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OECD-Bericht: Regierungen müssen Familien mehr Unterstützung zukommen lassen

04/05/2011

Im kürzlich veröffentlichten OECD-Bericht „Besseres für die Familien erzielen“ (“Doing Better for Families”) werden sich ändernde Trends bei der Zusammensetzung und dem Wohlergehen von Familien in den OECD-Ländern aufgezeigt und die Regierungen dazu aufgefordert, Familien in einer Zeit des schnellen sozialen Wandels zu unterstützen. Dem Bericht zufolge nimmt in nahezu allen OECD-Ländern in Haushalten mit Kindern die Armut zu. Deshalb sollten die Regierungen sicherstellen, dass politische Maßnahmen darauf abzielen, diejenigen zu schützen, die am meisten gefährdet sind.

Familien im Wandel

Der Bericht zeigt, dass sich die Familien im gesamten OECD-Raum in nur einer Generation drastisch verändert haben. Seit 1970 ist die Geburtenrate von 2,2 Kindern pro Frau auf 1,7 gesunken. Viele Familien leben heute in nicht-traditionellen Familienstrukturen: es gibt mehr Lebensgemeinschaften, die Menschen heiraten später, es gibt mehr Scheidungen und mehr Menschen, die mehrmals heiraten.

Darüber hinaus wird in dem Bericht hervorgehoben, dass sich die Ansprüche der Eltern verändert haben. Viele Väter und Mütter wollen eine berufliche Karriere mit einem aktiven Familienleben vereinbaren. Kinder haben weniger Geschwister und leben öfter in Lebensgemeinschaften oder in Haushalten mit nur einem Elternteil, und es gibt mehr Kinder, die in Familien aufwachsen, in denen die Eltern neue Lebenspartner haben.

Eine weitere bedeutende Veränderung ist, dass viel mehr Frauen arbeiten und besser ausgebildet sind als in der Vergangenheit: Mehr als ein Drittel der Frauen unter 35 Jahren besitzt heute eine abgeschlossene Hochschulausbildung (verglichen mit knapp über 20% vor zwanzig Jahren). Im Durchschnitt gibt es heute in rund 60% der Familien zwei Geldverdiener.

In dem Bericht wird erwogen, dass eine weitere Steigerung der Beschäftigung von Frauen dazu beitragen könnte, die Herausforderungen einer alternden Bevölkerung anzugehen. Dies kann sich jedoch als schwierig erweisen, wenn Männer sich nicht in höherem Maße an der Hausarbeit und Kinderbetreuung beteiligen. (Frauen verrichten im Durchschnitt 2,5 Stunden mehr Arbeit im Haushalt als Männer.)

Armut der Familien nimmt zu

In dem Bericht wird außerdem aufgezeigt, dass die Kinderarmutsrate in vielen Ländern in den letzten zehn Jahren gestiegen ist und im OECD-Raum insgesamt bei 12,7% liegt (dabei handelt es sich um Haushalte, die über weniger als die Hälfte des Durchschnittseinkommens verfügen). Diese Zahl liegt in einigen OECD-Ländern, einschließlich Mexiko, den Vereinigten Staaten und Polen, sogar bei 20% oder mehr.

Dieses Problem ist bei Alleinerziehenden besonders akut. In fast allen Ländern ist die Armutsrate bei Familien mit einem arbeitslosen alleinerziehenden Elternteil mindestens zweimal so hoch wie bei Alleinerziehenden, die berufstätig sind. Es wird außerdem darauf verwiesen, dass Familien mit Kindern heute häufiger von Armut betroffen sind, verglichen mit den vergangenen Jahrzehnten, in denen Rentner meist die Ärmsten der Bevölkerung waren.

Politische Maßnahmen müssen wirksamer werden

Im Durchschnitt geben die Regierungen der OECD-Länder rund 2,4% des BIP für die Unterstützung von Familien aus. Einige der Leistungen gehen direkt an die Familien, wie das an Eltern gezahlte Kindergeld, andere erfolgen auf indirektem Wege, wie die Bereitstellung von Kinderbetreuung. Es wird davor gewarnt, dass angesichts der Haushaltskürzungen, die in vielen Ländern aufgrund der Wirtschaftskrise beschlossen wurden, die Gefahr besteht, dass diese Unterstützung ebenfalls gekürzt werden könnte.

Im Bericht wird argumentiert, dass die Regierungen erneut darüber nachdenken sollten, wann sie Geld für Familien ausgeben. Es wird betont, dass Kinder, besonders jene der ärmsten Familien, den größten Nutzen für ihr weiteres Leben aus Investitionen in ihre Betreuung vor Schulbeginn ziehen. Dennoch würden „viele Länder mindestens sechs Jahre warten, bevor sie mit dem größten Teil der staatlichen Förderung für das Kind beginnen“. Das Ergebnis hiervon ist, dass die Kinder der ärmsten Familien unter Umständen bereits bei der Einschulung benachteiligt sind, was ihre Entwicklung verglichen mit der von Kindern aus wohlhabenderen Familien betrifft.

Es werden eine Reihe anderer Ansätze vorgeschlagen, mit denen das Leben der Familien verbessert werden könnte. So wird beispielsweise darauf hingewiesen, dass ein Wirtschaftskonzept für familienfreundlichere Arbeitsplätze erstellt werden könnte, bei dem den Arbeitnehmern flexiblere Arbeitszeitregelungen ermöglicht werden. Die Vorteile hierbei sind u. a. „eine bessere Weiterbeschäftigungsrate (bis zu 99%) von Arbeitnehmerinnen nach dem Mutterschaftsurlaub, geringere Gesamtkosten durch Heimarbeit und flexible vertragliche Regelungen sowie eine erhöhte Produktivität und Kreativität der Arbeitnehmer“.

Der Generalsekretär der OECD Angel Gurría erklärte: „Familienleistungen müssen gut konzipiert sein, um Beschäftigungsanreize zu erhalten. Sie müssen aber auch wirksam diejenigen schützen, die am meisten gefährdet sind, ansonsten riskieren wir hohe und langfristige Sozialausgaben für zukünftige Generationen“.

Bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie entscheidend für Wohlergehen von Familien

Im Bericht wird darauf hingewiesen, dass es bei der Familienpolitik nicht nur um das Bereitstellen von Diensten, finanzielle Zuschüsse, Einkommensbeihilfen während des Betreuungsurlaubs oder Steuererleichterungen für Familien gehe. Sie sei auch wichtig, um Familien dabei zu unterstützen, Beruf und Betreuungspflichten vereinbaren zu können, und zwar mit Hilfe eines ganzheitlichen Leistungspakets bestehend aus Betreuungsurlaub sowie Betreuung und Unterstützung am Arbeitsplatz für Eltern mit kleinen Kindern.

Die Entwicklung von Elternurlaubsregelungen, die mehr Väter dazu ermutigen, Elternurlaub zu nehmen und diesen mit dem Partner aufzuteilen, sowie deren Beteiligung an der Hausarbeit fördern und darüber hinaus hochwertige Kinderbetreuungsdienste gewährleisten, sind eng verbunden mit einer besseren kognitiven Entwicklung - besonders bei Kindern aus ärmeren Familien - und wurden als wichtigste Elemente bei der Unterstützung von Familien erkannt.

„Familienfreundlichere Arbeitsplätze, gleiche Berufschancen für Männer und Frauen und eine bessere Aufteilung von Betreuungspflichten sind nicht nur wirtschaftlich sinnvoll, sondern moralisch und politisch unerlässlich“, so Angel Gurría.

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