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Schweden: Erfolgreiche Vereinbarung von Beruf und Familienleben

Schwedische Eltern sind EU-weit mit am erfolgreichsten, was die Vereinbarung von beruflichen und familiären Pflichten anbelangt. Die Beschäftigungsquoten von Frauen und Müttern zählen zu den höchsten in der EU und die Kinderarmutsquote gehört zu den niedrigsten in der EU. Die Familienpolitik des Landes zielt darauf ab, das Modell der Doppelverdiener-Familie zu unterstützen und dafür zu sorgen, dass sowohl Männer als auch Frauen hinsichtlich Familie und Arbeit die gleichen Rechte und Pflichten haben. Großzügige Ausgaben für Familienleistungen, flexible Urlaubs- und Arbeitszeiten für Eltern mit Kleinkindern sowie erschwingliche, hochwertige Kinderbetreuung sind die wesentlichen Erfolgsfaktoren. Die finanzielle Förderung als Teil der schwedischen Familienpolitik soll dazu beitragen, die Bedingungen für einen guten Lebensstandard aller Familien mit Kindern zu verbessern und die Entscheidungsfreiheit und Bevollmächtigung der Eltern zu erhöhen. Zudem soll zwischen Frauen und Männern eine Gleichstellung im Hinblick auf das Thema Elternschaft bewirkt werden.

Der höchste Anteil an berufstätigen Müttern in der EU

Mit 73,1% war die Beschäftigungsquote der Frauen 2014 fast so hoch wie die der Männer (76,5 %), und lag weit über dem Lissabon-Ziel für weibliche Beschäftigung (60 %). Gemessen an den 79,2 % im Jahr 2014 ist die Beschäftigungsquote von Müttern mit Kindern unter sechs Jahren die dritthöchste in der EU. Gleichzeitig ist die Geburtenquote mit 1,89 Kindern pro Frau im Jahr 2013 im Vergleich zu anderen EU-Ländern relativ hoch.

Ein großer Anteil der Frauen nimmt flexible Arbeitsregelungen in Anspruch. Die Teilzeitbeschäftigungsquoten von Frauen und Männern liegen bei 38,3 % bzw. 15,1 % gegenüber dem EU-Durchschnitt von 32,8 % für Frauen und 9,9 % für Männer. Frauen arbeiten durchschnittlich fünf Stunden pro Woche weniger als Männer – ein kleinerer Unterschied als in den anderen Ländern der EU. Das geschlechtsspezifische Lohngefälle liegt in Schweden mit 15,2 % im Jahr 2013 unter dem EU-Durchschnitt von 16,3 %.

Großzügige und flexible Urlaubssysteme

Schweden hat ein hoch entwickeltes und flexibles Elternurlaubssystempdf, das beide Eltern ermutigt und in die Lage versetzt, Zeit mit ihren Kindern zu verbringen. Sowohl Mutter als auch Vater haben pro Kind ein Anrecht auf bis zu 8 Monate bezahlten Elternurlaub. Somit stehen pro Kind insgesamt 16 Monate bezahlter Elternurlaub zur Verfügung. Im Jahr 2016 werden für 13 dieser 16 Monate pro Jahr 80 % des aktuellsten Einkommens gezahlt, bis zu einer Obergrenze in Höhe von etwa 443.000 SEK (€51,100). Um die finanzielle Situation von Haushalten mit geringem Einkommen zu verbessern, wurde die Mindestvergütung für bezahlten Elternurlaub ab dem 1. Januar 2016 auf 250 SEK pro Tag erhöht. Die restlichen drei Monate werden in Form einer Pauschale in Höhe von 180 SEK (€21) pro Tag vergütet.

Für Familien mit Kindern, die am oder nach dem 1. Januar 2014 geboren wurden, ist es möglich, nach dem vierten Geburtstag dieser Kinder maximal 96 Tage zu beantragen. Diese Tage können gemäß den neuen Richtlinien bis zum 12. Lebensjahr des Kindes beantragt werden und nicht nur bis zum 8. Lebensjahr, wie bisher.

Jeder Elternteil hat einen persönlichen, nicht übertragbaren Anspruch auf drei Monate bezahlten Elternurlaub in Höhe des Anspruchs für Ausgleichszahlungen im Fall von Krankheit (von den insgesamt 16 Monaten). Die restlichen 10 Monate können nach Belieben zwischen den Eltern aufgeteilt werden. Die Zahl der nicht übertragbaren Monate wurde zum 1. Januar 2016 von zwei auf drei erhöht. Das Recht, vollständig der Arbeit fernzubleiben, beschränkt sich auf die ersten 18 Lebensmonate des Kindes. Danach müssen Eltern, die ihre Arbeitszeit reduzieren oder vollständig der Arbeit fernbleiben wollen, Gebrauch von ihren Elternurlaubstagen machen, um ein solches Recht auf Elternurlaub zu sichern. Eltern haben das Recht, ihre Arbeitszeit um bis zu 25 % zu reduzieren, ohne ihre Elternurlaubstage anzugreifen, bis das Kind acht Jahre alt ist oder sein erstes Schuljahr beendet hat.

Trotz der positiven Auswirkungen der väterlichen Teilnahme an der Kinderbetreuung führt die Flexibilität des Systems bezüglich der Frage, wer den Urlaub nimmt, dazu, dass der Großteil der Elternurlaubstage von Müttern in Anspruch genommen wird. Schwedische Väter nehmen immer noch erheblich mehr der gesamten Elternurlaubstage in Anspruch, als es in den meisten anderen EU-Mitgliedstaaten der Fall ist. Im Durchschnitt nehmen schwedische Väter 96 Elternurlaubstage für Kinder, die 2005 geboren wurden, während es bei den schwedischen Müttern im Durchschnitt 324 Tage sind. Nur 10 % der Väter, deren Kind 2005 geboren wurde, hatten bis zum 8. Geburtstag ihres Kindes, an dem der Anspruch auf Elternurlaub erlischt, keinen einzigen Tag Elternurlaub in Anspruch genommen, während es bei den Müttern 4 % waren.

Um die Kinderbetreuung ausgewogener zwischen Müttern und Vätern aufzuteilen, führte die schwedische Regierung als wirtschaftlichen Anreiz im Jahr 2008 einen 'Bonus für Geschlechtergleichstellung' ein. Dieser Bonus hängt mit der Inanspruchnahme des Elterngeldes zusammen und beläuft sich auf maximal 13.500 SEK (€1.570) pro Kind.

Die schwedische Regierung hat 2010 eine neue Bestimmung in ihr Sozialversicherungssystem aufgenommen, um Alleinerziehenden zu helfen, die aufgrund einer Erkrankung ihr Kind nicht betreuen können. Die Bestimmung erlaubt einer anderen versicherten Person (d. h. einer Person, die rechtmäßig in Schweden lebt und/oder arbeitet), die eine bezahlte Arbeit aufgibt, vorübergehend Elterngeld zu erhalten, um sich um das Kind zu kümmern.

Um die Entscheidungsfreiheit der Eltern noch zu erhöhen, können seit dem 1. Januar 2012 beide Eltern im ersten Jahr nach der Geburt des Kindes gleichzeitig für 30 Tage Elterngeld beziehen.

Hohe Ausgaben für Familienleistungen

Mit rund 3,2 % des BIP sind die Finanzleistungen für Kinder und Familien EU-weit mit die höchsten (der EU-Durchschnitt betrug im Jahr 2012 2,4 % des BIP). Zusammen mit dem hohen Niveau der Arbeitsmarktpartizipation gilt auch dies als wesentlicher Grund für die geringe Kinderarmut. Schweden hat eine der niedrigsten Kinderarmutsraten der EU (19,4 % im Jahr 2012) und gehörte zu den Staaten, die im Hinblick auf das Wohlergehen der Kinder im UNICEF-Bericht 2007pdf am höchsten eingestuft wurden.

Zusätzlich zum Elterngeld wurden verschiedene Finanzinstrumente eingeführt, um die finanzielle Belastung von Eltern, die Kinder aufziehen, zu verringern. Dazu gehören:

  1. Schwangerschaftsgeld, das werdenden Müttern, die aufgrund der körperlich anstrengenden Natur ihres Jobs nicht mehr arbeiten können, für maximal 50 Tage in einer Höhe von 80 % ihres letzten Einkommens gezahlt wird;
  2. vorübergehendes Elterngeld in Höhe von 80 % des Jahreseinkommens für ein Kind unter 12 Jahren, das erkrankt ist;
  3. Kindergeld in Höhe von 1.050 SEK (ca. €122 ) pro Monat und Kind, mit Zuschlägen für Großfamilien zwischen 150 SEK (ca. €17 ) für das zweite Kind und 1.250 SEK (ca. €145 ) für das fünfte Kind und jedes weitere Kind.

Am 1. März 2014 sind in Schweden neue Bestimmungen im Hinblick auf die Zahlungsbedingungen für Kindergeld in Kraft getreten. Bei Eltern, die das gemeinsame Sorgerecht für ein Kind tragen, erhält jeder Elternteil jeweils 50 % des Kindergeldes, sofern die Eltern nicht festgelegt haben, wer der alleinige Bezieher sein soll. Wächst das Kind abwechselnd bei beiden Elternteilen auf, erhält ebenfalls jeder Elternteil 50 % des Kindergeldes, wenn der Elternteil, der sich für die Teilung des Kindergeldes ausspricht, nachweisen kann, dass es möglich ist, dass das Kind abwechselnd bei beiden Elternteilen aufwächst. Heute wird der Großteil des Kindergeldes an die Mutter ausgezahlt, selbst wenn das Kind abwechselnd bei beiden Elternteilen aufwächst und z. B. jeweils 14 Tage bei einem der beiden Elternteile verbringt – ein Lebensumstand, der immer häufiger vorkommt, wenn sich Eltern trennen.  In Schweden wachsen immer mehr Kinder nach einer Trennung abwechselnd bei beiden Elternteilen auf. Die entsprechenden Zahlen belaufen sich auf mehr als 50 % in Bezug auf Kinder, deren Eltern sich kürzlich getrennt haben und auf insgesamt 35 % in Bezug auf alle Kinder, deren Eltern sich getrennt haben (im Anhang finden Sie den Bericht von Statistics Sweden mit einer Zusammenfassung auf Englisch).

Um das Familieneinkommen zu erhöhen, wurde das Wohngeld für Familien mit Kindern sowohl 2012 als auch 2014 erhöht. Insgesamt wurden 1,7 Milliarden SEK (ca. €185 Millionen) investiert. Wohngeld ist eine Leistung für einkommensschwache Familien, und die Höhe hängt vom Haushaltseinkommen ab. Der erhaltene Betrag hängt von Einkommen, Wohnkosten, der Größe der Wohnung sowie der Anzahl der Kinder im Haushalt ab. Das individuelle Einkommen beider Elternteile unterliegt hierbei einer Obergrenze, was in die Praxis umgesetzt bedeutet, dass hauptsächlich alleinerziehende Eltern Wohngeld erhalten. Da mehr Frauen als Männer alleinerziehend sind, bedeutet das also, dass auch mehr Frauen als Männer Wohngeld beziehen.

Erschwingliche und hochwertige allgemeine Kinderbetreuung

Allen Eltern ist öffentliche Kinderbetreuung garantiert, und zwar auf Ganztagsbasis: Die meisten Kinderbetreuungseinrichtungen sind von 6.30 bis 18.30 Uhr geöffnet. Die Vorschule ist für Kinder zwischen drei und sechs Jahren bis zu 15 Stunden pro Woche kostenlos. Die von den Eltern zu zahlenden Gebühren sind direkt proportional zum Einkommen der Eltern und umgekehrt proportional zur Zahl der Kinder in einer Familie. Die Gebühr kann bis zu 3 % des monatlichen Familieneinkommens betragen, aber nicht mehr als 1.260 SEK (ca. €146) pro Monat. Sie decken durchschnittlich nur 11 % der realen Kosten eines Vorschulplatzes ab, was bedeutet, dass die Kinderbetreuung stark subventioniert wird

Aus diesem Grund nehmen 55 % der Kinder unter drei Jahren und 96 % der Kinder zwischen drei und sechs Jahren an formeller Kinderbetreuung teil.  Diese Zahlen liegen deutlich über den in Barcelona formulierten Zielsetzungen  für Kinderbetreuungseinrichtungen und den EU-Durchschnitten von 27 % bzw. 82 %.

Neue Reform bezüglich des Unterhaltsgelds

Es wurde als notwendig angesehen, die Bedingungen für getrennte Eltern bezüglich zivilrechtlicher Vereinbarungen im Zusammenhang mit dem Unterhaltsgeld für Kinder zu optimieren. Ab dem 1. April 2016 wird die Regierung der Nationalen Sozialversicherungsbehörde ein erweitertes Mandat erteilen. Ziel ist es, Eltern zu informieren und ihnen dabei zu helfen, derartige Vereinbarungen zu treffen. Somit wird das vollständige Unterhaltsgeld – das Unterhaltsgeld, das der Staat zahlt, wenn zwischen den Eltern keine zivilrechtliche Vereinbarung besteht – nicht mehr bezahlt, wenn der betreffende Elternteil den gesetzlich vorgeschriebenen Anteil mindestens 6 Monate in Folge an die Nationale Sozialversicherungsbehörde gezahlt hat. In Ausnahmefällen werden jedoch weiterhin Unterhaltsleistungen gezahlt. Bei einer zivilrechtlichen Vereinbarung bezüglich des Unterhaltsgeldes für das Kind fällt dieses oftmals wesentlich höher aus. Dies gilt insbesondere für Kinder, die aus wirtschaftlich benachteiligten Haushalten stammen.

Eine neue Behörde für Familienrecht und Unterstützung von Eltern

Seit dem 1. September 2015 gibt es die neue Behörde für Familienrecht und Unterstützung von Eltern. Sie wurde eingerichtet, um die Verantwortlichkeiten im Zusammenhang mit wissensbasierten Arbeitsstrukturen bezüglich des Familienrechts im Hinblick auf Sozialeinrichtungen, Familienberatungen und Unterstützung von Eltern zusammenzuführen sowie Fragen bezüglich länderübergreifender Adoptionen zentral zu bearbeiten.

Ein neues Abkommen bezüglich der Themen Psychiatrie und psychische Gesundheit

Die Themen Psychiatrie und psychische Gesundheit im Zusammenhang mit Kindern werden von der Regierung seit vielen Jahren als zwei der wichtigsten Themen im Bereich des Gesundheitswesens angesehen. Ziel ist es, die psychische Gesundheit zu fördern, psychische Erkrankungen zu bekämpfen, dafür zu sorgen, dass Kinder mit einer psychischen Erkrankung frühzeitig betreut werden sowie die Unterstützung für Menschen, die stark auf Hilfe angewiesen sind, durch das Gesundheits- und Sozialwesen zu optimieren. Im Dezember 2015 hat die Regierung einem Abkommen zum Thema psychische Gesundheit im Umfang von 845 Millionen SEK (ca. €90,5 Millionen) zugestimmt. Das Abkommen besteht zwischen der Regierung und dem schwedischen Verband lokaler Behörden und Regionen (Swedish Association of Local Authorities and Regions, SALAR).

Die Information im Länderprofil wurde zuletzt im Januar 2016 aktualisiert.