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Konferenz der belgischen EU Ratspräsidentschaft zur Beseitigung des geschlechtsspezifischen Lohngefälles

15/11/2010

Standpunkte der Europäischen Kommission/des Europäischen Parlaments zum Thema Lohngefälle

In der Eröffnungssitzung schlug Xavier Prats Monné, Direktor für Beschäftigungspolitik (Europäische Kommission), vor, den Schwerpunkt bei der Diskussion mit den politischen Entscheidungsträgern auf Argumente für die Verringerung des Lohngefälles zu legen. Man solle den Schwerpunkt vom Argument der „Fairness“ zum wirtschaftlichen Aspekt der Gleichstellung hin verschieben. Dabei argumentierte er, dass Frauen einen großen Anteil des menschlichen Kapitals ausmachen, von dem Unternehmen profitieren können.

Eva-Britt Svensson, Vorsitzende des Ausschusses für die Rechte der Frau und die Gleichstellung der Geschlechter des Europäischen Parlaments, hielt eine Präsentation über eine Entschließung des Europäischen Parlaments aus dem Jahr 2008. Eine der Empfehlungen dieser Entschließung war, dass die Gremien für die Förderung der Gleichstellung und die Beobachtung der Gleichstellung eine größere Rolle bei der Verringerung des Lohngefälles spielen sollten, wobei sie rechtliche Befugnisse erhalten sollten, um Fälle von Lohndiskriminierung vor Gericht zu bringen.

Panel zu den Strategien der EU-Mitgliedstaaten

Finnland, das Vereinigte Königreich, Frankreich und Schweden hielten Präsentationen darüber, mit welchen Maßnahmen sie versuchen, das Lohngefälle zu verringern. Dr. Helen Carrier, Chefvolkswirtin des Amtes für Gleichstellung der Regierung des Vereinigten Königreiches, erklärte, dass in ihrem Land der Ansatz immer mehr auf die nicht-gesetzliche Ebene und Änderungen im Verhalten ausgerichtet werde. Hinsichtlich der Vereinbarung von Beruf und Familie will das Vereinigte Königreich „Eltern dazu ermutigen, sich die Elternschaft von Beginn der Schwangerschaft an zu teilen, wobei ein System des flexiblen Elternurlaubs“ und „die Bereitstellung kostenloser Kinderbetreuung von Kindern im Vorschulalter gefördert werden soll“. Darüber hinaus betonte sie, dass es wichtig sei „darauf zu schauen, was in den Familien passiert und wer die Kinder betreut, da dies ein bedeutender Faktor des Lohngefälles ist“.

Mari-Elia McAteer von der Abteilung für Gleichstellung des finnischen Ministeriums für Soziale Angelegenheiten und Gesundheit hielt eine Präsentation zu den Bemühungen der finnischen Regierung, mit dem ''Equal Pay Programme'' das Lohngefälle bis 2015 auf 15% zu verringern. Obwohl sich das Lohngefälle bereits verringert habe, so McAteer, könne das Ziel von 15% wahrscheinlich erst 2022 erreicht werden.

Elisabeth Tome-Gertheinrichs vom französischen Ministerium für Arbeit, Solidarität und den öffentlichen Dienst stellte mit ihrer Präsentation eine Initiative vor, bei der private Unternehmen bis Dezember 2010 Maßnahmen zur Beseitigung des Lohngefälles darlegen müssen. Frankreichs allgemeiner Ansatz besteht darin, das Lohngefälle im Zusammenhang mit dem weiter reichenden Problem der beruflichen Gleichstellung zu behandeln.

Ulrika Johansson arbeitet beim schwedischen Bürgerbeauftragten für Gleichstellung und hielt eine Präsentation über die Beaufsichtigung einer Regelung durch den Bürgerbeauftragten, nach der Unternehmen alle drei Jahre Gehaltsstudien durchführen müssen. Wenn sich ein Arbeitgeber weigert, eine derartige Studie durchzuführen, kann der Bürgerbeauftragte ein Versäumnisbußgeld ansetzen. Johansson fügte hinzu, dass dies eine wirksame Drohung sei.

Geschlechter-Stereotypen hinterfragen

Anu Sajavaara vom Hauptverband der finnischen Wirtschaft betonte das Problem der ''horizontalen Aufspaltung'', bei der Frauen (und Männer) sich in Sektoren konzentrieren, die traditionell mit ihrem Geschlecht verbunden werden, wie etwa Ingenieurberufe für Männer oder Sekretariatsaufgaben für Frauen. Sie wies darauf hin, dass diese Aufspaltung einer der Gründe für das geschlechtsspezifische Lohngefälle sein könnte. Sie erklärte, dass jungen Menschen nur sehr wenig Informationen zum Berufsleben gegeben werden und dass mehr getan werden müsse, um sie während ihrer Ausbildung zu den Themen Bildung und Beruf zu beraten. „Wir müssen Brücken bauen zwischen den Bildungsbehörden und der Unternehmenswelt.“ Ferner schlug sie vor, Geschlechter-Stereotypen zu hinterfragen, indem man inspirierende Rollenbilder entwickele. Dieser Punkt wurde von Liliane Volozinskis von UEAPME, der europäischen Vereinigung für kleinere und mittelgroße Unternehmen, aufgegriffen.

Während der Konferenz wurde zusammenfassend festgestellt, dass die Anstrengungen der Mitgliedstaaten nicht viel dazu beigetragen haben, das Lohngefälle zu verringern. Sajavaara verwies darauf, als sie sagte, dass es „viele Investitionen aber wenige Erfolge“ gegeben habe und dass Finnlands Bemühungen, die ''horizontale Aufspaltung'' zu beseitigen, nichts ergeben hätten. Volozinskis fügte hinzu, dass „alles versucht wurde. Die echte Blockade ist von kultureller Natur. Entscheidend hierbei ist die Entstehung von Stereotypen. Wir müssen bei den jungen Menschen ansetzen, und zwar sehr früh. Es beginnt in der Familie, dann in der Schule und Universität“.

Arni Hole, Leiterin des norwegischen Ministeriums für Familie und Gleichstellung, betonte ebenso die Notwendigkeit, Stereotypen zu hinterfragen. Ihrer Meinung nach sollte die Denkweise von „Männer helfen aus [in der Familie]“ zu „Männer haben teil [an der Familie]“ geändert werden. Darüber hinaus erklärte sie, dass die Gewährleistung früher Kinderbetreuung für jeden, der hiervon Gebrauch machen möchte, eine „staatliche Verantwortung“ sein sollte.

Hole wies darauf hin, dass sich viele Frauen, die dafür bezahlt werden, Kinder zu betreuen, in prekären Beschäftigungssituationen befinden. „Wir müssen dafür kämpfen, diese Arbeit zu einem qualifizierten Beruf zu machen, den Männer genauso ausüben wollen.“

Ausgewogenere Aufteilung des Elternurlaubs zwischen Mutter und Vater

Der letzte Teil der Konferenz wurde Präsentationen zu bewährten nationalen Verfahren zur Verringerung des Lohngefälles gewidmet. Dr. Ingolfur Gislason, Professor für Soziologie an der Universität von Island, hielt eine Präsentation über die Inanspruchnahme des Elternurlaubs von Vätern in Island.

Das isländische Gesetz zum Mutterschafts-/Vaterschafts- und Elternurlaub wurde 2000 überarbeitet und dabei der Elternurlaub von sechs auf neun Monate verlängert. Drei Monate müssen von der Mutter genommen werden und drei Monate vom Vater. Wer die restlichen drei Monate in Anspruch nimmt, können die Eltern frei entscheiden. Diese Änderung bewirkte „eine engere Beziehung zwischen Vätern und ihren Kindern sowie ein besseres Verständnis der Männer für das Maß an Arbeit, das mit der Betreuung von Kindern verbunden ist“, so Dr. Gislason.

Forderung nach mehr Betreuungseinrichtugen für Kinder

Zum Abschluss der Konferenz nannte die belgische Ministerin für Beschäftigung und Chancengleichheit Joëlle Milquet eine Reihe von Diskussionspunkten für das nächste EU-Treffen der Minister für Beschäftigung, sozialen Schutz, Verbraucherschutz, Gesundheit und Chancengleichheit (EPSCO) im Dezember. Sie verwies auf die Steigerung der Beschäftigungsquote der Frauen, die Verringerung des Lohngefälles und die Stärkung der Qualifikationen von Frauen als wichtigste Ziele.

Gleichzeitig betonte sie, wie wichtig es sei, gegen Geschlechter-Stereotypen und die ''horizontale Aufspaltung'' vorzugehen. Im Hinblick auf Kinderbetreuungsangebote erklärte sie, seien „die Barcelona-Ziele immer noch aktuell und müssen verstärkt verfolgt werden, wenn wir Frauen beim Zugang zu Arbeitsstellen und der Vereinbarung von Beruf und Familie helfen wollen“.

For further information

Bericht zur Konferenz auf der Website der belgischen EU-Ratspräsidentschaft
 

 
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