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EAF-Stakeholder-Seminar über „Die Zukunft der Familien“

26/10/2011

Dieses Stakeholder-Seminar der Europäischen Allianz für Familien befasste sich mit großen Themenbereichen wie etwa die Vielfalt und die Dynamiken von Familien in der Europäischen Union, die Verzögerung von Familiengründungen aufgrund der Krise, die ambivalente Situation junger Menschen und wie die EU diese Fragen bewältigt. Das Seminar, das am 12. Oktober 2011 von der Europäischen Kommission in Brüssel organisiert wurde, brachte ein breites Spektrum von Vertretern aus Regierungsstellen, NRO, der Europäischen Kommission und Hochschulen zusammen.

Die Zukunft der Familien

Die Teilnehmer wurden darauf hingewiesen, dass es Sache der EU-Mitgliedstaaten ist, ihre eigene nationale Familienpolitik zu beschließen, dass es jedoch einige gemeinsame Entwicklungen gibt und die Länder von den Erfahrungen der anderen lernen können.

Bedarf an langfristigen Überlegungen über Familienpolitik

Das Seminar begann mit einer Rede von Michal Boni, Minister und Berater des polnischen Premierministers Donald Tusk. Er unterstrich die Notwendigkeit, Familie und Beruf in Einklang zu bringen, der Jugend besondere Aufmerksamkeit zu widmen und familienpolitische und demographische Probleme zu erörtern. Die Unterstützung von Familien zahlt sich auf lange Sicht aus – ein Standpunkt, der von Dimiter Philipov vom Wiener Institut für Demographie, Cecile Greboval, Generalsekretär der Europäischen Frauenlobby und William Lay, Direktor der COFACE (Dachverband der Familienorganisationen in der EU) aufgegriffen wurde. Lay betonte die Kontinuität in der französischen Familienpolitik, durch Regierungswechsel und die Höhen und Tiefen der Wirtschaft hindurch: „[Wirtschafts]Krise oder nicht, es gibt eine ununterbrochene Unterstützung für Familien.“ Lay räumte ein, dass „Sozial- und Familienbudgets wegen der Krise unter Druck stehen“, erklärte jedoch, dass „Sozialbudgets auf einem gewissen Niveau bleiben müssen“, da der „Sozialschutz ein wesentliches Element der Familienpolitik ist.“

Familiengründungen verzögern sich

Tomas Sobotka vom Wiener Institut für Demografie beschrieb einige der Voraussetzungen für den Plan, eine Familie zu gründen (z. B. abgeschlossene Ausbildung, fester Arbeitsplatz und Partner, Bereitschaft) und stellte fest, dass die aktuelle wirtschaftliche Ungewissheit all diese Faktoren beeinflusst. Seine Sicht wurde von Olivier Thevenon, Forscher bei der OWZE, bestätigt, der darlegte, dass trotz erheblicher nationaler Unterschiede das Risiko der Kinderarmut weitgehend mit dem Arbeitsstatus der Eltern zusammenhängt. Sobotka wies darauf hin, dass Haushaltskürzungen und potenzielle Reduzierungen von Sozialausgaben die Entscheidung, eine Familie zu gründen oder nicht, beeinflussen können. „Wenn Leute Probleme haben, eine Wohnung zu finden, werden sie ihre Entscheidung, das Elternhaus zu verlassen und eine Familie zu gründen, möglicherweise aufschieben“, sagte Clara Mulder von der Universität Groningen. Ein für Familiengründung günstiger Wohnungsmarkt seien bezahlbare Hypothekenkredite oder ein gut entwickelter Mietsektor, brachte sie vor. „Die Politik könnte entweder einen erschwinglichen Mietsektor unterstützen oder, durch Hypotheken-Bürgschaften, die Hypothekenmärkte“, sagte sie.

Die ungleiche Aufteilung von Betreuungspflichten zwischen Männern und Frauen angehen

Ein wichtiger Punkt, auf den Jolante Reingarde vom Europäischen Institut für Gleichstellungsfragen hinwies, war, dass „die Entscheidung vieler Länder, das Kindergeld einzufrieren oder zu verringern, dazu führt, dass unbezahlte Betreuungsarbeit wieder auf die Frauen geschoben wird“. Die Notwendigkeit einer gerechten Aufteilung von Pflichten zwischen Männern und Frauen wurde von einer Reihe von Rednern betont. Die Daten zeigen eindeutig, dass Frauen mehr Kinderbetreuung, Hausarbeit und Seniorenpflege übernehmen als Männer und dass diese unfaire Aufgabenteilung bzw. das „gender gap“ den Menschen zunehmend bewusst wird. Berufstätige Mütter, vor allem die zwischen 35 und 49 Jahren, tragen einen unverhältnismäßig großen Anteil an häuslichen Pflichten, erklärte Irena Kotowska, Professorin an der Universität Warschau.

Steigende Nachfrage nach Betreuung und sinkendes Angebot

Professor Kotowska sagte, das Gesellschaftsmodell bewege sich weg vom männlichen Brotverdiener (d. h. der Mann als Hauptverdiener und die Frau, die zuhause bleibt) hin zu einem Doppelverdiener-Doppelbetreuer-Modell. Sie sagte, dies trage zu dem Trend abnehmender familiärer Betreuungsressourcen bei. Noch dazu wächst die Nachfrage, da die Menschen länger leben. Pearl Dykstra, Professorin für Soziologie an der Erasmus-Universität in Rotterdam, stellte die Gültigkeit gängiger Ansichten über intergenerationelle Familien in Frage und legte dar, dass ältere Familienmitglieder eher eine Hilfe als eine Belastung darstellen, während öffentliche Transfers Familientransfers nicht verdrängen, sondern eher ergänzen. Die allgemeine Schlussfolgerung war, dass die formelle Betreuung ausgebaut werden muss, um die Familie zu unterstützen und nicht, um die Familie als Betreuer zu ersetzen, und dass die Politik auf die Dopperverdiener-Dopperbetreuer-Familie ausgerichtet werden sollte.

Im Zusammenhang mit dem Doppelverdiener-Doppelbetreuer-Modell erklärte Stefan Fuchs, Forscher am Deutschen Institut für Demografie, Allgemeinwohl und Familie, die Teilzeitarbeit nehme zu, vor allem bei Müttern, aber auch bei beiden Eltern. „Die Folgen, die sich daraus ergeben, beispielsweise ob Vollzeit- oder Teilzeit-Kinderbetreuung benötigt wird, sind Teil der Diskussionen“, sagte er. Außerdem wies er darauf hin, dass die Bedingungen der sozialen Sicherheit für Teilzeitarbeit ein wesentlicher Teil der Debatte seien. „Der Politik muss auf der Pluralität von Familienformen und Beschäftigungsmustern basieren“, fügte er hinzu. „In einer modernen Gesellschaft ist das eine einzige Modell, das sich für alle eignet, eine Fiktion".

For further information

Veranstaltungskalenderpdf(56 kB)

Vorträge:

Michal BONIpdf(969 kB), Berater des polnischen Premierministers

Jolante REINGARDEpdf(798 kB), Europäisches Institut für Gleichstellungsfragen

Olivier THEVENONpdf(870 kB), OWZE

Pearl DYKSTRApdf(847 kB), Erasmus-Universität von Rotterdam

Tomas SOBOTKApdf(214 kB), Wiener Institut für Demografie

Dimiter PHILIPOVpdf(133 kB), Wiener Institut für Demografie

Cécile GREBOVALpdf(312 kB), Europäische Frauenlobby

Juho HÄRKÖNENpdf(582 kB), Universität Stockholm

Irena KOTOWSKApdf(204 kB), Universität Warschau

Olaf KAPELLApdf(96 kB), Österreichisches Institut für Familienforschung

Stefan FUCHSpdf(723 kB), Deutsches Institut für Demografie

 
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