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Seminar zum Thema „Serious Game“ – Auf den Bevölkerungsrückgang reagieren

18/04/2011

Am 23. März 2011 nahmen 35 Vertreter aus Regionen und Städten der EU, der Europäischen Kommission und der niederländischen Regierung in Brüssel am Seminar zum Thema „Serious Game und die Folgen einer schrumpfenden Bevölkerung für lokale Gemeinschaften“ teil. Das Seminar wurde vom niederländischen Ministerium für Inneres und Angelegenheiten des Königreichs zusammen mit der Europäischen Kommission (GD Beschäftigung, Soziales und Integration) organisiert. Im Rahmen dieser Veranstaltung wurden die europäischen Politikmaßnahmen, mit denen man versucht, auf den Bevölkerungsrückgang zu reagieren, betrachtet und das Lerninstrument „Serious Game“ vorgestellt, das staatlichen Einrichtungen und anderen Akteuren dabei helfen soll, situationsgerechte Entscheidungen zu treffen.

Planung und Maßnahmen in Zeiten des Bevölkerungsrückgangs

Nach Ansicht von Professor Thorsten Wiechmann von der Technischen Universität Dortmund sind schrumpfende Städte das Ergebnis von drei wesentlichen Entwicklungen: Suburbanisierung, wirtschaftliche Umstrukturierung und demografischer Wandel. Prof. Wiechmann betrachtete in seinem Vortrag fünf europäische Städte mit einer schrumpfenden Bevölkerung. Zwar variierten die spezifischen Faktoren für den Bevölkerungsrückgang von einer Fallstudie zur anderen, aber bei allen fünf konnten die gleichen Merkmale festgestellt werden: u. a. eine alternde Bevölkerung und eine begrenzte finanzielle Kapazität, um auf die Situation zu reagieren. Er wies darauf hin, dass Stadtplanung „traditionell wachstumsorientiert“ sei und die Planung in Zeiten des Bevölkerungsrückgangs daher „einen Paradigmenwechsel erfordere“.

Dr. Anna Kurowska von der Universität Warschau ging auf die Situation Polens ein. Dort schrumpft die Bevölkerung seit dem späten 20. Jahrhundert und man geht davon aus, dass sich diese Entwicklung in den nächsten 25 Jahren fortsetzen wird. Insbesondere die zentral-südlichen und östlichen Regionen Polens sind von einem Bevölkerungsrückgang bedroht. Die Politikmaßnahmen, mit denen man versucht, auf den Bevölkerungsrückgang zu reagieren, setzen beim niedrigen natürlichen Bevölkerungswachstum (familienpolitische Maßnahmen wie Mutterschaftsurlaub), bei der negativen internationalen Nettomigration (z. B. Steuererleichterungen und niedrigere Sozialversicherungsbeiträge für zurückkehrende Auswanderer) und bei der Binnenmigration (Maßnahmen für die regionale Entwicklung wie Investitionen in das Verkehrswesen und Unterstützung für Unternehmensgründer) an.

Die Niederlande: Folgen und nächste Schritte

Negatives Bevölkerungswachstum ist ein Phänomen, das häufiger in Mittel- und Osteuropa auftritt. Es betrifft aber beispielsweise auch die Niederlande. William Segers vom Ministerium für Inneres erklärte, dass, obwohl von einem Wachstum der Bevölkerung des Landes insgesamt bis zum Jahr 2040 ausgegangen werde, 45% der Gemeinden voraussichtlich mit einem Bevölkerungsrückgang bis zum Jahr 2025 konfrontiert sein werden. Dies könne zwar positive Folgen haben, wie z. B. niedrigere Immobilienpreise, weniger Staus und mehr Raum für Landschaftsentwicklung, aber auch negative, wie z. B. die rückläufige Entwicklung von Industriegebieten, sinkende Einnahmen für Gemeinden und schlechtere Beschäftigungsaussichten.

Die politische Vorgehensweise der Niederlande gründet darauf, Problemen vorzugreifen, aus Erfahrungen zu lernen und mit anderen Parteien zusammenzuarbeiten. Ein Beispiel für diese Art von Politik in der Praxis ist das IKT-Instrument, auch „Serious Game“ genannt, das vom niederländischen Ministerium für Inneres und Angelegenheiten des Königreichs entwickelt wurde. Man spielt als Gruppe und Zweck des Spiels ist es, auf das Thema Bevölkerungsrückgang aufmerksam zu machen und den Nutzern die Möglichkeit zu geben, komplexe politische Entscheidungen unter Berücksichtigung der Interessen anderer durchzuspielen und zu experimentieren.

Ein praktisches Instrument für Entscheidungsträger

„Serious Game“ wurde bereits von niederländischen Entscheidungsträgern genutzt und liegt nun auch in englischer Sprache vor. Die Seminarteilnehmer nahmen an einer kürzeren Demo-Version des Spiels teil (die normale Spieldauer ist ein ganzer Tag). Für den Gastgeber des Seminars Paul Engelen vom Haus der niederländischen Provinzen bestand der wichtigste Aspekt von „Serious Game“, in der Entdeckung, dass „man mit anderen Organisationen zusammenarbeiten muss“, um mit einer schrumpfenden Bevölkerung umzugehen. „Eine Provinzialregierung kann z. B. nichts ohne die Zusammenarbeit mit den Gemeinden, Wohnungsbaugesellschaften, Krankenhäusern und Schulen ausrichten.“ Vor dem Hintergrund, dass in 18 der 27 EU-Mitgliedstaaten die Bevölkerung in einer oder mehreren Regionen schrumpft, hofft das niederländische Ministerium für Inneres, dass „Serious Game“ auch für andere europäische Länder hilfreich sein kann. „Es ist eine gute Möglichkeit, eine reale Situation im Vorfeld zu proben“, so Engelen.

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