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Kopenhagener Konferenz zu den Rechten der Kinder und der Prävention von Kinderarmut

31/05/2012

Am 19. März 2012 war Kopenhagen Veranstaltungsort einer Konferenz zur Prävention von Kinderarmut und zum Recht von Kindern, unter gleichen Bedingungen wie andere aufzuwachsen, und wie dies durch Familienförderung, Kinderrechte und eine hohe Qualität der für Kinder bereitgestellten Leistungen zu erreichen ist. Im Rahmen der Konferenz diskutierten Experten, Nichtregierungsorganisationen (NROs) und andere Interessenvertreter die Themen Kinderarmut in den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union (EU), Gleichstellung und Einbeziehung der Kinderrechte in zentralen politischen Grundsätzen, Zugang zu Familienunterstützungsmaßnahmen, frühkindliche Betreuung, Bildung und Erziehung (ECEC) sowie Beteiligung von Kindern an der Politikgestaltung. Die Konferenz wurde von der Dänischen Präsidentschaft des Europäischen Rates 2012 sowie von dem Ministerium für Soziales und Integration in Zusammenarbeit mit der Europäischen Kommission und der regierungsübergreifenden Gruppe L’Europe de L' Enfance veranstaltet.

children jumping in the air

Wissensbasierte Bemühungen für sozial benachteiligte Kinder in der Kinderbetreuung, Dänemark

Bente Jensenpdf von der Universität Århus sprach über die Bedeutung der frühkindlichen Betreuung, Bildung und Erziehung (ECEC) und Möglichkeiten zu deren Verbesserung durch das VIDA-Projekt (wissensbasierte Bemühungen für sozial benachteiligte Kinder in der Kinderbetreuung) in Dänemark. Frau Jensen stellte dar, wie die ECEC die Bildungs-, wirtschaftlichen und sozialen Lebenschancen eines Kindes verändern kann. Das VIDA-Projekt zielt darauf ab, das Lernen und das Wohlergehen von Kindern zu verbessern, wobei die Lerntheorie von Dewey, die Theorie der Belastbarkeit in Krisen von Rutter und die Habitustheorie von Bourdieu Anwendung finden. Das Projekt beurteilt, ob dieser Ansatz das Wohlergehen und Lernen von sozial benachteiligten Kindern in der Kinderbetreuung verbessern kann und welche Wirkung es hat, wenn solche Bemühungen zusätzlich durch eine gezielte Beteiligung der Eltern ergänzt werden. Das Projekt hofft auch zu ermitteln, welche Bedingungen im pädagogischen Umfeld die Lebenschancen sozial benachteiligter Kinder stärken und welchen Stellenwert die beruflichen Qualifikationen des Lehrpersonals im Hinblick auf deren wissensbasierte und innovative Kooperation haben.

Kinderarmut in Europa

Elodie Fazipdf von der Europäischen Kommission beleuchtete Kinderarmut aus der Perspektive der EU. Frau Fazi stellte den Ausschluss aus dem Arbeitsmarkt als wichtigsten Risikofaktor für Kinderarmut heraus, merkte allerdings auch an, dass Beschäftigung nicht unbedingt Armut verhindert, da ungefähr 8,5% der Beschäftigten in der EU armutsgefährdet sind. Die Rolle der Sozialtransfers wurde als ‚unerlässlich‘ bezeichnet – durch Sozialtransfers wird die Kinderarmut in der EU durchschnittlich um 40% verringert. Um eine Fortsetzung dieser Benachteiligung über meherere Generationen hinweg zu verhindern, setzte sich Frau Fazi für frühzeitige Interventionen in den Bereichen Bildung, Gesundheit, Wohnen, Soziales und Kinderschutzleistungen und für Gelegenheiten zur Mitbeteiligung ein. Frau Fazi betonte außerdem die Bedeutung der EU-Koordination von Bemühungen in den Mitgliedsstaaten und erklärte, dass dies bereits mitgeholfen habe, ein gemeinsames Verständnis der schädlichen Folgen der Kinderarmut und der gemeinsamen Herausforderungen aufzubauen, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, welche politischen Maßnahmen und Programme am besten wirken, und die Kinderarmut auf die politischen Tagesordnung zu setzen.

Kinderbeteiligung und effektive politische Entscheidungsfindung

Leda Koursoumbapdf, die stellvertretende Vorsitzende des Europäischen Netwerks der Kinder-Ombudspersonen (ENOC), sprach über die Bedeutung der Kinderbeteiligung als Recht an sich sowie als Mittel zur Verwirklichung anderer Rechte. Sie stellte dar, wie die Kinderbeteiligung bei der Politikgestaltung oft als unwichtig betrachtet wird, da von Vielen die Haltung vertreten wird, dass „Rücksprache mit Kindern eine Geld-, Energie- und Zeitverschwendung ist, ein Luxus, den man sich nicht leisten kann“. Frau Koursoumba kam zu dem Schluss, dass „Politikgestaltung, wenn sie wirksam sein soll, mehr sein muss als nur ein schnelles Abhaken von Punkten oder eine einmalige Rücksprachemöglichkeit, sondern darauf abzielen sollte, echte Lebenserfahrungen von Kindern tiefgehend zu untersuchen“.

Übersicht über Kinderbeteiligung

Dr. Roberta Ruggieropdf, Koordinatorin des ChildONEurope Sekretariats, stellte eine Übersicht der Kinderbeteiligungspolitik in Europa vor. Die Übersicht zeigte, dass in 18 Ländern Regelungen für Kinderbeteiligung in verschiedenen Gesetzen vorhanden sind, dass drei Länder keine solchen Regelungen haben und dass ein Land keine Antwort zur Verfügung stellte. Von den Ländern, in denen die Kinderbeteiligung abgedeckt ist, liegen 10 Gesetze zur Förderung sowie 16 Gesetze zum Schutz vor.

Schlussfolgerungen der Konferenz

Der stellvertretende ständige Sekretär für Soziales und Integration, Jesper Brask Fischer, umriss die von der Konferenz herausgestellten politischen Prioritäten. Zu diesen zählten die Notwendigkeit, einen angemessenen sozialen Schutz durch gut beschriebene und gut ausgewertete Programme zu gewährleisten, um sicherzustellen, dass hilfsbedürftige Kinder und Familien von der ihnen zukommenden Hilfe und Unterstützung profitieren können, weiterhin die frühzeitige Identifizierung gefährdeter Familien und Kinder, die Anerkennung der Rolle der Familie sowie der Bedarf an familiärer und Netzwerkunterstützung im Hinblick auf den sozialen Schutz hilfsbedürftiger Kinder, und die Bereitstellung von angemessenen und gut entwickelten Familienhilfsleistungen mit Zugang zu Sozialleistungen. Er erklärte außerdem, dass dem in Schulen und in der frühkindlichen Bildung an vorderster Front beteiligten, qualifizierten Personal eine wichtige Rolle bei frühen Interventions- und Präventionsprogrammen zukommt.


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