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Eurofound berichtet: Junge Leute und ‚Nicht in Beschäftigung, Bildung und Ausbildung Befindliche’ („NEETs“) in Europa

09/07/2012

Junge Leute sind in dieser lang anhaltenden Rezession insbesondere von der Arbeitslosigkeit gefährdet. Ein hoher Anteil derjenigen, die vor dem ihrer beruflichen Laufbahn stehen, sind vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen. In den jüngsten Berichten der European Foundation for the Improvement of Living and Working Conditions (Europäische Stiftung für die Verbesserung von Lebens- und Arbeitsbedingungen - Eurofound) wurden die Jugendarbeitslosigkeit und die damit verbundenen Faktoren analysiert, insbesondere durch einen Schwerpunkt auf der NEET-Gruppe derjenigen, die ‚nicht in Beruf, Bildung oder Ausbildung’ sind. Einer der Berichte mit dem Titel ‘Young people and NEETs in Europe: First findings’pdf (‚Junge Leute und nicht in Beschäftigung, Bildung und Ausbildung Befindliche in Europa’  zielte darauf ab, ‚die derzeitige Lage der jungen Leute in Europa zu untersuchen... und die wirtschaftlichen und sozialen Konsequenzen ihres Rückzugs aus dem Arbeitsmarkt und aus der Bildung zu verstehen’. In einem anderen Bericht mit dem Titel ‘Recent policy developments related to those not in employment, education and training (NEETs)’ (‚Jüngste Politikentwicklungen im Zusammenhang mit nicht in Beschäftigung, Bildung und Ausbildung Befindlichen’) wurden auch die Faktoren analysiert, die junge Leute der Gefahr der Arbeitslosigkeit aussetzen; und es wurden ‚die jüngsten „NEET“-spezifischen Politikeingriffe in den EU-Mitgliedstaaten und Norwegen’ analysiert. In den folgenden Absätzen werden einige der in diesen Berichten gezogenen Schlussfolgerungen zusammengefasst.

© Istock

Definition von „NEET“ (Nicht in Beschäftigung, Bildung und Ausbildung Befindliche)

Das Akronym „NEET“ wird verwendet, um diejenigen im Alter zwischen 15 und 24 Jahren zu beschreiben, die nicht am Arbeitsmarkt teilnehmen und die nicht in Bildung oder Ausbildung sind. Es ist wichtig, darauf hinzuweisen, dass die Kategorie „NEET“ aus einer diversen Gruppe junger Menschen besteht, von denen einige aktiv nach Stellen suchen, währund andere aus verschiedenen Gründen lieber nicht arbeiten oder studieren. Dazu gehören möglicherweise auch diejenigen, die eine Auszeit aus der Bildung nehmen, sowie diejenigen, die nicht erwerbsfähig sein können. Diese Gruppe kann auch diejenigen einschließen, die aus ärmlichen bzw. benachteiligten Verhältnissen stammen, sowie diejenigen, die Schwierigkeiten haben, aufgrund eines Mangels an Arbeitsplätzen in den Arbeitsmarkt einzusteigen.

Die neuesten Zahlen

Im derzeitigen Wirtschaftsklima stehen zunehmend Thematiken im Zusammenhang mit „NEETs“ auf der Tagesordnung. Abgesehen von Luxemburg gab es in allen Mitgliedstaaten der EU einen Anstieg in der Zahl der jungen Arbeitslosen. Den letzten Eurostat-Zahlen zufolge konnten 12,8% der jungen Menschen in der EU27 im Jahr 2010 (d.h. ca. 7,5 Mio. junge Leute) als „NEET“ bezeichnet werden. Die Zahlen können von Mitgliedsland zu Mitgliedsland sehr variieren, so von 4,4% in den Niederlanden bis 21,8% in Bulgarien. Insgesamt machten die jungen Leute zwischen 2008 und 2010 nahezu ein Fünftel (17,5%) des Anstiegs bei den Arbeitslosenzahlen aus. Die mangelnde Beteiligung der „NEETS“ am Arbeitsmarkt kostet ca. 2 Milliarden Euro pro woche, wobei einige Länder wie Irland und Bulgarien bis zu 2% ihres BSP zahlen.

Die Konsequenzen, ein ‘NEET’ zu werden

Besonders beunruhigend ist die Tatsache, dass diejenigen, die die Schule verlassen, längere Zeit brauchen, um einen Arbeitsplatz zu finden, da dieses einen ‚nachteiligen Effekt’ für sie mit langfristigen Auswirkungen auf ihre Fähigkeiten, auf ihr Einkommen und sogar ihre Gesundheit haben wird. Der Berichtpdf der Europäischen Stiftung (Eurofound) betonte auch die Forschungsergebnisse, die bewiesen, dass diejenigen, die ‚NEET’ wurden, weniger Vertrauen in die politischen Institutionen hatten und generell weniger an verschiedenen Arten von Verbänden teilnehmen. Dieses vermindert wiederum ihre Fähigkeit, ihr Sozialkapital zu akkumulieren und hat auch negative Auswirkungen auf deren Gemeinden. Die Effekte haben mit Wahrscheinlichkeit auch einen negativen Effekt auf das Verhältnis zwischen den Generationen, wobei diejenigen, die derzeit als jung betrachtet werden, als Rollenmodelle für die nächste Generation dienen. Der Mangel an Beschäftigung für die Jugend kann auch schwere Auswirkungen auf die Sorge und die Pensionsbeiträge der älteren Generation haben.

Wer ist gefährdet, zu einem ‚NEET’ zu werden?

Besonders ist die Jugend gefährdet, wenn es um die Arbeitslosigkeit geht, da viele Schulabgänger zuerst noch die notwendige Berufserfahrung sammeln müssen, um wettbewerbsfähiger zu werden und sich im Arbeitsmarkt zu behaupten. Darüber hinaus können die Jugendlichen durch verschiedene Faktoren eher Gefahr laufen, in die ‚NEET’-Kategorie zu fallen. Beiden Berichten zufolge werden einige junge Leute aufgrund einer Kombination von persönlichen, sozialen und wirtschaftlichen Faktoren insbesondere gefährdet, zu ‚NEET’ zu werden. Einige der hervorgehobenen Faktoren sind:

 

  • “Diejenigen, die berichten, eine Art Behinderung zu haben, werdenmit 40% höherer Wahrscheinlichkeit zu NEET als andere;
  • Junge Menschen mit einem Einwanderungshintergrund werden im Vergleich zu den eigenen Staatsangehörigen mit 70% höherer Wahrscheinlichkeit zu NEET;
  • Diejenigen mit einem niedrigeren Bildungsniveau werden mit dreimal höherer Wahrscheinlichkeit zu NEET, im Vergleich zu denjenigen mit einem tertiären Bildungsabschluss ;
  • Das Leben in abgelegenen Gebieten bringt eine 1,5 Mal höhere Wahrscheinlichkeit mit sich,  zu NEET zu werden;
  • Junge Leute mit einem niedrigen Haushaltseinkommen werden mit größerer Wahrscheinlichkeit zu NEET als diejenigen mit einem durchschnittlichen Einkommen;
  • Eltern zu haben, diearbeitslos waren, erhöht die Wahrscheinlichkeit, zu NEET zu werden, um 17%;
  • Eltern mit einem geringen Bildungsniveau zu haben, verdoppelt die Wahrscheinlichkeit, zu NEET zu werden;
  • Junge Leute, deren Eltern geschieden sind, haben eine 30% höhere Wahrscheinlichkeit, zu NEET zu werden.” (‘Young People and NEETs’pdf‚ 'Junge Menschen und Nicht in Beschäftigung, Bildung und Ausbildung Befindliche’).

 

Es ist jedoch wichtig, zu betonen, dass einige der Ergebnisse, die im Bericht der Europäischen Stiftung (Eurofound) hervorgehoben werden, trotz einiger Faktoren, aufgrund der junge Leute in besonderem Maße der Arbeitslosigkeit ausgesetzt sind, beweisen, dass diese Kategorien junger Menschen, die ihre Bildung abgeschlossen haben und die traditionell einem geringeren Risiko der Arbeitslosigkeit ausgesetzt wären, jetzt ebenso Gefahr laufen, NEET zu werden. Der Bericht verdeutlicht die Tatsache, dass weder eine grundlegende noch gar eine höhere Ausbildung junge Erwachsene vor der Arbeitslosigkeit schützt. Dieses ist insbesondere in einigen Mitgliedstaaten, darunter Griechenland, Italien, und Portugal der Fall, wo hohe Arbeitslosenraten unter denjenigen mit und ohne tertiärem Bildungsabschluss zu finden sind. In dem Berichtpdf wird jedoch argumentiert, dass ‚der schützende Effekt eines höheren Bildungsabschlusses in allen Ländern der EU abgenommen hat.’

Politische Maßnahmen

Angesichts dieser Ergebnisse werden in einem der Berichte über die jüngsten Politikentwicklungen Maßnahmen beschrieben, die auf nationaler Ebene eingeführt wurden,  um Probleme im Zusammenhang mit den „NEETS“ zu behandeln. Der Bericht betont insbesondere politische Maßnahmen, die versuchen, das Problem der frühen Schulabgänger, einschließlich präventiver Maßnahmen und Reintegrationsmaßnahmen zu behandeln. Darüber hinaus enthält es auch Programme, die den Übergang zur Beschäftigung erleichtern, darunter Maßnahmen zur Unterstützung des Übergangs von Schule zu Arbeit; Maßnahmen zur Förderung der Einstellbarkeit;  die Beseitigung von praktischen und logistischen Schranken und die Gewährung von Arbeitgeberanreizen. Der Bericht enthält spezifische Beispiele solcher Maßnahmen, und deren Erfolgsraten.

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