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Slowakei: Die Unterstützung von Eltern und älteren Menschen bei der Wiedereingliederung auf dem Arbeitsmarkt steht im Mittelpunkt

In den letzten Jahren hat die Slowakei unterschiedliche familienpolitische Maßnahmen verfolgt, um die Lebensbedingungen von Familien mit Kindern zu verbessern und sie dabei zu unterstützen, Beruf und Familie miteinander zu vereinbaren. Die Steigerung der Beschäftigungsquote von Eltern mit kleinen Kindern, und Hilfe bei im Zusammenhang mit Kindern stehenden Kosten werden von der Regierung als die wichtigsten Ziele der aktuellen Familienpolitik in der Slowakei erachtet. Die Steigerung der niedrigen Geburtenrate (die Gesamtgeburtenrate betrug im Jahr 2012 1,3) hat in der Familienpolitik keine ausdrückliche Priorität: es wird als komplexes Problem erachtet, das Interventionen in mehreren Bereichen der Politik erfordert.

Unterstützung von Eltern bei der Vereinbarung von Arbeits- und Familienleben

Mehrere Reformen in den Bereichen Sozial- und Familienpolitik während der letzten zehn Jahre haben sich mit dem Problem der niedrigen Beteiligung auf dem Arbeitsmarkt im Land befasst. Die Bemühungen zielten auf verschiedene Gruppen ab, unter anderem Eltern von Kleinkindern. Mütter haben ein Anrecht auf 34 Wochen Mutterschaftsurlaub (37 Wochen für alleinerziehende Mütter, und 43 Wochen bei Mehrlingsgeburten), von denen sechs bis acht Wochen vor dem errechneten Geburtstermin genommen werden müssen. Während des Mutterschaftsurlaubs wird Mutterschaftsgeld in Höhe von 65 % der Berechnungsgrundlage gezahlt (der Tagesverdienst wird berechnet auf der Grundlage des Vorjahres, bei einem monatlichen Höchstbetrag von eineinhalbmal dem nationalen monatlichen Durchschnittslohn). Elternurlaub kann sowohl von der Mutter als auch vom Vater genommen werden, bis das Kind drei Jahre alt ist. Der Elternurlaub kann bei Kindern mit langfristigen Gesundheitsproblemen solange ausgedehnt werden, bis das Kind sechs Jahre als ist. 

Im Januar 2011 trat eine neue Form der Elternleistung in Kraft (die während des Elternurlaubs gezahlt wurde); diese ermöglicht es Eltern, die die Elternleistung beziehen, ohne Einbußen der Leistung zu arbeiten. In diesem Fall müssen Eltern für regelmäßige Betreuung ihres Kindes sorgen (durch Verwandte, andere Personen oder in formellen Betreuungseinrichtungen). Der Betrag der Elternleistung bleibt gleich (€194,7 pro Monat) für alle anspruchsberechtigten Eltern, unabhängig von den geleisteten Stunden oder der Höhe des Einkommens.

Eltern haben obendrein die Wahl zwischen Elternleistung und Leistungen für Kinderversorgung. Arbeitende oder studierende Eltern mit Kindern unter drei Jahren (oder sechs Jahren im Fall von Kindern mit langfristigen gesundheitlichen Problemen) erhalten Leistungen für Kinderversorgung, die einen Teil der im Zuge der Kinderbetreuung entstehenden Kosten abdecken sollen. Bis zu einem Maximalbetrag von €230 pro Monat pro Kind werden nachgewiesene Kosten für Kinderbetreuung erstattet, wenn die Kinderbetreuung von einem anerkannten Institut oder einer registrierten Tagesmutter erbracht wird. Wird die Kinderbetreuung von Verwandten oder einer anderen, nicht eingetragenen Person übernommen, beläuft sich die Leistung für Kinderbetreuung auf €41,10 pro Monat und Kind (es ist kein Beleg der Kosten für die Kinderbetreuung erforderlich). Die Wahl der Leistung für Kinderbetreuung wird besonders hilfreich sein für Eltern mit mehreren Kindern unter drei Jahren, wenn die Kosten für die Kinderbetreuung die Elternleistung übersteigen.  

Die Kluft zwischen den Geschlechtern stellt immer noch eine große Herausforderung dar

Die Beschäftigungsquote bei Frauen ist generell niedriger als bei Männern. In der Slowakei ist die Beschäftigungsquote bei Frauen niedriger als in den meisten EU-Ländern (52,7 % im Jahr 2012 verglichen mit dem EU-Durchschnitt von 58,5 %); 2012 lag die Teilzeitbeschäftigung bei Frauen mit 5,7 % deutlich unter dem EU-Durchschnitt von 32,5 % (dies zeigt, dass Teilzeitstellen in der Slowakei generell selten verfügbar sind). In der Altersgruppe der 25-39 jährigen treten größere Diskrepanzen zwischen den Beschäftigungsraten von Männern und Frauen auf – dies ist das Alter in dem meist eine Familie gegründet wird. Die Slowakei ist eines der EU-Länder mit der niedrigsten Beschäftigungsquote bei Müttern, und liegt unter dem EU-Durchschnitt. Während die Beschäftigungsquote von Vätern, deren jüngstes Kind unter sechs Jahre alt ist (83,1 % im Jahr 2012) sehr nahe am EU-Durchschnitt von 86 % liegt, ist die Zahl für Mütter mit 36,1 % eine der niedrigsten in der EU (EU-Durchschnitt: 59,1 %). Dies spiegelt teilweise die Tatsache wider, dass Elternurlaub größtenteils von Frauen genutzt wird (1-2 % der Männer gehen in Elternurlaub).

Verstärkter Bedarf an verfügbaren Betreuungseinrichtungen für Vorschulkinder

2011 lag die Slowakei im Hinblick auf das Betreuungsangebot für Kinder zwischen drei Jahren und dem Pflichtschulalter unter dem EU-Durchschnitt (nur 75 % der Kinder in dieser Altersgruppe waren in Kinderbetreuungseinrichtungen angemeldet, verglichen mit 83 % für die EU insgesamt). In Bezug auf die Inanspruchnahme von formeller Kinderbetreuung von Kindern unter drei Jahren (4 % verglichen mit dem EU-Durchschnitt von 30 %) zählt das Land ebenfalls zu den Schlusslichtern der EU. Hierfür gibt es zwei mögliche Gründe. Zunächst kann es aus der Gestaltung des Elternurlaubs resultieren, der verfügbar ist, bis das Kind drei Jahre alt ist. Weiterhin kann es mit einem Mangel an Plätzen in formellen Bildungseinrichtungen zusammenhängen, vor allem für sehr kleine Kinder. 

Die Slowakei hat ein recht gut entwickeltes Netzwerk an Betreuungseinrichtungen für Vorschulkinder, das jedoch in Bezug auf größere Kinder weitgehend unausgewogen ist. Kindergärten sind die häufigste Form der Kinderbetreuungseinrichtung, und werden nicht nur von staatlichen Stellen sondern auch Kirchen und dem privatwirtschaftlichen Sektor betrieben. Sie bieten Betreuung für Kinder von zwei bis sechs Jahren (oder ein Jahr bevor die Schulpflicht beginnt), aber die größte Zahl der Kinder, die dieses Angebot nutzen, sind zwischen 4 und 5 Jahren alt. 2008 wurden Kindergärten von der Kategorie „schulische Einrichtungen“ in die Kategorie „Schulen“ transferiert, und mussten Vorschulbildung anbieten (genannt ISCED 0). Daher sind sie nun ein offizieller Teil des Bildungssystems, mit allen Auswirkungen die dies in Bezug auf Qualität der Betreuung und Erziehung hat. 2010 konnte ungefähr 6.000 Anträgen auf Kindergartenplätze (Herich, J. (2011), Institut für Information und Bildungsprognosen)  nicht stattgegeben werden: das heißt, dass auf 100 Kinder mit einem Kindergartenplatz 4 Kinder ohne Kindergartenplatz kamen.

Krippen für Kleinkinder, die jünger als zwei Jahre sind, werden meist von den örtlichen Behörden oder dem privaten Sektor geleitet. Ihre monatlichen Kosten sind häufig zu hoch für einkommensschwache Familien, vor allem Familien mit weiteren Benachteiligungen, wie beispielsweise alleinerziehende Eltern. 

Initiativen, um das Kinderbetreuungsangebot zugänglicher zu gestalten

Die Beziehung zwischen Kindergärten und Grundschulen wird noch weiter gefestigt, indem ein Jahr vor Schulbeginn kostenlose Plätze für Kinder angeboten werden. Plätze für von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedrohte Kinder (das heißt von Familien, die Mindestlohnzuschüsse erhalten) sind kostenlos, unabhängig vom Alter. Zusätzlich dazu haben diese Kinder Anspruch auf subventionierte Mahlzeiten.

Schwerpunkt auf finanziellen Leistungen

Die Familienpolitik in der Slowakei legt den Schwerpunkt traditionell auf finanzielle Leistungen. Es gibt aktuell viele verschiedene Arten von Leistungen für verschiedene Gruppen. Der Anteil der Leistungen für die Kategorie „Familie/Kinder“ machte 2011 1,8 % des gesamten BIP aus. Die Armutsgefährdungsquote liegt in der Slowakei generell nahe beim EU-Durchschnitt (26,6 % im Jahr 2012, verglichen mit 28,1 % in der gesamten EU). 

Förderung familienfreundlicher Arbeitsplätze im Zusammenhang mit Chancengleichheit

Im Jahr 2000 führte die Regierung zum Anlass des von den Vereinten Nationen ausgerufenen Internationalen Tags der Familie die Auszeichnung „Familienfreundliches Unternehmen“ ein, um Arbeitgeber zu würdigen, die Arbeitsbedingungen schaffen, bei denen die Familienpflichten ihrer Angestellten berücksichtigt werden, und die sich bemühen, die Vereinbarung von Berufs- und Familienleben zu unterstützen. 2008 wurde dies ausgeweitet und umfasste nun eine Bewertung der Maßnahmen in Bezug auf Chancengleichheit und Gleichberechtigung der Geschlechter. Basierend auf einem komplexeren Ansatz wurde der Name der Auszeichnung geändert in „Der Arbeitgeber mit der besten Firmenpolitik hinsichtlich Familie, Gleichberechtigung der Geschlechter und Chancengleichheit“. Es wurden zehn Kriterien festgelegt, unter anderem Arbeitszeitflexibilität, Leistungen für Familien, persönliche Entwicklung von Mitarbeitern, Inhalt der Arbeit, Arbeitsbedingungen, Bewertung der Mitarbeiter, firmenspezifische Maßnahmen. Unternehmen werden von einem Ausschuss bewertet, der sich aus Vertretern des Ministeriums für Arbeit, Soziales und Familie, von Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbänden, wissenschaftlichen und Forschungsinstituten sowie Nichtregierungsorganisationen zusammensetzt. Im Schnitt erfüllen 50 Unternehmen alle Kriterien; diese kommen meist aus den Bereichen Industrie, Gesundheit, IT, Kommunikation und Energie. Die Auszeichnung erhält weiterhin institutionelle Unterstützung.

Initiativen für aktives Altern

Das Konzept des aktiven Alterns erregt immer mehr die Aufmerksamkeit von Nichtregierungsorganisationen und akademischen Einrichtungen, aber auch von öffentlichen Stellen. 2010 rief die Abteilung für Bildung des Ministeriums für Arbeit, Soziales und Familie das landesweite Projekt „Strategie des aktiven Alterns für die Slowakische Republik“ ins Leben, das vom Europäischen Sozialfonds (ESF) unterstützt wurde. Das Ziel des Projekts ist die Vorbereitung einer Strategie zur Verbesserung der Beschäftigungsfähigkeit älterer Menschen. Die Einbeziehung des Themas des Alterns in vom ESF finanzierte Projekte zeigt wie wichtig es für politische Entscheidungsträger ist, die Beschäftigungsquote in der Slowakei nach oben zu treiben.

Die Information im Länderprofil wurde zuletzt im Februar 2014 aktualisiert.