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Schweden : Erfolgreiche Vereinbarung von Beruf und Familienleben

Schwedische Eltern sind EU-weit mit am erfolgreichsten, was die Vereinbarung von beruflichen und familiären Pflichten anbelangt. Die Beschäftigungsquoten von Frauen und Müttern zählen zu den höchsten in der EU und die Kinderarmutsquote gehört zu den niedrigsten in der EU. Die Familienpolitik des Landes zielt darauf ab, das Modell der Doppelverdiener-Familie zu unterstützen und dafür zu sorgen, dass sowohl Männer als auch Frauen hinsichtlich Familie und Arbeit die gleichen Rechte und Pflichten haben. Großzügige Ausgaben für Familienleistungen, flexible Urlaubs- und Arbeitszeiten für Eltern mit Kleinkindern sowie erschwingliche, hochwertige Kinderbetreuung sind die wesentlichen Erfolgsfaktoren. Die finanzielle Förderung als Teil der schwedischen Familienpolitik soll dazu beitragen, die Bedingungen für einen guten Lebensstandard aller Familien mit Kindern zu verbessern und die Entscheidungsfreiheit und Bevollmächtigung der Eltern zu erhöhen.

Der höchste Anteil an berufstätigen Müttern in der EU

Mit 71,8 % war die Beschäftigungsquote der Frauen 2012 fast so hoch wie die der Männer (75,6 %), und lag weit über dem Lissabon-Ziel  für weibliche Beschäftigung (60 %). Gemessen an den 76,8 % im Jahr 2012 ist die Beschäftigungsquote von Müttern mit Kindern unter sechs Jahren die drittthöchste in der EU. Gleichzeitig ist die Geburtenquote mit 1,9 Kindern pro Frau im Jahr 2012 im Vergleich zu anderen EU-Ländern relativ hoch.

Ein großer Anteil der Frauen nimmt flexible Arbeitsregelungen in Anspruch. Die Teilzeitbeschäftigungsquoten von Frauen und Männern liegen bei 39,6 % bzw. 14,6 % gegenüber dem EU-Durchschnitt von 32,5 % für Frauen und 9,4 % für Männer Frauen arbeiten durchschnittlich fünf Stunden pro Woche weniger als Männer – ein kleinerer Unterschied als in den anderen Ländern der EU. Das geschlechtsspezifische Lohngefälle liegt in Schweden mit 15,8 % unter dem EU-Durchschnitt von 16,2 %.

Großzügige und flexible Urlaubssysteme

Schweden hat ein hoch entwickeltes und flexibles Elternurlaubssystempdf, das beide Eltern ermutigt und in die Lage versetzt, Zeit mit ihren Kindern zu verbringen. Mutter und Vater haben zusammen Anrecht auf bis zu 16 Monate bezahlten Urlaub pro Kind. Für die ersten 13 Monate davon erhalten sie einen Ausgleich von 80 % des letzten Einkommens, bis zu einer Obergrenze von etwa 440.000 SEK (€51.100) pro Jahr (für 2011), und für die restlichen drei Monate wird ein Pauschalbetrag von 180 SEK (€21) pro Tag gezahlt.

Jeder Elternteil hat einen persönlichen, nicht übertragbaren Anspruch auf zwei Monate bezahlten Elternurlaub (von den insgesamt 16 Monaten). Die restlichen 12 Monate können nach Belieben zwischen den Eltern aufgeteilt werden. Das Recht, vollständig der Arbeit fernzubleiben, beschränkt sich auf die ersten 18 Lebensmonate des Kindes. Danach müssen Eltern, die ihre Arbeitszeit reduzieren oder vollständig der Arbeit fernbleiben wollen, Gebrauch von ihren Elternurlaubstagen machen, um ein solches Recht auf Elternurlaub zu sichern. Eltern haben das Recht, ihre Arbeitszeit um bis zu 25 % zu reduzieren, ohne ihre Elternurlaubstage anzugreifen, bis das Kind acht Jahre alt ist oder sein erstes Schuljahr beendet hat.

Trotz der positiven Auswirkungen der väterlichen Teilnahme an der Kinderbetreuung führt die Flexibilität des Systems bezüglich der Frage, wer den Urlaub nimmt, dazu, dass der Großteil der Elternurlaubstage von Müttern in Anspruch genommen wird. Schwedische Väter nehmen immer noch erheblich mehr der gesamten Elternurlaubstage in Anspruch, als es in den meisten anderen EU-Mitgliedstaaten der Fall ist. Im Durchschnitt nehmen schwedische Väter 96 Elternurlaubstage für Kinder, die 2005 geboren wurden, während es bei den schwedischen Müttern im Durchschnitt 324 Tage sind. Nur 10 % der Väter, deren Kind 2005 geboren wurde, hatten bis zum 8. Geburtstag ihres Kindes, an dem der Anspruch auf Elternurlaub erlischt, keinen einzigen Tag Elternurlaub in Anspruch genommen, während es bei den Müttern 4 % waren.

Um die Kinderbetreuung ausgewogener zwischen Müttern und Vätern aufzuteilen, führte die schwedische Regierung als wirtschaftlichen Anreiz im Jahr 2008 einen 'Bonus für Geschlechtergleichstellung' ein. Dieser Bonus hängt mit der Inanspruchnahme des Elterngeldes zusammen und beläuft sich auf maximal 13.500 SEK (€1.570 ) pro Kind.

Die schwedische Regierung hat 2010 eine neue Bestimmung in ihr Sozialversicherungssystem aufgenommen, um Alleinerziehenden zu helfen, die aufgrund einer Erkrankung ihr Kind nicht betreuen können. Die Bestimmung erlaubt einer anderen versicherten Person (d. h. einer Person, die rechtmäßig in Schweden lebt und/oder arbeitet), die eine bezahlte Arbeit aufgibt, vorübergehend Elterngeld zu erhalten, um sich um das Kind zu kümmern.

Um klarzustellen, dass das Elterngeld in erster Linie für die Betreuung eines Kindes vorgesehen ist, wenn es noch klein und der Betreuungsbedarf am höchsten ist, wurde 2014 eine Reform verabschiedet, nach der Eltern, deren Kind am oder nach dem 1. Januar 2014 geboren wurde, nach dem 4. Geburtstag ihres Kindes maximal 96 Tage Elternurlaub für dieses Kind in Anspruch nehmen dürfen. Dieser Anspruch kann solange geltend gemacht werden, bis das Kind 12 Jahre alt wird. Nach der alten Regelung war dies nur bis zum 8. Geburtstag des Kindes möglich.

Um die Entscheidungsfreiheit der Eltern noch zu erhöhen, können seit dem 1. Januar 2012 beide Eltern im ersten Jahr nach der Geburt des Kindes gleichzeitig für 30 Tage Elterngeld beziehen.  

Hohe Ausgaben für Familienleistungen

Mit rund 3,1 % des BIP sind die Finanzleistungen für Kinder und Familien EU-weit mit die höchsten (der EU-Durchschnitt beträgt 2,2 % des BIP). Zusammen mit dem hohen Niveau der Arbeitsmarktpartizipation gilt auch dies als wesentlicher Grund für die geringe Kinderarmut. Schweden hat eine der niedrigsten Kinderarmutsraten der EU (19,4 % im Jahr 2012) und gehörte zu den Staaten, die im Hinblick auf das Wohlergehen der Kinder im UNICEF-Bericht 2007  pdfam höchsten eingestuft wurden.

Zusätzlich zum Elterngeld wurden verschiedene Finanzinstrumente eingeführt, um die finanzielle Belastung von Eltern, die Kinder aufziehen, zu verringern. Dazu gehören:

  1. Schwangerschaftsgeld, das werdenden Müttern, die aufgrund der körperlich anstrengenden Natur ihres Jobs nicht mehr arbeiten können, für maximal 50 Tage in einer Höhe von 80 % ihres letzten Einkommens gezahlt wird;
  2. vorübergehendes Elterngeld in Höhe von 80 % des Jahreseinkommens für ein Kind unter 12 Jahren, das erkrankt ist;
  3. Kindergeld in Höhe von 1.050 SEK (ca. €122 ) pro Monat und Kind, mit Zuschlägen für Großfamilien zwischen 150 SEK (ca. €17 ) für das zweite Kind und 1.250 SEK (ca. €145 ) für das fünfte Kind und jedes weitere Kind.

Am 1. März 2014 sind in Schweden neue Bestimmungen im Hinblick auf die Zahlungsbedingungen für Kindergeld in Kraft getreten. Bei Eltern, die das gemeinsame Sorgerecht für ein Kind tragen, erhält jeder Elternteil jeweils 50 % des Kindergeldes, sofern die Eltern nicht festgelegt haben, wer der alleinige Bezieher sein soll. Wächst das Kind abwechselnd bei beiden Elternteilen auf, erhält ebenfalls jeder Elternteil 50 % des Kindergeldes, wenn der Elternteil, der sich für die Teilung des Kindergeldes ausspricht, nachweisen kann, dass es möglich ist, dass das Kind abwechselnd bei beiden Elternteilen aufwächst. Heute wird der Großteil des Kindergeldes an die Mutter ausgezahlt, selbst wenn das Kind abwechselnd bei beiden Elternteilen aufwächst und z. B. jeweils 14 Tage bei einem der beiden Elternteile verbringt – ein Lebensumstand, der immer häufiger vorkommt, wenn sich Eltern trennen und der aktuell etwa 35 % aller Kinder betrifft, deren Eltern getrennt leben.

Um das Familieneinkommen zu erhöhen, wurde das Wohngeld für Familien mit Kindern sowohl 2012 als auch 2014 erhöht. Insgesamt wurden 1,7 Milliarden SEK (ca. €185 Millionen) investiert. Wohngeld ist eine Leistung für einkommensschwache Familien, und die Höhe hängt vom Haushaltseinkommen ab. Der erhaltene Betrag hängt von Einkommen, Wohnkosten, der Größe der Wohnung sowie der Anzahl der Kinder im Haushalt ab. Das individuelle Einkommen beider Elternteile unterliegt hierbei einer Obergrenze, was in die Praxis umgesetzt bedeutet, dass hauptsächlich alleinerziehende Eltern Wohngeld erhalten. Da mehr Frauen als Männer alleinerziehend sind, bedeutet das also, dass auch mehr Frauen als Männer Wohngeld beziehen.

Seit dem 1. Juli 2014 sieht das schwedische Sozialdienstgesetz einen sogenannten Freizeitgutschein vor. Dieser Gutschein richtet sich an Haushalte, die auf Sozialhilfe angewiesen sind und in denen Kinder leben, die die 4. bis 9. Klasse der Grundschule besuchen. Er soll die Kosten für regelmäßige, beaufsichtigte Freizeitaktivitäten decken. Der Höchstbetrag des Gutscheins beträgt 3.000 SEK (ca. €348 ) pro Jahr und wird durch die Gemeinde gewährt.

Erschwingliche und hochwertige allgemeine Kinderbetreuung

Allen Eltern ist öffentliche Kinderbetreuung garantiert, und zwar auf Ganztagsbasis: Die meisten Kinderbetreuungseinrichtungen sind von 6.30 bis 18.30 Uhr geöffnet. Die Vorschule ist für Kinder zwischen drei und sechs Jahren bis zu 15 Stunden pro Woche kostenlos. Die von den Eltern zu zahlenden Gebühren sind direkt proportional zum Einkommen der Eltern und umgekehrt proportional zur Zahl der Kinder in einer Familie. Die Gebühr kann bis zu 3 % des monatlichen Familieneinkommens betragen, aber nicht mehr als 1.260 SEK (ca. €146) pro Monat. Sie decken durchschnittlich nur 11 % der realen Kosten eines Vorschulplatzes ab, was bedeutet, dass die Kinderbetreuung stark subventioniert wird

Aus diesem Grund nehmen 51 % der Kinder unter drei Jahren und 95 % der Kinder zwischen drei und sechs Jahren an formeller Kinderbetreuung teil.  Diese Zahlen liegen deutlich über den in Barcelona formulierten Zielsetzungen  für Kinderbetreuungseinrichtungen und den EU-Durchschnitten von 30 % bzw. 83 %.

2008 führte die schwedische Regierung ein Kindererziehungsgeld ein, um einen reibungsloseren Übergang zwischen Elternurlaub und Arbeit zu ermöglichen. Kindererziehungsgeld kann für Kinder beantragt werden, die älter als ein Jahr, aber jünger als drei Jahre sind. Diese Beihilfe wird von den örtlichen Behörden verwaltet, und kann mit bezahlter Beschäftigung kombiniert werden, jedoch nicht mit anderen Sozialversicherungsleistungen in Zusammenhang mit Arbeitslosigkeit, Krankheit, Elternschaft oder Rentenbezug. Sie beläuft sich auf 3.000 SEK (ca. €348) pro Monat und wird den Eltern im Anschluss an die Elternurlaubszeit gezahlt, wenn das Kind nicht für öffentliche Kinderbetreuung angemeldet ist.

Darüber hinaus zielte die Reform der Familienpolitik aus dem Jahr 2008 darauf ab, die erzieherische Qualität der Kinderbetreuung zu verbessern. In diesem Rahmen wurde ein Gutscheinsystem für Kinderbetreuung eingeführt, um Eltern mehr Entscheidungsfreiheit bezüglich der unterschiedlichen Arten von Kinderbetreuung zu geben.


Nationale Strategie für entwickelte Unterstützung von Eltern

2009 wurde eine nationale Strategie zur Entwicklung der Unterstützung von Eltern verabschiedet. Das Ziel der Strategie insgesamt ist, dass alle Eltern - während ihr Kind heranwächst und zwischen 0-17 Jahre alt ist – Unterstützung bekommen. Die Strategie zur Elternunterstützung zielt auf die Verbesserung der Gesundheit und die positive Entwicklung der Kinder durch die Eltern ab, sowie darauf, sie so weit wie möglich vor Krankheiten und sozialen Problemen zu schützen.

Die Strategie betont, wie wichtig es ist, dass die Werte der Programme sowohl auf der UN-Konvention über die Rechte des Kindes als auch auf Grundsätzen der Gleichberechtigung der Geschlechter beruhen. Um das Ziel der Strategie zu verwirklichen, hat die Regierung das schwedische Institut für öffentliche Gesundheit (FHI) beauftragt, insgesamt 130 Millionen SEK (ca. €15 Millionen) in Impulsfonds an lokale Behörden und Forschungsinstitute zu vergeben, um lokale und regionale Programme zur Unterstützung von Eltern anzuregen, und um neue Erkenntnisse in diesem Bereich zu erlangen. 19 lokale Behörden haben Impulsfonds erhalten, und 50 weitere haben direkt durch die Zusammenarbeit mit lokalen Behörden profitiert. Im April 2012 stellte die Regierung weitere 2 Millionen SEK (ca. €232.000 ) zur Verfügung, um Erkenntnisse aus unterschiedlichen Elternunterstützungsprojekten im ganzen Land zu verbreiten.

Die Information im Länderprofil wurde zuletzt im September 2014 aktualisiert.

Eine Kommission zur finanziellen Zusammenarbeit zwischen getrennten Eltern

2009 rief die Regierung die Kommission zur finanziellen Zusammenarbeit zwischen getrennt lebenden Eltern ins Leben. Sie sollte feststellen, welche Initiativen und Änderungen an bestehenden Finanzplänen erforderlich sind, um die Zusammenarbeit zwischen getrennten Eltern zu verbessern.

Die Zahl der Kinder, die nach einer Trennung zwischen den Wohnungen beider Elternteile hin- und herpendeln, steigt in Schweden an, und betrifft 50 % der Kinder, deren Eltern sich vor kurzem haben scheiden lassen, und insgesamt 35 % aller Kinder, deren Eltern getrennt sind (siehe dazu den beigefügten Bericht von Statistics Sweden mit einer Zusammenfassung in englischer Sprache). Die Kommission stellt dies in dem Bericht heraus, und zieht den Schluss, dass diese wechselnden Muster Änderungen der Ansprüche auf Familienleistungen erforderlich machen.
Die Kommission schlug mehrere Änderungen bestehender Leistungen vor, sowie Regelungen, um die Zusammenarbeit zu verbessern. Dazu gehörten u. a. die bereits erwähnten neuen Zahlungsregelungen für das Kindergeld, aber auch Änderungen des Anspruchs auf Elterngeld, Unterhaltsgeld, Wohngeld und Pflegegeld für kranke und behinderte Kinder.