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Die Niederlande setzen sich für die Themen soziale Inklusion und Partizipation ein. Niemand sollte ins Abseits geraten. Kindern muss besondere Aufmerksamkeit zuteil werden.

Die Niederlande begrüßen die Empfehlung „In Kinder investieren – den Benachteiligungskreislauf durchbrechen“. Mit dem Koalitionsvertrag aus dem Jahr 2012 beschloss die Regierung, die politischen Maßnahmen hinsichtlich Armut zu intensivieren und Kinder dabei in besonderem Maße zu berücksichtigen. Zahlenmäßig stehen die Niederlande im internationalen und europäischen Vergleich recht gut dar. Laut UNICEF sind niederländische Kinder die zufriedensten weltweit. Nichtsdestotrotz stellt das Thema „In Kinder investieren“ nach wie vor eine Priorität für die niederländische Regierung dar. In Zusammenarbeit mit Kommunalbehörden und relevanten privaten Organisationen sowie Nichtregierungsorganisation investiert die Regierung weiterhin in Kinder.

Zugang zu angemessenen Ressourcen

Die Erwerbsbeteiligung von Eltern spielt eine zentrale Rolle bei der sozialen Inklusion von Kindern. 

Die Regierung setzt mehrere Maßnahmen mit dem Ziel um, mehr Menschen aktiv an der Gesellschaft teilhaben zu lassen. Die Maßnahmen sollen den Zugang zum Arbeitsmarkt fördern, einen angemessenen Mindestlohn garantieren und Risikogruppen einen hohen Grad an Unterstützung bieten. 

Die Regierung versucht beispielsweise, die Teilnahme von Eltern am Arbeitsmarkt durch eine Reform des Leistungssystems im Zusammenhang mit der Kinderbetreuung zu fördern. Die Niederlande bieten Eltern eine große Bandbreite an Kinderbetreuungsleistungen, die ihnen die Möglichkeit geben sollen, ihre Kinder angemessen betreuen lassen zu können. Unterstützung wird in Bezug auf alle Kosten geboten, die durch Kinder anfallen. Zudem bieten die Niederlande steuerliche Unterstützung in Form eines „Kombinationskredits“, der erwerbstätige Eltern mit kleinen Kindern zugutekommt. 

Das derzeitige System bietet ein vielfältiges Angebot an Programmen, ist deshalb aber auch sehr komplex. Die vielen unterschiedlichen Programme sind teilweise widersprüchlich und können dazu führen, dass insbesondere Alleinerziehende in eine Armutsfalle geraten. Dies lässt sich insbesondere dadurch erklären, dass die Leistungen, die an Alleinerziehende gezahlt werden, die Sozialleistungen erhalten, weitaus höher sind als für erwerbstätige Alleinerziehende. Somit wird die Leistung von Eltern, die gleichzeitig arbeiten und ihre Kinder erziehen, unzureichend honoriert. Die Reform zielt darauf ab, das System zu vereinfachen und denjenigen Einkommensunterstützung zu bieten, die diese am nötigsten brauchen. Die Reform soll bewirken, dass mehr Eltern am Arbeitsmarkt teilnehmen, was sich automatisch positiv auf die soziale Inklusion von Kindern auswirken wird.  

Das Nationale Reformprogramm 2013  gibt einen Überblick über verfügbare Leistungsprogramme und politische Maßnahmen hinsichtlich der Erwerbsbeteiligung.

Zugang zu erschwinglichen, qualitativ hochwertigen Dienstleistungsangeboten

Frühkindliche Erziehungs-, Bildungs- und Betreuungsangebote sind in den Niederlanden für zwei unterschiedliche Altersgruppen verfügbar: Für Kleinkinder von 2,5 bis 3 Jahren und für Kinder in der ersten und zweiten Grundschulklasse. Diese zielen insbesondere darauf ab, Sprachdefiziten vorzubeugen oder diesen abzuhelfen. Die Kommunalbehörden bestimmen, welchen Kindern frühkindliche Erziehungs-, Bildungs-, und Betreuungsangebote zugänglich gemacht werden.

Zahlenmäßig schneiden die Niederlande in Bezug auf öffentliche Kinderbetreuungseinrichtungen gut ab. Die Niederlande weisen EU-weit die zweithöchste Anzahl an Kindern bis zu 3 Jahren, die öffentliche Kinderbetreuungseinrichtungen in Anspruch nehmen (52 % im Jahr 2011), vor. Bei Kindern zwischen 3 Jahren und dem Mindestschulpflichtalter liegen die Niederlande 6 % über dem EU-Durchschnitt (89 % vs. 83 % im Jahr 2011).

Die Maßnahmen, die in den Niederlanden zur Verringerung der Schulabbrecherquote ergriffen wurden, zielen insbesondere darauf ab, Jugendliche davon abzuhalten, von der Schule abzugehen, ohne über grundlegende Qualifikationen zu verfügen. Das Nationale Reformprogramm 2013 bietet weiterführende Informationen. 

Partizipationsrecht von Kindern

Der Koalitionsvertrag unterstreicht, wie wichtig es ist, Kindern verstärkt die Möglichkeit zu geben, an Aktivitäten in den Bereichen Spiel, Freizeit und Kultur teilzunehmen. 

Eine der Maßnahmen, die eingeleitet wurden, um eine Steigerung der Partizipation herbeizuführen, bestand darin, die Einkommensbestimmungen, die für den CityPass maßgeblich sind, zu maximieren. Der CityPass kann Personen mit geringem Einkommen von den Kommunalbehörden ausgestellt werden und bietet denjenigen Ermäßigungen für Aktivitäten in den Bereichen Kultur, Freizeit und Sport, die andernfalls – aufgrund der finanziellen Situation, in der sie sich befinden – nicht partizipieren könnten. Bislang wurde die Einkommensbemessungsgrenze maximiert, um mehr Personen einzubeziehen. So können die Kommunalbehörden festlegen, wem der Pass ausgestellt wird – mit dem Ziel, die Partizipation zu erhöhen. 

Weitere im Koalitionsvertrag vereinbarte Gelder zur Armutsminderung werden dem Sports Boost (Sportimpuls) und den Jugendsportfonds

(Jeugdsportfonds) zur Verfügung gestellt. Diese beiden Programme vergeben Zuschüsse, um die Partizipation im sportlichen Bereich insbesondere im Hinblick auf Kinder aus einkommensschwachen Haushalten zu fördern.

Studien zufolge wird in den Niederlanden Armut nicht von Generation zu Generation weitergegeben. 93 % der Kinder, die in Armut aufwachsen, leben als Erwachsene nicht länger in Armut. Dies bedeutet jedoch nicht, dass dem Thema Kinderarmut keine Aufmerksamkeit zuteil werden muss. Untersuchungen, die kürzlich von dem Ombudsmann für Kinder durchgeführt wurden, könnten die politischen Maßnahmen zur Verminderung von Kinderarmut optimiert werden. Der Ombudsmann für Kinder erhielt insbesondere von Kindern, aber auch von Erwachsenen, Fachkräften und Entscheidungsträgern Rückmeldungen und gab auf deren Grundlage verschiedene wertvolle Empfehlungen. 

Die Zentralregierung hat 2013 weitere 20 Millionen Euro zur Verfügung gestellt, um Armut, soziale Exklusion und Schulden zu bekämpfen. Gemeinsam mit den für politische Maßnahmen im Zusammenhang mit Armut und sozialer Inklusion verantwortlichen Kommunalbehörden und anderen relevanten Interessensvertretern wird die Zentralregierung ihre Bemühungen, in Kinder zu investieren, intensivieren.

Zukunftsperspektiven

Die Empfehlung „In Kinder investieren“ wird von den Niederlanden sehr begrüßt und entspricht derzeitigen und zukünftigen politischen Maßnahmen. Trotz Budgetkürzungen hat die niederländische Regierung weitere 20 Millionen Euro dafür vorgesehen, Armut und Schulden im Jahr 2013 zu bekämpfen. Der größte Teil des Geldes wird den Kommunalbehörden für dezentralisierte Aufgaben zur Verfügung gestellt. Die höheren Investitionen werden insbesondere auf die folgenden Aspekte ausgerichtet sein:

• Partizipation von Kindern,

• Austausch von bewährten Verfahrensweisen zwischen den einzelnen Kommunalbehörden,

• Zusammenarbeit zwischen öffentlichen und privaten Organisationen sowie Nichtregierungsorganisationen,

• Prävention und frühzeitige Erkennung von Schulden und finanzieller Exklusion.

Relevante Interessensvertreter wie der Ombudsmann für Kinder werden zu Rate gezogen, um herauszufinden, wie die politischen Maßnahmen effizienter gestaltet werden können.

Die Information im Länderprofil wurde zuletzt im Februar 2014 aktualisiert.

Leergeld ist eine Nichtregierungsorganisation, die sich dafür einsetzt, der sozialen Exklusion von Kindern, die aus Familien mit begrenzten finanziellen Mitteln stammen, vorzubeugen. Leergeld bietet Kindern im Alter von 4 - 18 Jahren die Möglichkeit, an Innenaktivitäten und außerschulischen Aktivitäten teilzunehmen. Leergeld bespricht sich mit der Familie, die den entsprechenden Antrag stellt, sowie mit der Kommunalbehörde und anderen relevanten Akteuren, um sich einen Überblick über die jeweilige Situation zu verschaffen und dieser abzuhelfen. Die Organisation hilft, wo möglich, dabei, Anträge für eine Einkommensunterstützung oder andere Leistungen zu stellen. Wenn keine Einrichtungen gefunden werden, die in Anspruch genommen werden können, um den Bedürfnissen des jeweiligen Kindes zu entsprechen, oder wenn diese Einrichtungen nicht ausreichen, kann zusätzlich durch Sachspenden oder die Erstattung von Kosten für Klubs oder Schulen geholfen werden. Die Regierung wird Leergeld finanziell unterstützen.