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EAF-Sitzung zu bewährten Verfahren in Bezug auf das Wohlergehen von Kindern und die Qualität von Kinderbetreuung

07/07/2011

Die meisten europäischen Kinder verbringen einen Großteil ihrer frühen Kindheit in der einen oder anderen Form externer Betreuung. Gleichzeitig herrscht unter Fachleuten breite Übereinstimmung darüber, dass eine liebevolle, stabile, sichere und stimulierende Beziehung mit den Betreuungspersonen in den ersten Lebensmonaten und ‑jahren für jeden Aspekt der kindlichen Entwicklung von entscheidender Bedeutung ist, vor allem für benachteiligte Kinder.

child playing with toys

Am 30. Juni organisierte die Europäische Kommission im Rahmen der Europäischen Allianz für Familien in Brüssel einen Workshop zum Thema „Wohlergehen von Kindern und Qualität von Kinderbetreuung“. Bei der Veranstaltung diskutierten Vertreter von Ministerien aus EU-Ländern, der Europäischen Kommission und europäischen NRO über diese Fragen.

Das emotionale Wohlergehen von Kindern messen

Die Vormittagssitzung war Expertenvorträgen über wichtige Themen im Zusammenhang mit der Qualität frühkindlicher Erziehung und Betreuung gewidmet.

Das emotionale Wohlergehen von Kindern hoben die Teilnehmer als einen der Hauptaspekte einer hochwertigen frühkindlichen Erziehung und Betreuung hervor. Josette Hoex vom niederländischen Jugendinstitut stellte ein Instrument vor, mit dem der Grad des Wohlergehens von Kindern, die an formeller Kinderbetreuung teilnehmen, beurteilt werden kann. Das Instrument mit dem Namen „Am Wohlergehen arbeiten“ wurde entwickelt, um Kinderbetreuerinnen und ‑betreuern ein Mittel an die Hand zu geben, mit dem sie das emotionale Wohlergehen beobachten und evaluieren können.

Leonardo Menchini vom Unicef-Forschungszentrum Innocenti gab einen Überblick über die international anwendbaren Benchmarks für frühkindliche Erziehung und Betreuung – eine Reihe von Mindeststandards für den Schutz der Rechte von Kindern in den Jahren, in denen sie am verletzlichsten sind und am stärksten geformt werden. Die Benchmarks beinhalten die Länge des Elternurlaubs, den Grad der Bereitstellung von Kinderbetreuung, Bildung und Ausbildung von Kinderbetreuungspersonal, Kinderarmutsniveaus und öffentliche Ausgaben für die frühkindliche Erziehung und Betreuung. Nach diesem Ansatz liegt Schweden an erster und Irland an letzter Stelle.

Bedarf an gut ausgebildeten und kompetenten Kinderbetreuerinnen und -betreuern

Die Teilnehmer waren sich auch darüber einig, dass hochwertige Kinderbetreuung weitgehend von gut ausgebildetem, erfahrenem und kompetentem Personal abhängig ist. Jan Peeters von der belgischen Universität Gent stellte die Ergebnisse einer von der Europäischen Kommission in Auftrag gegebenen Studie über die Art der von Kinderbetreuerinnen und ‑betreuern benötigten Kompetenzen vor. Der Studie zufolge gibt es in Europa erhebliche Unterschiede bei den Berufsprofilen: Manche sind sehr detailliert, und die meisten sind lediglich auf das Kind fokussiert, wobei der Zusammenarbeit mit den Eltern weniger Aufmerksamkeit geschenkt wird. 50% des gesamten Kinderbetreuungspersonals besitzt keinen oder nur einen sehr niedrigen Abschluss.

Die Empfehlungen der Studie umfassen u. a. den Bedarf an einer geeigneten und praktischen Ausbildung für unqualifiziertes Betreuungspersonal, obligatorische Arbeit im Zusammenhang mit der Vielfalt ethnischer Hintergründe, die Anziehung von mehr männlichen Betreuungspersonen sowie die Erhöhung von Status und Gehalt durch Qualifikationen.

Nora Milotay von der GD Bildung und Kultur der Europäischen Kommission erklärte, die Studie habe sich aus der kürzlich veröffentlichten Mitteilung der Kommission über die frühkindliche Erziehung und Betreuun ergeben. Sie betonte, dass die Zugänglichkeit und Qualität von Kinderbetreuung zu den wichtigsten Politikbereichen gehören, die auf EU-Ebene im Rahmen der Methode der offenen Koordinierung behandelt werden. Des Weiteren sagte sie, dass es entscheidend sei, über professionelles, hoch qualifiziertes und heterogenes Personal zu verfügen, um die Bedürfnisse von Kindern zu erfüllen. Sie fügte hinzu, dass die Kommission ab Herbst 2011 eine Expertengruppe für die frühkindliche Erziehung und Betreuung einsetzen werde, um die Arbeit und den Austausch über bewährte Verfahren in diesem Bereich fortzusetzen.

Benachteiligte Kinder in Dänemark im Visier

In den Vorträgen am Nachmittag ging es um Beispiele nationaler Kinderbetreuungssysteme und ­‑programme in den Niederlanden, Dänemark, Frankreich und der Slowakei.

Bente Jensen von der Universität Aarhus stellte das dänische Programm „VIDA“ vor, bei dem das Wohlergehen von Kindern durch eine spezielle Bildung und Ausbildung von Vorschullehrern gefördert wird. Das Ziel besteht darin, Ungleichheiten und soziale Ausgrenzung von Kindern in Tagesbetreuungsstätten zu verringern. Die Lehrkräfte werden mit dem Thema Inklusion vertraut gemacht und erlernen Methoden zur Umsetzung eines kinderorientierten Lehrplans, der den Bedürfnissen aller Kinder gerecht wird.

Große Vielfalt an Kinderbetreuungsmöglichkeiten in Frankreich

Hélène Escande vom französischen Ministerium für Solidarität und sozialen Zusammenhalt gab einen Überblick über das französische Kinderbetreuungssystem. Sie erklärte, dass es in Frankreich zahlreiche staatlich bezuschusste Kinderbetreuungsmöglichkeiten gibt. Kinderbetreuer und -betreuerinnen arbeiten entweder in kollektiven Kinderbetreuungszentren oder bei sich zuhause. Sie betonte dabei zwei innovative Möglichkeiten der Kinderbetreuung: Mikro-Kindergärten und Kinderbetreuer-Häuser.

Mikro-Kindergärten können maximal zehn Kinder von unter sechs Jahren aufnehmen und drei Arbeitskräfte mit mindestens zwei Jahren Erfahrung mit der Arbeit mit sehr jungen Kindern beschäftigen. Sie sind vor allem in ländlichen Gebieten willkommen, wo es zunehmend Beschäftigungsmöglichkeiten für Frauen gibt. In Kinderbetreuer-Häusern können sich maximal vier Kinderbetreuer und -betreuerinnen um jeweils bis zu vier Kinder kümmern. Sie können die Betreuung „ihres“ Kindes vorübergehend an eine andere im gleichen Zentrum arbeitende Betreuungsperson übertragen.

Geringe Bereitstellung von Betreuung für Kleinkinder in der Slowakei

Abschließend präsentierte Daniel Gerbery vom slowakischen Institut für Arbeits- und Familienforschung die Merkmale und Ergebnisse der öffentlichen Kinderbetreuung in der Slowakei. Er wies darauf hin, dass sich die staatliche Politik auf ältere Kinder konzentriert, während Kinder unter drei Jahren in der Regel von ihren Eltern betreut werden. Die Bereitstellungsrate in der Slowakei gehört zu den niedrigsten in der gesamten EU, was die Betreuung von Kindern unter drei Jahren anbelangt (2% dieser Altersgruppe werden formell betreut, verglichen mit 28% in der EU insgesamt).

Die Teilnehmer waren sich einig, dass es sehr wichtig ist, dass Kinderbetreuungseinrichtungen und -personal eine gesunde und anregende Umgebung für Kinder schaffen. Doch auch die Mitwirkung der Eltern und eine starke familiäre Unterstützung in der frühkindlichen Entwicklung wurden als entscheidende Faktoren für eine erfolgreiche Vorschulerziehung genannt. „Die Teilnahme der Eltern an der frühkindlichen Erziehung und Betreuung ist wesentlich, vor allem für Eltern, die selbst negative Erfahrungen in ihrer Kindheit gemacht haben“, betonte Jana Hainsworth, Generalsekretärin von Eurochild, einem europäischen Netzwerk von Organisationen, die sich für die Rechte und das Wohlergehen von Kindern einsetzen.

For further information

Agendapdf(199 kB)

Vorträge:

JosetteHoexpdf(137 kB) – Fachbereich Bildung & Fürsorge – Niederländisches Jugendinstitut

Jan Peeterspdf(784 kB) – Forschungs- und Ressourcenzentrum für VBJK

Leonardo Menchinipdf(513 kB) – Kinderarmut und Sozial- und Wirtschaftspolitik

Jonas Himmelstrandpdf(139 kB) - HARO! Schweden

Nora Milotaypdf(971 kB) - Europäische Kommission, GD EAC

Jana Hainsworthpdf(64 kB) - Eurochild

Bente Jensenpdf(2 MB), Ländererfahrung: Dänemark

Hélène Escandepdf(356 kB), Ländererfahrung: Frankreich

Daniel Gerberypdf(641 kB), Ländererfahrung: Slowakei

Abschlussberichtpdf(833 kB)

 
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