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Konferenz zu zukünftigen EU-Forschungsthemen für Familienpolitik

08/12/2010

Die FAMILYPLATFORM ist ein Konsortium aus zwölf Organisationen, die zusammen wesentliche Forschungs- und Politikthemen für eine eventuelle Aufnahme in die Forschungsagenda der Europäischen Kommission oder anderer Forschungsförderungseinrichtungen ermitteln. Die Konferenz „Forschungsthemen für Familienforschung und politische Kernfragen in Europa“ fand am 4. und 5. November 2010 in Brüssel statt. Hierzu kamen politische Entscheidungsträger, Vertreter der Europäischen Kommission, wissenschaftlicher Institute und Organisationen der Zivilgesellschaft aus der ganzen EU zusammen.

Sich abzeichnende Alternativen zum traditionellen Familienmodell

Zu Beginn der Konferenz steckten die Koordinatoren der ersten drei Arbeitsfelder den Rahmen für die Forschungsagenda ab. Kimmo Jokinen von der Universität Jyväskylä sprach über die Haupttendenzen in der Familienforschung und nannte die Modelle „Zwei Einkommen - Frau kümmert sich um Kinder und Haushalt“ und „Einer Vollzeit und einer Teilzeit - Frau kümmert sich um Kinder und Haushalt“ als sich abzeichnende Alternativen zum Modell „Mann als Ernährer“. Generell besteht die traditionelle Vorstellung von den Geschlechterrollen jedoch weiterhin, wobei Frauen immer noch den Löwenanteil der Hausarbeit erledigen.

Untersuchungen ergaben außerdem, dass in der neuen und komplexen Gesellschaftsstruktur von heute Familien des Mittelstandes mit zwei Einkommen, gut ausgebildete Eltern mit nicht mehr als zwei Kindern eine reale Chance auf gute Lebensbedingungen haben. Im Gegensatz dazu zählen zu den am meisten benachteiligten Gruppen alleinerziehende Frauen, die ein geringes Bildungsniveau aufweisen und mehr als zwei Kinder haben, und Einwandererfamilien aus dem EU-Ausland, in denen die Eltern arbeitslos sind oder einer schlecht bezahlten Beschäftigung nachgehen und über schwache familiäre Netzwerke verfügen. Vor diesem Hintergrund haben die Familienpolitik und besonders die Kinderbetreuungsdienste in vielen europäischen Ländern stark an Bedeutung zugenommen.

Im Rahmen ihrer kritischen Betrachtung der bestehenden Forschung berichtete Karin Wall vom Institut für Sozialwissenschaft der Universität Lissabon (ICS) über die wesentlichen Forschungsgebiete, die identifiziert wurden: heutige Mutterschaft und Vaterschaft, Zusammenhänge von Erlebnissen von Kindern und den Auswirkungen auf ihr Leben, die sich wandelnde Zusammensetzung und Struktur von Familien und familiären Netzwerken, die Beziehungen und das Auseinanderbrechen von Familien, soziale Ungleichheiten und Lebensformen, Interaktion und Übergangsphasen in der Familie, Betreuungsformen, Sozial- und Familienpolitik.

Zum Abschluss legten Olaf Kapella vom Österreichischen Institut für Familienforschung und Anne-Claire de Liedekerke vom World Movement of Mothers (Weltbewegung der Mütter) in Belgien die Schlussfolgerungen aus einer Vorausschau auf zukünftige Familienstrukturen bis zum Jahr 2035 dar. Hierbei halfen Schilderungen, unterschiedliche Familienformen in unterschiedlichen Szenarien zu betrachten.

Die Familie in alle relevanten Politikbereiche einbinden

Am Nachmittag verlasen Vertreter von Familienorganisationen, von Gewerkschaften, Angestellte und Wissenschaftler Stellungnahmen (die auf der Website der FAMILYPLATFORM einsehbar sind). Allgemeine Punkte, die aus der Diskussion hervorgingen, waren, dass sich mehr auf die Forschung konzentriert werden sollte, bei der Familienpolitik aus der Sicht des Kindes betrachtet wird, und die Bedeutung der „Einbindung der Familie“. Beim letzteren Konzept geht es darum, sicherzustellen, dass politische Entscheidungsträger immer auch die Auswirkungen auf Familien der unterschiedlichen politischen Maßnahmen (z. B. im Bereich Steuerpolitik) berücksichtigen.

Eine europäische Forschungsagenda zum Thema Familie

Der zweite Konferenztag wurde der Vorstellung der aus den Arbeitsfeldern hervorgegangenen Hauptforschungsgebiete gewidmet, die in die endgültige Forschungsagenda eingehen. Hierzu zählen:

1) Lebensverlauf und Übergangsphasen im Familienleben (einschließlich Familienstrukturen und -formen): Forschung zu Übergangsphasen in Familien im Kontext einer immer komplexer werdenden Gesellschaft (z. B. wenn Eltern kleine Kinder haben, wenn Kinder ihr Zuhause verlassen, wenn die Mutter nach der Geburt des Kindes wieder berufstätig ist, wenn Eltern in Rente gehen und wenn eine Familie zerbricht) und den möglichen Unterstützungsmaßnahmen während dieser Übergangsphasen.

2) Betreuungsformen - Forschung zur Kinderbetreuung und Betreuung von älteren, behinderten oder kranken Familienmitgliedern.

3) Bereiche wie Rollenverteilung in der Familie, Gender und Vereinbarkeit von Beruf und Freizeit: Forschung dazu, wie Familien ihr tägliches Leben organisieren, und zu unterschiedlichen Familientypen. Hierzu könnte gehören, wie Familien angesichts eines immer anspruchsvolleren Berufslebens ihre Zeit einteilen, wie Eltern Konflikte über die Aufteilung der Hausarbeit lösen und wie man mit dem Problem verfahren soll, dass Mütter oft den Großteil der Betreuung und Hausarbeit übernehmen müssen, und das häufig ohne Anerkennung.

4) Migration und Mobilität: Forschung zu (legalen und illegalen) Migranten, die sich innerhalb eines Landes, von einem EU-Land in ein anderes oder vom EU-Ausland in die EU bewegen. Mögliche Themen sind hierbei, ob Einwanderer Familienangehörige mitbringen oder diese im Heimatland bleiben (letzteres ist bei Einwanderern aus Osteuropa oft der Fall).

Darüber hinaus wird ein Sonderteil methodologischen Fragen und der Überwachung und Bewertung von sozialpolitischen Maßnahmen gewidmet. Die endgültige Forschungsagenda wird zum Jahresbeginn 2011 veröffentlicht.

 

 

 

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