Navigationsleiste

Weitere Extras

  • Druckversion
  • Text verkleinern
  • Text vergrößern

Slowenien: Dynamische Familienpolitik zur verbesserten Vereinbarung von Beruf und Familie

Die Auswirkungen der Wirtschaftskrise spiegeln sich mittlerweile in Statistiken zu Familien mit Kindern wider. Dennoch weist Slowenien immer noch die höchste Beschäftigungsrate bei Müttern mit kleinen Kindern und das niedrigste Lohngefälle zwischen Männern und Frauen in der EU auf. Weiterhin sind weniger Kinder armutsgefährdet als in anderen europäischen Ländern.

Die Grundlage regierungspolitischer Maßnahmen im familiären Bereich stellt ein Dokument mit dem Titel „Resolution über die Prinzipien der Gestaltung der Familienpolitik in Slowenien“ dar, das Strategien für die Entwicklung familienpolitischer Maßnahmen aufzeigt.

Zugang zu angemessenen Ressourcen

Dank Unterstützung durch die Regierung liegt die Beschäftigungsrate für Frauen relativ hoch (60,5 % ggü. 58,5 % in der gesamten EU im Jahr 2012) und entspricht dem Lissabon-Ziel der EU in Bezug auf Frauenerwerbstätigkeit. Die Beschäftigungsraten von Frauen sind trotz der Auswirkungen der Wirtschaftskrise, die sowohl bei Frauen als auch in der Gesellschaft allgemein höhere Arbeitslosigkeitsquoten mit sich geführt hat, nach wie vor hoch. Es muss allerdings beachtet werden, dass die Beschäftigungsraten für Frauen immer noch geringer sind als die von Männern (67,4 % im Jahr 2012). 

Nur wenige Frauen gingen im Jahr 2012 einer Teilzeitbeschäftigung nach (etwas über 13,1 % im Vergleich zum EU-Durchschnitt von 32,5 %). Das Lohngefälle zwischen Männern und Frauen war 2012 mit 2,5 % das niedrigste in der EU (der EU-Durchschnitt lag 2011 bei 16,2 %).

Die Beschäftigungsrate von Müttern mit Kindern unter sechs Jahren war 2012 mit 75,5% die höchste in der EU (der EU-Durchschnitt lag bei 59,2 %). Dies zeigt, dass sich slowenische Mütter nicht vom Arbeitsmarkt zurückziehen. Durch das neue Gesetz über Elternschutz und Familienzuschüsse (New Parental Protection and Family Benefit Act), das am 29.4.2014 in Kraft trat, wurde für Mütter mit zwei Kindern im Alter von 6 Jahren das Recht erweitert, einer Teilzeitbeschäftigung nachzugehen, bis diese die erste Klasse der Grundschule absolviert haben.

Dieses Gesetz hatte einige Veränderungen zur Folge, die sich auch auf die Elternzeit auswirken, welche ein wichtiges Mittel zur Förderung der Wiedereingliederung von Eltern in den Arbeitsmarkt darstellt. Der Anspruch von 105 Arbeitstagen Mutterschaftsurlaub entspricht in etwa dem europäischen Durchschnitt und bleibt gegenüber dem Vorjahr unverändert. Jedes Elternteil hat Anspruch auf 130 Tage Elternzeit. Mütter haben die Möglichkeit 100 dieser Tage auf die Väter abzutreten. 30 Tage sind jedoch nicht übertragbar und ausschließlich den Müttern vorbehalten (allerdings können Väter die gesamten 130 Tage Elternzeit, die ihnen zustehen, auf die Mütter übertragen). Vor Aktualisierung der Gesetzgebung konnten Väter 90 Kalendertage Vaterschaftsurlaub in Anspruch nehmen, von denen ihnen allerdings nur 15 Tage bezahlt wurden. Daten lassen erkennen, dass die Mehrheit der Väter nicht die gesamten 90 Tage, sondern nur bis zu 15 Tage Elternzeit in Anspruch nimmt. Untersuchungen belegen, dass dies in der Tatsache begründet ist, dass ihr Gehalt nicht über den gesamten Zeitraum (voll) kompensiert wird. Auf Grundlage dieser Ergebnisse erlaubt die Gesetzgebung Vätern und Müttern 15 Tage gemeinsame Elternzeit direkt nach der Geburt sowie zusätzliche 15 (bezahlte) Tage nach Ablauf des Elternurlaubs (ein Jahr nach der Geburt). Daraus ergibt sich, dass die Gesamtdauer der Freistellungen vom Arbeitsplatz, denen die Geburt eines Kindes zugrunde liegt, von 12 Monate auf 12,5 Monate ausgedehnt wurde. Für die Umsetzung dieser Regelung sieht der Gesetzgeber eine zeitliche Verzögerung vor.

Nicht nur der Beruf ermöglicht einen angemessenen Lebensstandard – auch verschiedene Leistungen spielen eine zentrale Rolle. Die Ausgaben für soziale Leistungen im Bereich der Familienpolitik entsprechen mit 2,2 % des Bruttoinlandsprodukts im Jahr 2011 in etwa dem EU-Durchschnitt (2,2 %). Die Zahlen haben sich im Vergleich zu den vergangenen Jahren leicht erhöht: 2009 betrugen die Ausgaben 2,1 % des Bruttoinlandsprodukts, obwohl das Bruttoinlandsprodukt im Vergleich zu 2011 (17.600 Euro) geringer war als 2012 (17.200 Euro).
Das monatliche Kindergeld, das Familien in Anspruch nehmen können, die weniger verdienen als der slowenische Durchschnitt, der Zuschuss für Großfamilien und der Familienzuschlag zählen zu den wichtigsten Zuschüssen für Familien mit Kindern.

Zugang zu erschwinglichen, qualitativ hochwertigen Dienstleistungsangeboten

Die Anzahl der Kinder beider Altersgruppen, die ganztägig offizielle Kinderbetreuungsangebote in Anspruch nehmen, liegt deutlich über dem EU-Durchschnitt und entspricht den Barcelona-Zielen für Betreuungsangebote für Kinder unter drei Jahren (SI: Kinder unter drei Jahren: 37 % und EU-Durchschnitt 30 %; SI: Kinder zwischen drei Jahren und dem Mindestschulpflichtalter: 92 % und EU-Durchschnitt: 83 %). Nur 3 % der Kinder unter drei Jahren und 11 % der Kinder über drei Jahren besuchen offizielle Kinderbetreuungsstätten im Umfang von weniger als 30 Stunden.
Es wurden neue Maßnahmen eingeleitet, um die Kinderbetreuungskosten zu senken. Zudem wurden Programme auf nationaler Ebene initiiert, um die Aufgaben sowie die Bezahlung der Mitarbeiter zu kontrollieren. Für Tagesmütter werden allerdings immer noch keine öffentlichen Mittel bereitgestellt und unterliegen auch immer noch keiner staatlichen Kontrolle, obwohl 2006 ein System zur freiwilligen Registrierung eingeführt wurde.

Partizipationsrechte von Kindern

Die Ergebnisse für das Wohlergehen von Kindern fallen positiv aus: Nur wenige Kinder (0 – 18 Jahre) sind armutsgefährdet (16,4 % im Jahr 2012 im Vergleich zum EU-28-Durchschnitt von 28,1 % im Jahr 2012. Bei Kindern im Alter von 12 – 17 Jahren lag die Armutsrisikoquote 2012 bei 18,4 %). Allerdings muss angemerkt werden, dass sich die Situation nicht ganz so positiv darstellt, wie es zunächst scheint. Die Auswirkungen der Krise haben Konsequenzen für Kinder, da 2011 die Armutsrisikorate im Vergleich zum Vorjahr um 2,1 % stieg. Seit 2005 wurde kein derart hoher Anstieg mehr verzeichnet. Damals wurde das Ausmaß der Kinderarmut anhand derselben Methode bemessen.

Schlussfolgerung

Slowenien verfügt über eine relativ gut entwickelte Familienpolitik, die darauf abzielt, die Vereinbarung beruflicher und familiärer Verpflichtungen zu ermöglichen, beiden Geschlechtern die gleichen Möglichkeiten zu bieten und eine horizontale Einkommensumverteilung zugunsten von Familien mit Kindern zu erwirken. 

Die größte Herausforderung wird für Slowenien zukünftig darin bestehen, den Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf die Vereinbarung von Arbeit und Familie so effektiv wie möglich entgegenzuwirken. 

Die Information im Länderprofil wurde zuletzt im Januar 2015 aktualisiert

Zertifikat für familienfreundliche Unternehmen

Das Forschungsinteresse gilt insbesondere den Geschlechterrollen (die Inanspruchnahme der Elternzeit sowie des Vaterschaftsurlaubs durch den Vater), der Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie der Chancengleichheit auf dem Arbeitsmarkt. Die slowenische Regierung hat 2007 ein Zertifizierungsprogramm eingeführt, das Arbeitnehmer dazu ermutigen soll, familienfreundliche Maßnahmen am Arbeitsplatz einzuführen und die Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben zu verbessern.

Das Zertifikat „Familienfreundliches Unternehmen“ wird an Unternehmen verliehen, die mindestens drei Maßnahmen aus einem Katalog von familienfreundlichen Maßnahmen einführen, darunter flexible Arbeitszeiten, Kinderbetreuungsdienste im Unternehmen, geteilte Arbeitsplätze, Adoptionsurlaub, Teilzeitarbeit und Unterstützung für die Betreuung eines Familienmitglieds mit Behinderung.