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Ungarische Ratspräsidentschaft fokussiert allgemeine und hochwertige Bildung im frühen Kindesalter

15/03/2011

Am 21. und 22. Februar fand in Budapest die Konferenz „Exzellenz und Gleichberechtigung bei der frühkindlichen Bildung und Betreuung“ statt. Diese Veranstaltung – die erste, die unter der ungarischen Ratspräsidentschaft auf Expertenebene zu diesem Thema abgehalten wurde – brachte Sachverständige der Ministerien der Mitgliedstaaten, politische Entscheidungsträger und mehrere internationale Organisationen zusammen, um über dieses Thema zu beraten.

Die Konferenz fand nur einige Tage nach der Veröffentlichung einer Mitteilung der Kommission statt, in der ein allgemeiner Zugang zu hochwertiger Vorschulbildung in der ganzen EU gefordert wird. Die Konferenzteilnehmer diskutierten über den Nutzen frühkindlicher Bildung, über die Struktur, Verwaltung und Finanzierung von Bildung und Betreuungssystemen im frühen Kindesalter, umfassende pädagogische Rahmenkonzepte, die Kompetenzen der Beschäftigten im Bildungssektor und die Notwendigkeit einer Partnerschaft mit Eltern und der lokalen Gemeinschaft.

Frühkindliche Bildung entscheidend für die Entwicklung von Kindern

In ihren Eröffnungsreden erinnerten Rózsa Hoffman, ungarische Staatsministerin für Bildung vom Ministerium für nationale Ressourcen, und Androulla Vassiliou, EU-Kommissarin für Bildung, daran, wie wichtig eine hochwertige Bildung im frühen Kindesalter für das Wohlbefinden und die Gesamtentwicklung der Kinder ist. Sie betonten, dass es entscheidend sei, mehr in die frühkindliche Bildung zu investieren.

Die EU-Kommissarin erklärte: „In der EU hat ein 15-Jähriger von fünf Schwierigkeiten beim Lesen und in der selben Altersgruppe unterbricht einer von sieben seine Schulbildung oder geht endgültig von der Schule ab. Wir müssen diese Lücke schließen.“ Sie betonte außerdem, dass die Bildung im frühen Kindesalter eine wichtige Rolle dabei spiele, die Ziele der „Strategie Europa 2020“ – die Anzahl der Schulabbrecher auf unter 10% zu verringern und 20 Millionen Menschen aus der Armut zu befreien – zu erreichen.

Die Konferenzteilnehmer stimmten weitgehend zu, dass hochwertige Kinderbetreuung und frühkindliche Bildung die späteren Bildungsergebnisse sowie die kognitiven und nicht-kognitiven Fähigkeiten bei Kindern verbessern, eine gute Grundlage für lebenslanges Lernen schaffen und helfen, die Probleme der Bildungsbenachteiligung und des Schulabbruchs zu bekämpfen.

Professor Edward Melhuish von der Universität London erklärte, dass gleichberechtigte und hochwertige Bildung und Betreuung im frühen Kindesalter bei der Entwicklung des menschlichen Kapitals zu den besten Ergebnissen führen und ein solides Fundament für Erfolg schaffen: bessere Bildungsergebnisse, eine bessere soziale Entwicklung, bessere Fähigkeiten und beruflicher Erfolg, weniger Schulabbrecher und wirksamere staatliche Ausgaben.

Deborah Roseveare von der OECD analysierte mehrere wirtschaftliche Aspekte der Bildung und Betreuung im frühen Kindesalter und wies darauf hin, dass, obwohl alle Kinder hiervon profitierten, der Nutzen für Kinder aus einkommensschwachen Familien und sozial ausgegrenzten Gruppen, wie die der Roma und Immigrantenkinder, bedeutend höher sei: „Kinder aus einkommensschwachen Familien beginnen die Schule mit einer Benachteiligung beim Lernen, Schreiben und sozialen Fähigkeiten. Die Bildung im frühen Kindesalter ist besonders wichtig dafür, dass sie erfolgreich lernen und zu einem späteren Zeitpunkt ihren Rückstand aufholen können.“

Unterschiede bei der Bereitstellung und Qualität in der EU

John Bennett vom britischen Thomas Coram Forschungsinstitut warnte vor den enormen Unterschieden in der EU, was Struktur, Verwaltung und Qualitätssicherung der frühkindlichen Bildung und Betreuung betrifft. Er wies darauf hin, dass es wichtig sei, für diesen Bereich integrierte Strukturen und koordinierte Ansätze in den nationalen Ministerien zu haben.

„Die meisten Länder sind weitgehend erfolgreich bei der Bereitstellung staatlicher Vorschulbildung für Kinder im Alter von 3-6 Jahren, und das mit einer hohen Teilnahmequote. Dennoch könnte die Qualität und Reichweite der Dienstleistungen in vielen Fällen um einiges verbessert werden“, so Bennett. Außerdem betonte er, dass Dienstleistungen für Kinder unter 3 Jahren oft schwach sind und in vielen Ländern immer noch nicht ausreichend finanziell unterstützt und reguliert werden. Gefährdete Bevölkerungsgruppen, wie die der Roma, haben keinen Zugang zu Bildungsdienstleistungen für das frühe Kindesalter. Daher stellt die Einschulung für diese Kinder weiterhin eine große Hürde dar.

Neuer Aktionsplan der Kommission: hochwertige Betreuung und Bildung für alle Kinder in der EU

Die Mitteilung der Kommission, die nur wenige Tage vor der Konferenz veröffentlicht wurde, trug die Überschrift „Der bestmögliche Start für alle unsere Kinder in die Welt von morgen“. In dem Text wird für alle Kinder Zugang zu hochwertiger frühkindlicher Bildung gefordert, da dies die Grundlage für lebenslanges Lernen, soziale Eingliederung, persönliche Entwicklung, berufliche Eingliederung und Beschäftigungsfähigkeit in späteren Lebensphasen schaffe.

EU-Kommissarin Vassiliou erklärte, die Kommission habe mit ihren Vorschlägen auf ein Anliegen reagiert, das aus dem Treffen der Bildungsminister im Mai 2009 hervorgegangen war. „Die EU-Länder haben begriffen, dass Kinder hiervon profitieren, da sie besser auf das lebenslange Lernen vorbereitet werden und Aussicht auf ein besseres Leben haben“, fügte sie hinzu.

Adam Pokorny von der Generaldirektion Bildung und Kultur der Europäischen Kommission gab einen Überblick und erklärte: „Diese Mitteilung hat historischen Wert, da die EU dieses Thema bisher vor allem aus dem Blickwinkel des Arbeitsmarktes betrachtet hat. Jetzt schaut man insbesondere darauf, wie man den Zugang erweitern und die Qualität der institutionellen Vorschulbildung verbessern kann, damit sie den Kindern zugute kommt. Die Mitteilung zeigt auf, dass der Nutzen desto grö╬▓er ist, je früher ein Kind an Bildung teilnimmt, besonders bei benachteiligten Kindern. Wenn wir den Teufelskreis der Armut durchbrechen wollen, dann müssen wir jetzt handeln.“

Des Weiteren erklärte er, dass die Kommission mit dieser Mitteilung die EU-Mitgliedstaaten dazu anregen will, einen allgemeinen Zugang zu hochwertiger Vorschulbildung bereitzustellen. Dieser sollte auf einer soliden Finanzierung, einer verantwortungsvollen Verwaltung und einem ganzheitlichen Ansatz zu Bildung und Betreuung gründen.

Die Qualität der Vorschulbildung zu verbessern, wird als vorrangig betrachtet. Dabei müssen die Ausbildung und die Qualifikationen der Beschäftigten in diesem Bereich geprüft werden, sowie deren Gehälter und Arbeitsbedingungen. Weitere wichtige Aspekte, die in diesem Vorschlag betont werden, sind die Notwendigkeit eines altersgerechten Lehrplans und der Bedarf an Qualitätssicherungssystemen und Normen, um die Fortschritte in jedem Land zu beobachten.

Familien und Gemeinschaften einbinden

Hochwertige Pädagogik und die Einbeziehung der Eltern und der Gemeinschaft in die Bildung und Betreuung im frühen Kindesalter gehörten zu den Themen, über die in speziellen Workshops beraten wurde. Die Konferenzteilnehmer waren sich einig, dass ein geeignetes Lernumfeld mit hochwertigen Gebäuden und pädagogischen Konzepten sehr wichtig ist, ebenso die Verfügbarkeit guter pädagogischer Arbeitsmaterialien, zu denen Kinder freien und altersgerechten Zugang haben. Es wurde außerdem betont, dass die aktive Beteiligung der Kinder an Aktivitäten wie Singen oder in den Bereichen Musik, Kunst und handwerkliche Tätigkeiten sich kurz- und langfristig positiv auf die Entwicklung und auf das Selbstgefühl und -bewusstsein des Kindes auswirkt. Irene Nagy Jenoné von der Szent István Universität in Ungarn stellte ein neues Unterrichtsprogramm für Kunst vor, mit dem die moralische, intellektuelle und ästhetische Auseinandersetzung mit Kunst bei Kindern verbessert und differenziert werden kann.

Die Einbeziehung der Eltern und eine starke Förderung der frühkindlichen Entwicklung durch die Familie wurden ebenfalls als entscheidend für eine erfolgreiche Vorschulbildung identifiziert. Miriam Mony von der École Santé Social Sud-Est in Frankreich (Bildungszentrum für Berufe im Sozial- und Gesundheitsbereich) stellte das Konzept für das „Einbinden“ der Eltern in die frühkindliche Bildung und Betreuung vor. Bei diesem Ansatz werden Eltern einbezogen, indem sie einen Teil ihrer Zeit investieren und aktiv in der Kinderbetreuungseinrichtung mitwirken. Diese Einbeziehung auf freiwilliger Basis trägt auf vielfache Weise zur Qualität bei. Eltern erleben ihr Kind im Kontakt mit anderen Kindern.

Die Ergebnisse dieser Konferenz werden dem Rat als Beitrag für die Ausarbeitung und Verabschiedung von Schlussfolgerungen zur Verbesserung des Zugangs zu hochwertiger Bildung und Betreuung im frühen Kindesalter dienen, dies mit dem breiteren Ziel, einen politischen Rahmen für die weitere europäische Zusammenarbeit in diesem Bereich zu schaffen.

For further information

Programm und Vorträge der Konferenz


Mitteilung der Kommission  pdf Übersetzung für diesen Link wählen vom 17. Februar 2011 „Frühkindliche Betreuung, Bildung und Erziehung: der bestmögliche Start für alle unsere Kinder in die Welt von morgen“.
 

 
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