Navigationsleiste

Weitere Extras

  • Druckversion
  • Text verkleinern
  • Text vergrößern

Vereinigtes Königreich: Verbessern von Beschäftigungsmöglichkeiten zur Bekämpfung der Kinder- und Familienarmut

Die Regierung des Vereinigten Königreichs hat sich dem Ziel verpflichtet, Kinderarmut zu beenden, wie in dem Gesetz zur Kinderarmut aus dem Jahr 2010 gefordert. Im April 2011 veröffentlichte die Regierung ihre erste Strategie zur Erreichung dieses Ziels, die den Zeitraum bis 2014 abdeckt. Hierin wird festgesetzt, wie die Ursachen der Kinderarmut bekämpft werden; diese umfassen niedrigen Bildungsstand, Arbeitslosigkeit, Abhängigkeit von Sozialhilfe, Schulden und das Auseinanderbrechen von Familien.

Unterstützung der am meisten gefährdeten Familien

Indem sie gewährleistet, dass Arbeit die beste Option für diejenigen ist, die dazu in der Lage sind, will die Regierung eine gerechte Gesellschaft, die sich um die Schwächsten kümmert, schaffen und aufrechterhalten. Die Ablösung einer Reihe von Sozialleistungen durch das „Universal Credit“-System soll dafür sorgen, dass sich Arbeit rentiert, mit dem Ziel, Hunderttausende aus der Armut zu befreien.
Die Regierung initiiert das Arbeitsprogramm (Work Programme), das individuelle Hilfe zur Überwindung von Beschäftigungshindernissen bietet. Es bietet Familien finanzielle Unterstützung bei Kinderbetreuungskosten, während diese sich um Arbeit bemühen. Der Regierung schwebt vor, dass wenn mindestens ein Elternteil 35 Stunde pro Woche zum Mindestlohn arbeitet - oder 24 Stunden im Fall von Alleinerziehenden – dies für die Mehrheit der Kinder ein Weg aus der Armut ist.
Die Bereitstellung von Geldmitteln durch das Ministerium für Arbeit und Pensionen (Department for Work and Pensions, DWP) und den Europäischen Sozialfonds (European Social Fund, ESF) für den Zeitraum 2011-2013 umfasst Unterstützung für Familien mit mehrfachen Problemen, um ihnen bei der Bewältigung derselben zu helfen, wie beispielsweise Arbeitslosigkeit über mehrere Generationen hinweg und ein Mangel an Qualifikationen. Durch diese Bereitstellung trägt das DWP dazu bei, Familien in Richtung dauerhafte Beschäftigung und letztendlich in dauerhafte Beschäftigungsverhältnisse zu bringen.
2012 waren 59 % der Mütter von Kindern unter sechs Jahren berufstätig. Diese Zahl gleicht dem jeweiligen EU-Durchschnitt von 59.1 %. Im gleichen Jahr war Teilzeitarbeit sehr beliebt und höher als anderswo in der Union (43,3 % gegenüber 32,5 % für Frauen).
Im Vereinigten Königreich werden Familien durch die Working Tax Credits (eine Aufstockung in Form von Steuergutschriften für Beschäftigte mit niedrigem Einkommen) und Child Tax Credits (CTC – Kinder-Steuergutschriften) für Personen mit Kindern, unabhängig davon, ob sie arbeiten oder nicht, unterstützt. Seit April 2011 haben rund 6 Millionen Familien Steuergutschriften erhalten. Die Höhe der Unterstützung hängt von ihren Verhältnissen ab, aber 2010-2011 wurden durchschnittlich £4.525 (€5.650) pro Jahr zugewiesen. Um sicherzustellen, dass die Unterstützung gezielt und finanzierbar ist, schränkte die Regierung ab April 2011 die Anspruchsberechtigung für Haushalte mit einem Einkommen von über £40.000 (€50.000) ein, erhöhte dafür aber die Unterstützung für einkommensschwächere Familien, indem sie die Finanzierung des CTC weit über den Index anhob.
Um Familien zu unterstützen, richtete die Regierung die Sure Start Kinderbetreuungszentren ein. Sie bieten Eltern, werdenden Eltern und Betreuern eine Reihe von frühkindlichen Dienstleistungen an. Für Eltern stehen diese Dienste ab der Schwangerschaft bis zum Einschulungsalter ihres Kindes bereit. Sie umfassen: Familienunterstützung, Gesundheitsförderung, Beratung und Unterstützung für Eltern, Sozialdienste, Kinderbetreuung sowie Ausbildung und Beschäftigung. Es gibt in England über 3.000 Zentren, die Dienstleistungen für über 2,9 Millionen Kinder unter fünf Jahren und deren Familien bereitstellen. 1.800 davon befinden sich in den 30 % der am stärksten benachteiligen Gebiete.

Darüber hinaus können Familien mit niedrigem Einkommen, die gewisse Leistungen und Steuergutschriften erhalten, eine Sure Start Mutterschaftsbeihilfe in Höhe von £500 (ca. €625) für die wichtigsten Gegenstände für ein erstes Baby in Anspruch nehmen.
Das Kindergeld beläuft sich auf £20,30 (ca. €25) pro Woche für das älteste Kind (bis zum Alter von 16 bzw. 20 Jahren, wenn das Kind an entsprechenden Bildungs- und Ausbildungsmaßnahmen teilnimmt) und £13,40 (ca. €16,50) pro Woche für jedes zusätzliche Kind.

Hilfe und Unterstützung für getrennte Familien

Das Vereinigte Königreich ist im Begriff, das gegenwärtige Unterhaltssystem neu zu gestalten. Getrennte Eltern sollen durch diese Reformen bessere Unterstützung erhalten, und sie sollen ihnen helfen, innerhalb der Familie Arrangements zu treffen. Dies ermöglicht Eltern, untereinander die Höhe der Zahlungen nach einer Trennung zu vereinbaren, ohne das momentane gesetzliche System, das Kindesunterhaltsamt Child Support Agency (CSA), oder das Gericht einzuschalten. Für Eltern, die zu keiner Vereinbarung gelangen können, führt die Regierung ein verbessertes gesetzliches System ein (genannt Child Maintenance Service). Dies wird letztendlich die Programme der CSA ablösen.
Wenn Familien auseinanderbrechen, wird das neue System Unterstützung für Eltern bieten, die sich gerade trennen oder bereits getrennt sind, um die Interessen der Kinder zu wahren. Für Familien mit mehreren und komplexen Bedürfnissen werden £448 Millionen investiert, um erhebliche Änderungen in der Unterstützung, die sie bekommen, voranzutreiben. Auf diese Weise wird sichergestellt, dass sie die notwendige Unterstützung erhalten, um ihrem Leben eine Wendung zu geben.
Wenn ihr jüngstes Kind fünf Jahre alt ist, verlieren ab Mai 2012 die meisten Alleinerziehenden ihren Anspruch auf Einkommensbeihilfe, wenn sie dies nur aus dem Grund beantragen, dass sie Alleinerziehende sind – diese Maßnahmen sollen Alleinerziehende motivieren, Arbeit zu suchen. Wenn sie nicht wieder arbeiten, können alleinerziehende Eltern entweder Arbeitslosengeld beantragen, wenn sie arbeitsfähig sind, oder den Zuschuss für eingeschränkt Erwerbsfähige (Employment and Support Allowance), wenn sie nur eingeschränkt in der Lage sind, zu arbeiten oder an einer Krankheit leiden.

Nutzung des Elternurlaubs zu gleichen Teilen

Der Mutterschaftsurlaub ist im Vereinigten Königreich sehr großzügig bemessen; allen Arbeitnehmerinnen stehen 52 Wochen Mutterschaftsurlaub zu. Dieses volle Jahr Mutterschaftsurlaub steht allen Arbeitnehmerinnen zu, unabhängig davon, wie lange sie berufstätig waren oder wie viele Stunden sie arbeiten.
Während dieses Zeitraums haben Frauen entweder Anrecht auf das vom Arbeitgeber zu zahlende gesetzliche Mutterschaftsgehalt (Statutory Maternity Pay - SMP) oder auf Mutterschaftshilfe (Maternity Allowance - MA) vom Staat. Um das SMP zu erhalten, muss die Frau ohne Unterbrechung mindestens 26 Wochen bis zur 15. Woche (einschließlich) vor der Woche des errechneten Geburtstermins beschäftigt gewesen sein und ein durchschnittliches Einkommen von mindestens 102 £ (€113) pro Woche haben. Um für die MA in Betracht zu kommen, darf eine Frau keinen Anspruch auf SMP haben, muss mindestens 26 der 66 Wochen, die vor der Woche des errechneten Geburtstermins liegen, beschäftigt gewesen bzw. einer freiberuflichen Tätigkeit nachgegangen sein und über einen Zeitraum von 13 Wochen während dieser 66 Wochen durchschnittlich mindestens 30 £ (ca. €35) pro Woche verdient haben.
SMP und MA werden 39 Wochen lang gezahlt. Das SMP wird während der ersten 6 Wochen zu 90% des durchschnittlichen Einkommens gezahlt. In den folgenden 33 Wochen werden entweder 90% des Durchschnittseinkommens oder ein Pauschalbetrag von 135,45 £ (ca. €169) gezahlt, und zwar jeweils der niedrigere der beiden Beträge. Auch die MA wird für die gesamten 39 Wochen zu 90% des wöchentlichen Durchschnittseinkommens gezahlt, oder als Pauschalbetrag von 135,45 £ (ca. €169).
Anspruchsberechtigte Väter haben Anrecht auf zwei Wochen Vaterschaftsurlaub und erhalten in dieser Zeit das gesetzliche Vaterschaftsgehalt, das auf die gleiche Weise festgelegt wird, wie SMP/MA. Eltern haben außerdem bis zum fünften Geburtstag des Kindes Anrecht auf insgesamt 13 Wochen unbezahlten Elternurlaub. Jeder zusätzliche Elternurlaub muss zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer vereinbart werden.
Im April 2011 trat ein neues Recht auf zusätzlichen Vaterschaftsurlaub und Bezahlung für Eltern von Kindern in Kraft. Dieser zusätzliche Vaterschaftsurlaub erlaubt Vätern, bis zu sechs Monate zusätzlichen Urlaub zu nehmen, nachdem die Mutter ihre Arbeit wieder aufgenommen hat. Der Vaterschaftsurlaub wird bezahlt, wenn er vor Ablauf des 39-wöchigen, bezahlten Mutterschaftsurlaub genommen wird, wodurch der bezahlte Urlaub effektiv geteilt werden kann.

Angebot an Kinderbetreuungseinrichtungen liegt über dem EU-Durchschnitt

2011 waren 35 % der Kinder unter drei Jahren in formeller Kinderbetreuung; dies liegt über dem EU-Durchschnitt von 30 %. Der Anteil der Kinder zwischen drei Jahren und dem Schulpflichtalter in formeller Kinderbetreuung (93%) liegt über dem EU-Durchschnitt von 84 %. Diese Zahlen entsprechen den in Barcelona formulierten Zielsetzungen für das Angebot an formeller Kinderbetreuung. Alle drei- und vierjährigen Kinder haben Anspruch auf 15 Wochen kostenlose Früherziehung für 38 Wochen pro Jahr. Das Schulpflichtalter (fünf Jahre) ist eines der niedrigsten in Europa. Ab September 2012 müssen alle lokalen Behörden jährlich Bericht darüber erstatten, wie sie ausreichende Kinderbetreuung für die Anforderungen arbeitender Eltern gewährleisten.

Früherziehung für Zweijährige

Momentan haben alle drei- und vierjährigen Kinder Anspruch auf 15 Stunden kostenlose Früherziehung pro Woche. Die Regierung hat zugesichert, dass dies ab September 2013 auf ungefähr 20 % der bedürftigsten Zweijährigen ausgeweitet wird, und zwar auf ungefähr 150.000 Kinder.


Die Information im Länderprofil wurde zuletzt im November 2012 aktualisiert.