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Expertengruppe für Demografie diskutiert über aktives Altern und Kinderbetreuung in Dänemark

16/10/2009

Ein innovatives Programm in Dänemark geht zwei Herausforderungen zugleich an: aktives Altern und Kinderbetreuung. Im Rahmen des „Reserve Grandparent Scheme“ (Programm „Großeltern in Reserve“) bieten ältere Menschen ihre Hilfe an und kümmern sich um kranke Kinder, während ihre Eltern bei der Arbeit sind. Das Programm wurde auf einem Seminar diskutiert, das die Europäische Kommission am 16. Oktober in Brüssel für die Mitglieder der Expertengruppe für Demografie organisiert hat.

Die Expertengruppe, die im Juni 2007 von der Europäischen Kommission gebildet wurde, besteht aus Vertretern aller EU-Mitgliedstaaten und einigen unabhängigen Sachverständigen. Diese Gruppe hat die Aufgabe, die Kommission bezüglich der Beobachtung des demografischen Wandels zu beraten, und dient darüber hinaus als Plattform für den Austausch bewährter Methoden in einer Reihe von Bereichen, einschließlich Kinderbetreuung, Jugend, Kindeswohl und aktives Altern.

Dänische Familienpolitik: eine Fülle von Maßnahmen für berufstätige Eltern

Während des ersten Teils der Sitzung beschrieben Mai Heide Ottosen vom nationalen dänischen Zentrum für Sozialforschung und Anne Katrine Bertelsen vom dänischen Ministerium für Sozialfürsorge die wesentlichen Elemente des hoch entwickelten dänischen Kinderbetreuungssystems und der politischen Maßnahmen zur Verbesserung der Vereinbarkeit von Beruf und Freizeit. Diese beinhalten die allgemeine Bereitstellung von Kinderbetreuung, flexible Arbeitszeiten, Systeme für lang- und kurzfristigen Elternurlaub und großzügige Familienleistungen.

Der Erfolg dieser Maßnahmen spiegelt sich in hohen Beschäftigungsquoten für Mütter und Väter, einer relativ hohen Geburtenrate und großer Zufriedenheit mit dem Familienleben wider. „Was die Partizipation der Frauen am Arbeitsmarkt anbelangt, liegt Dänemark in Europa an erster Stelle, und knapp 80% aller Kinder unter sechs Jahren nehmen an formeller Kinderbetreuung teil", hielt Frau Ottosen fest. „Im Jahr 2009 haben die dänischen Kinder unter drei Jahren durchschnittlich 6,6 Stunden pro Tag in Tagesbetreuung verbracht“, fügte sie hinzu.

Das Programm „Großeltern in Reserve“: Senioren helfen aus

Dennoch stehen auch dänische Eltern im Hinblick auf die Betreuung ihrer Kinder noch immer vor gewissen Herausforderungen, betonten die Moderatoren. Beispielsweise müssten die Öffnungszeiten der Tagesbetreuungseinrichtungen besser auf die Arbeitszeiten der Eltern abgestimmt werden, und nur wenige Einwandererfamilien nehmen formelle Kinderbetreuung in Anspruch. Ein weiteres Problem ist, dass Eltern zwar das Recht haben, jedes Mal, wenn ihr Kind krank ist, einen bezahlten Tag frei zu nehmen, die Krankheit aber in der Regel länger dauert als einen Tag und Eltern häufig nur schwer eine Betreuungsperson finden, die sich um ihre Kinder kümmert, wenn sie wieder arbeiten müssen.

Um dieses Problem anzugehen, investierte das Ministerium für Sozialfürsorge 2008 650 000 EUR, um sieben lokale „Reserve Grandparent Schemes“ zu finanzieren. Diese Programme werden von Stadtverwaltungen und NRO geleitet, die pensionierte Senioren anwerben, um berufstätigen Eltern zu helfen, wenn ihre Kinder krank sind.

„Wir wollen das Potenzial der wachsenden Zahl älterer Menschen nutzen, um Familien zu helfen“, sagte Helle Kristine Petersen, Koordinatorin des „Reserve Grandparent Scheme“ in der Gemeinde Gladsaxe in der Nähe von Kopenhagen. „Aber es geht uns auch darum, den Senioren Gelegenheit zu bieten, einen gesellschaftlichen Beitrag zu leisten.“ Die „Ersatz-Großeltern“ werden anhand strenger Kriterien ausgewählt; unter anderem wird geprüft, ob sie Vorstrafen haben und wie es um ihre körperliche Verfassung bestellt ist. Ferner wurde die Zahl der Familien, denen ein „Großelternteil“ im Rahmen des Programms aushelfen kann, auf maximal fünf festgelegt.

„In Gladsaxe ist die Nachfrage nach Ersatz-Großeltern viel höher als das Angebot; wir stehen vor der Herausforderung, Großeltern anzuwerben“, erklärte Frau Petersen. „Die heutigen Rentner führen ein erfülltes und aktives Leben, und wir müssen ihre Präferenzen berücksichtigen, das heißt die Tage, an denen sie verfügbar sind, und die Art von Familien, denen sie aushelfen wollen“, fügte sie hinzu.

Zum Abschluss diskutierten die Teilnehmer über die Effektivität und den Nutzen derartiger Programme und erörterten, auf welche Weise ältere Menschen motiviert werden können, Kinder zu betreuen.

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