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Perspektiven einer alternden Gesellschaft: High-Level-Konferenz zum Thema Gesundheitsversorgung und soziale Dienste

04/04/2012

Am 19.-21. März 2012 organisierte der Regionalrat von Nord-Karelien gemeinsam mit dem Projekt DART (Declining, Ageing and Regional Transformation), dem finnischen Gesundheitsministerium und der Europäischen Allianz für Familien in Joensuu in Finnland eine Konferenz zum Thema „Perspektiven einer alternden Gesellschaft“. Im Rahmen der Konferenz fanden zahlreiche Workshops, Vorträge von Sachverständigen, Podiumsdiskussionen und Besprechungen statt, deren Arbeitsschwerpunkte die Formulierung von Strategien für eine Alterung der Bevölkerung waren. Im Mittelpunkt der Konferenz stand die Frage der Bewältigung der steigenden Nachfrage einer alternden und schrumpfenden Bevölkerung an die Gesundheitsversorgung und die sozialen Dienste der EU.

Neben dieser Kernfrage wurden auf der Konferenz auch Themen erörtert wie Beschäftigung und Migration, Alterung und Qualität der medizinischen Versorgung sowie die Beziehung von Leistungserbringern und Leistungsnehmern im Gesundheitswesen und die allgemeinen Herausforderungen, vor die uns ein demografischer Wandel stellt. Die Konferenz sollte (1) politisch und allgemein auf die Problematik aufmerksam machen, die sich aus Bevölkerungsschrumpfung und Alterung ergibt, (2) innovative politische Maßnahmen formulieren, um den heutigen und künftigen Herausforderungen hinsichtlich der Gesundheitsversorgung und sozialen Dienste gewachsen zu sein, und (3) die Vernetzung und den Erfahrungsaustausch mit Stakeholdern auf regionaler, nationaler und europäischer Ebene anregen.

Pekka Kuosmanen, Direktorin für Gesundheitsversorgung und soziale Dienste in Joensuu, hieß die Konferenzteilnehmer in ihrer Eröffnungsansprache herzlich willkommen. Sie gab einen kurzen Überblick über ihr regionales Zentrum, Aspekte wie Gesundheit und Sozialfürsorge und seine Strategien, die den Alterungsprozess möglichst positiv gestalten sollen. Die Referenten beleuchteten verschiedene demografische Trends, die sich maßgeblich auf den Beschäftigungsgrad innerhalb der EU und die soziale Strategie im weiteren Sinne auswirken werden.

Die EU-Bevölkerung zeichnet sich gegenwärtig durch eine niedrige Fertilität aus, die unter dem Ersatzniveau liegt. Gleichzeitig aber, wie Joachim Cohen von der End-of-Life Care Research Group an der Universität Ghent und der Vrije Universiteit Brussel in Belgien in seiner Präsentation verdeutlichte, steigt die Lebenserwartung der EU-Bürger langsam, aber stetig, was Druck auf die Renten- und Gesundheitssysteme ausübt. Angesichts dieser Trends sollten wir uns der umfassenden Bedürfnisse der Berufsbevölkerung bewusst sein. Lieve Fransen, Direktorin der Generaldirektion Beschäftigung, Soziales und Integration der Europäischen Kommission, hob in ihrer Präsentation hervor, dass die Nachfrage nach Arbeitskräften in der EU im kommenden Jahrzehnt voraussichtlich um 7,5 Millionen steigen und somit den gegenwärtigen Trend hin zu einem zunehmend höheren Stellenwert des Dienstleistungssektors zu Lasten der Produktion fortsetzen wird. Einige andere Redner unterstrichen auch den steigenden Bedarf für erfahrene Leistungserbringer im Gesundheitswesen für eine zunehmend alternde Bevölkerung, insbesondere im Bereich der Präventiv- und Palliativpflege. Jos De Blok, Executive Director von Buurtzorg Nederland, präsentierte ein Beispiel von kosteneffektiven Dienstleistungen für ältere Mitbürger, die einerseits auf Prävention und eine hochwertige Pflege abzielen und andererseits auch ein anregendes Arbeitsumfeld für Mitarbeiter bieten.

Andere Präsentationen waren u. a. die für die Workshops ausgearbeiteten Themen wie der Erwerb von Wissen über den Alterungsprozess im Rahmen eines multidisziplinären Prozesses, die sektorübergreifende Unterstützung für ein unabhängiges Leben im Alter und die Befähigung von Pflegepatienten im Bereich der Produkt- und Serviceentwicklung. So hob Frau Riitta Antikainen, Professorin für geriatrische Medizin an der Universität Oulu, u. a. mehrere wichtige Aspekte der öffentlichen Gesundheit unter der älteren Bevölkerung hervor, darunter die Gesundheitsförderung, die Verbesserung der Lebens- und Pflegequalität, aber auch den Abbau von Ungleichheiten auf dem Gebiet der Gesundheitsversorgung. Professor Antikainen berief sich auf neueste Forschungen, die Strategien für ein erfolgreiches Altern forderten, insbesondere für einen gesunden Lebensstil, für Tools für Vorsorgeuntersuchungen für ältere Menschen zur Ermittlung gefährdeter Menschen sowie für regelmäßige Impfungen, einen aktiven Lebensstil, die kognitive Stimulierung und gesellschaftliche Aktivitäten.

Im Verlauf des ersten Workshops referierte Frau Taina Mäntyranta, Beraterin des finnischen Ministeriums für Sozialangelegenheiten, über das Thema „Gleichberechtigter Zugriff auf qualitativ hochwertige Pflege“. Die Präsentation umriss strategische Richtlinien, darunter die Förderung von Gesundheit und Sozialfürsorge, Servicestruktur, Personalbestand und Kompetenz des Personals sowie hochwertige Lebens- und Pflegeumfelder. Frau Mäntyranta erörterte, was zu einem hochwertigen Lebens- und Pflegeumfeld zählen sollte, und welche Rolle die kommunalen Gesundheits- und Sozialbehörden bei der Beurteilung der Anforderungen älterer Menschen an Pflegeheime übernehmen sollten. Sie hob ferner den hohen Stellenwert der Förderung der Mitarbeiterkompetenz hervor, darunter auch Berufsabschlüsse im Bereich der Sozialfürsorge und/oder Gesundheitsförderung für in diesem Bereich tätige Mitarbeiter. In ihrer Präsentation hob sie einige der Faktoren hervor, die sich beim gleichberechtigten Zugriff älterer Mitbürger auf eine hochwertige Pflege als problematisch erweisen könnten, wie z. B. Aspekte des Standorts, lokale Variationen, geschlechtliche und sozioökonomische Unterschiede (beispielsweise Bildung und Einkommen).

Im zweiten Workshop unter dem Titel „Erwerb von Wissen über den Alterungsprozess als multidisziplinärem Prozess“ äußerte sich Frau Arja Jämsén, Regionalmanager des ostfinnischen Zentrums für Sozialfürsorge und berufliche Expertise, zur traditionellen „umgekehrten“ Haltung der alternden Bevölkerung gegenüber, in der ältere Menschen als ein Gewinn für die Gesellschaft angesehen werden und nicht als Last. Das Wissen um den Alterungsprozess sollte, so diese Präsentation, von der Annahme ausgehen, dass der Alterungsprozess ein umfangreiches und komplexes Phänomen ist. Um es richtig begreifen zu können, ist ein multidisziplinärer Ansatz erforderlich sowie die Beteiligung verschiedener Gesellschaftsmitglieder, darunter auch von Senioren, die mitbestimmen sollten, wie die auf sie zugeschnittenen Richtlinien aussehen sollten. Frau Jämsén legte den Fall Nord-Karelien vor mit einem wachsenden Anteil älterer Menschen an der Gesamtbevölkerung. Dort gelang es dank innovativer Ansätze, Senioren an der Konzipierung von Strategien und Richtlinien sowie an der Förderung eines neuen Ansatzes für die Zusammenarbeit mit älteren Menschen zu beteiligen, bei der die Förderung eines aktiven, glücklichen Lebens sowie fortschreitender Lernprozesse im Mittelpunkt steht.

Die Konferenz schloss ab mit einem Besuchstag zu Themen wie langfristige Gesundheitsversorgung, Bildung und Ausbildung, sektorübergreifende Kooperation zwischen Dienstleistungsanbietern und innovative Produkte und Leistungen.

 

For further information

Ein Teil der Präsentationen der Konferenz kann hier eingesehen werden.

 
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