Navigationsleiste

Weitere Extras

  • Druckversion
  • Text verkleinern
  • Text vergrößern

Britische Eltern teilen sich den Mutterschaftsurlaub

25/02/2011

Die Regierung des Vereinigten Königreichs kündigte Pläne an, die es Paaren ab April 2011 erlauben werden, sich den Mutterschaftsurlaub zu teilen. In dem System können Väter den ungenutzten Urlaub ihrer Partnerin übernehmen, wenn diese früher zur Arbeit zurückkehrt. Ferner teilte die Regierung ihre Absicht mit, die Flexibilität ab 2015 auch auf andere Familienmitglieder auszudehnen.

Derzeit haben arbeitende Väter Anspruch auf zwei Wochen bezahlten Vaterschaftsurlaub und Mütter auf 52 Wochen Mutterschaftsurlaub, von denen 39 Wochen bezahlter Urlaub sind. Darüber hinaus haben arbeitende Eltern Anspruch auf insgesamt 13 Wochen unbezahlten Elternurlaub, den sie bis zum 5. Geburtstag des Kindes nehmen können.

Mit dem neuen System haben Mütter noch immer die ersten sechs Monate Urlaub, können aber die folgenden sechs Monate mit ihrem Partner teilen. Wenn die Mutter wieder arbeiten geht, kann der Vater sechs Monate Urlaub nehmen, von denen die Hälfte mit £123,06 (144 €) pro Woche vergütet wird.

Die Pläne wurden von der vorigen Regierung des Vereinigten Königreichs beschlossen, treten aber erst im April 2011 in Kraft, um den Unternehmen Zeit zu lassen, sich an die Änderungen anzupassen. Die ehemalige Frauen- und Gleichstellungsministerin Harriet Harman hatte den Beschluss so kommentiert: „Familien erhalten wesentlich mehr Spielraum und Flexibilität, um ein Gleichgewicht zwischen Berufstätigkeit und Kinderbetreuung zu finden und Väter können eine größere Rolle in der Erziehung ihrer Kinder spielen.“

Reaktionen auf die Veränderungen

Sarah Jackson, die Leiterin von Working Families sagte: „Das ist eine gute Nachricht für Familien und ebenfalls vorteilhaft für die Unternehmen. Viele Eltern erhalten dadurch neuen Entscheidungsspielraum, wie sie sich um ihr neugeborenes Kind kümmern möchten, und indem man Vätern neue Rechte am Arbeitsplatz gibt, geht man die ungleiche Stellung der Geschlechter am Arbeitsplatz an, die das Vereinigte Königreich so teuer zu stehen kommt.“ Sie ist jedoch der Meinung, dass diese Flexibilität auf alle Väter ausgedehnt werden sollte, nicht nur auf diejenigen, deren Partnerinnen wieder arbeiten gehen, und meint: „Die Erfahrung in anderen Ländern zeigt, dass dies am besten funktioniert und am ehesten dazu führt, dass Väter sich mehr mit ihren Kindern beschäftigen. Aber das ist schon mal ein guter Anfang.“

Katja Hall vom Verband der britischen Industrie unterstützt flexibleren Elternurlaub, warnte aber, dass „es für die Unternehmen schwierig wird, im Voraus zu planen, wenn man es Eltern erlaubt, von heute auf morgen stückchenweise Urlaub zu nehmen. Wir bevorzugen es daher, wenn Eltern größere Urlaubsblöcke an einem Stück nehmen.“

Ausdehnung des flexiblen Urlaubs auf die Familie oder Freunde

Die britische Regierung kündigte außerdem an, dass sie über die Einführung weiterer Änderungen des Systems im Jahr 2015 berät. Der stellvertretende Premierminister Nick Clegg sagte, die Regierung hoffe, den flexiblen Urlaub über die Mütter und Väter hinaus auszudehnen, „wenn wir die Vorurteile zerstreuen können, die viele Männer und manche Arbeitgeber noch damit verbinden. Indem wir den flexiblen Urlaub z. B. auf Großeltern oder enge Freunde der Familie ausdehnen, hoffen wir, dass er alltäglich wird - eine kulturelle Norm“.

Er gab zu, dass manche Arbeitgeber hinsichtlich einer Ausdehnung der Urlaubsansprüche besorgt sind und sagte: „Natürlich müssen bei allen Veränderungen die schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen berücksichtigt werden, in denen wir uns befinden. Aber es stimmt, dass wir diese Möglichkeit bei unseren Beratungen im Auge haben.“

Der Generalsekretär des Gewerkschaftskongresses, Brendan Barber, kommentierte seinen ersten Eindruck folgendermaßen: „Die Bedingungen für Elternurlaub im Vereinigten Königreich sind die ungleichsten in Europa, die Pläne der Regierung für eine Erweiterung des geteilten Urlaub sind also willkommen.“

Subscribe
Unsubscribe