender Zeittransfers hinsichtlich Kinderbetreuung in Betracht gezogen werden muss - abhängt.
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