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Litauen: Ausbau des Kinderbetreuungssystems

Im Laufe der letzten Jahrzehnte hat in Litauen ein bedeutender demografischer Wandel stattgefunden. Litauen ist durch eine alternde Gesellschaft, eine niedrige Fruchtbarkeitsziffer (1,6 im Jahr 2012), eine hohe Migrationsrate und eine abnehmende Bevölkerungszahl gekennzeichnet. Die Anzahl der Kinder ist von 1 Million im Jahr 1998 auf 600.000 im Jahr 2012 gesunken. Das Land weist nach wie vor ein hohes Maß an Kinderarmut auf (etwa 33 %), das dem Gesamtrisiko in Bezug auf das Ausmaß an Armut und sozialer Exklusion entspricht.  Die Zahl der Kinder, die in Risiko-Familien leben, ist weiterhin hoch. Diese Familien sind in der Regel von Suchtkrankheiten verschiedener Art und weiteren Faktoren betroffen, die es ihnen nicht erlauben, sich angemessen um ihre Kinder zu kümmern. Das Kinderbetreuungssystem ist insbesondere für die Kinder dieser Familien von Bedeutung. Um hilfsbedürftigen Kindern und Jugendlichen zu helfen, die besonderen Risiken ausgesetzt sind, wurden zwei Maßnahmen eingeleitet: Es wurden Kindertagesstätten (CDCC) und Einrichtungen sowie Zentren der offenen Jugendarbeit eröffnet (OYC und OYS). 

Verbesserung des Wohlbefindens von Kindern und gefährdeten Jugendlichen 

2012 lag die Beschäftigungsrate der Einwohner im Alter von 15 – 64 Jahren bei 62,2 % und stieg im Laufe des Jahres um 1,9 %. 2012 lag die Beschäftigungsrate von Männern im Alter von 15 - 64 Jahren bei 62,5 % und bei Frauen bei 61,9 %. Beide Werte stiegen im Laufe des Jahres um jeweils 2,1 und 1,7 %. Frauen kommt auf dem Arbeitsmarkt in Litauen eine aktive Rolle zu. Mit 61,8 % lag die Beschäftigungsrate von Frauen 2012 über dem EU-Durchschnitt von 58,5 %). Frauen mit Kindern unter sechs Jahren arbeiten sogar noch häufiger: 2012 gingen 72,5 % dieser Frauen einer Beschäftigung nach, im Vergleich zum EU-Durchschnitt von 59,1 %. Allerdings werden Männer und Frauen sehr unterschiedlich bezahlt. Das Lohngefälle zwischen Männern und Frauen in Litauen war mit 12, 6% im Jahr 2012 schmaler als der EU-27-Durchschnitt von 16,2 % (Daten aus dem Jahr 2011). Auf dem Arbeitsmarkt wird Eltern, Pflegeeltern oder Erziehungsberechtigten, die Kinder bis zum Alter von acht Jahren aufziehen, durch aktive Arbeitsmarktdienstleistungen (Fördermittel, Arbeitsrotation etc.) zusätzliche Unterstützung geboten. 

Das nationale Entwicklungsprogramm für 2014 - 2020 ist auf das Wohlbefinden von Kindern und Familien sowie auf die Stärkung und den Erhalt der öffentlichen Gesundheit ausgerichtet. Ziele sind die Prävention von Kinderarmut, sozialer Exklusion sowie das Thema Chancengleichheit und die Einbindung von Familien, die Kinder aufziehen, in den Arbeitsmarkt. Das Programm sieht die folgenden Kernmaßnahmen vor: Investitionen zur Erleichterung des Zugangs zu Kindergeld, Ausbau von Sozial- und Gesundheitsleistungen für Familien, verstärkter Schutz von Kinderrechten sowie der Ausbau von Dienstleistungen und Hilfsangeboten für gefährdete Kinder (Kinder mit Verhaltensstörungen, emotionalen oder geistigen Störungen; Kinder mit Suchtkrankheiten oder besonderen Bedürfnissen; Kinder, die Gewalt erfahren haben; Kinder, die Gefahr laufen, Straftaten zu begehen; Straßenkinder, Kinder mit Eltern, die Strafgefangene sind, Kinder von sozial benachteiligten Familien, Kinder die von einem einzelnen Elternteil aufgezogen werden usw.).

2012 wurde ein weiteres wichtiges Programm ins Leben gerufen: Das Programm für das Wohlbefinden von Kindern 2013 - 2018. Dieses fortlaufende Programm zielt darauf ab, Kindern zu ermöglichen, bei ihren biologischen Familien aufzuwachsen, indem es präventive und integrierte Dienstleistungen für Kinder und Familien entwickelt sowie ihnen diese anbietet. Zudem sorgt das Programm für angemessene Bedingungen hinsichtlich der Auswahl eines Erziehungsberechtigten oder der Einleitung einer Adoption, wenn das elterliche Sorgerecht entzogen wird, so dass im besten Interesse des Kindes gehandelt wird und ihm ermöglicht wird, im familiären Umfeld oder in der näheren Umgebung der Familie aufzuwachsen, damit es angemessen auf ein autonomes Leben vorbereitet wird.      

Eine weitere positive Entwicklung stellen integrierte Dienstleistungen für Familien in Krisensituationen dar, die von dem Ministerium für soziale Sicherheit und Arbeit in Form von Projekt-Zuschüssen finanziert werden. Diese Dienstleistungen beinhalten soziale Unterstützung, die Bereitstellung dringend benötigter Güter, Informationen, Mediation, Beratung und Vertretungsleistungen. Familien, die sich in einer Krisensituation befinden, werden Mahlzeiten, provisorische, sichere Unterkünfte, psychologische, rechtliche und medizinische Beratung sowie Hilfe bei der Jobsuche und vorübergehende Kinderbetreuung geboten. Durch diese Maßnahmen werden weniger Kinder in Betreuungseinrichtungen untergebracht. Den Familien wird anhand dieser Maßnahmen die Möglichkeit geboten, die Krise zu meistern, sodass das Kind bei seiner Familie bleiben kann. Diese Dienstleistungen werden hauptsächlich von Familien in Anspruch genommen, die Kinder im Alter von bis zu drei Jahren aufziehen.

Eine weitere Maßnahme, die die Anzahl der Kinder in Betreuungseinrichtungen reduziert, ist die Bereitstellung von Dienstleistungen für Erziehungsberechtigte und Pflegeeltern. Es wurde ein besonderes Trainings- und Unterstützungsprogramm eingeführt und 2008 ein besonderes Trainingsprogramm ins Leben gerufen. Zwischen 2008 und 2012 haben mehr als 1.500 Erziehungsberechtigte und Pflegeeltern an diesem Programm teilgenommen.

Investitionen in Kindertagesstätten

Kindertagesstätten sind ein gutes Beispiel dafür, wie Kinder verstärkt in Spiele und kulturelle Aktivitäten eingebunden werden können. Diese Zentren befinden sich in den Gemeinden Litauens und werden oftmals von Nichtregierungsorganisationen verwaltet. Aktuell gibt es 175 Kindertagesstätten, die von etwa 5.000 Kindern aus sozial benachteiligten Familien besucht werden. Somit wird etwa ein Viertel der Nachfrage gedeckt. Die Kinder können die Zentren nach der Schule besuchen, ihre Hausaufgaben machen, Freizeitaktivitäten mit den anderen Kindern nachgehen und bekommen warme Mahlzeiten. Ihnen wird eine Umgebung geboten, die ihrer Entwicklung zuträglich ist. Das Programm für das Wohlbefinden von Kindern 2013 - 2018, eine der Maßnahmen für den Ausbau der Aktivitäten in den Zentren der Gemeinden, außerschulische Bildung und soziale Leistungen für Kinder und ihre Familien werden aus staatlichen Haushaltsmitteln bezahlt. Für die Umsetzung dieser Maßnahmen werden 2013 7,5 Millionen LTL eingeplant. 

Kinder werden in Entscheidungsprozesse eingebunden, indem ihre Vertreter in Ratsversammlungen oder Arbeitsgruppen aufgenommen werden. Seit 2005 kommen in Litauen im Rahmen der Ratsversammlung für das Wohlbefinden von Kindern Vertreter der entsprechenden Ministerien und Nichtregierungsorganisationen sowie des Schülerparlaments zusammen. Das Schülerparlament besteht aus Vertretern verschiedener Regionen des Landes und kooperiert mit öffentlichen Einrichtungen, Arbeitsgruppen etc. 2012 kam die Ratsversammlung für das Wohlbefinden von Kindern zweimal zusammen und besprach Fragen zum Gesetz über minimale und mittlere Beaufsichtigung von Kindern in Litauen. Die Kinder werden auch in Schulkonferenzen durch Lehrer, Eltern und Schüler vertreten.

Schlussfolgerung 

Im Zusammenhang mit der Empfehlung zur Verminderung der Kinderarmut sowie der sozialen Exklusion waren drei Strategien erkenntlich: 

- Prävention, was bedeutet, dass Kindern und Familien Dienstleistungen zugänglich gemacht werden und die biologische Familie unterstützt wird. Zudem geht es darum, Verantwortlichkeiten in Bezug auf Arbeit und Familie zu vereinbaren. Weitere Themen sind das Kinderbetreuungssystem, das Angebot komplexer integrierter Dienstleistungen für Familien in Krisensituationen, positive Kindererziehung usw. 

- Es soll eingegriffen werden, wenn Familie und Kind Unterstützung benötigen. Diese Unterstützung wird sozial benachteiligten Familien sowie Familien zuteil, die von psychischen Erkrankungen, Suchtkrankheiten, Gewalt und Missbrauch sowie Menschenhandel etc. betroffen sind.

- Diese integrativen Maßnahmen zielen darauf ab, das Kind am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu lassen, das Wohlbefinden des Kindes sowie eine positive soziale und emotionale Erziehung in der Familie sicherzustellen und eine einrichtungsübergreifende sowie internationale Zusammenarbeit zu ermöglichen.

Geldmittel des Europäischen Wirtschaftsraums werden zur Unterstützung der offenen Jugendarbeit eingesetzt

Geldmittel des Europäischen Wirtschaftsraums werden eingesetzt, um Kindertagesstätten dazu zu ermutigen, Einrichtungen sowie Zentren der offenen Jugendarbeit zu eröffnen, da erstere sehr viel häufiger vertreten und geografisch besser verteilt sind als Kindertagesstätten.  Aktuell werden Kindertagesstätten hauptsächlich von Kindern zwischen sieben und 14 Jahren besucht; eher seltener von älteren Kindern. Die Kurzbefragung in Kindertagesstätten (No = 109) hat gezeigt, dass 62 % der Tagesstätten der Meinung sind, dass auch ältere Kinder und Jugendliche (14 - 29) Kindertagesstätten besuchen können, so dass sie in die offene Jugendarbeit einbezogen werden können.  Die Hauptgründe, die es erschweren, Zentren der offenen Jugendarbeit in Kindertagesstätten zu eröffnen, lassen sich wie folgt darstellen: Personalmangel und fehlende Erfahrung des Personals im Umgang mit älteren Kindern (35 %) sowie materielle Ressourcen/finanzielle Mittel (81%) (größere Räumlichkeiten, Anpassung der Räumlichkeiten an die Bedürfnisse älterer Kinder und Jugendlicher, Erneuerung von Einrichtungsgegenständen, Erwerb neuer  Werkzeuge/Arbeitsmittel, Beschäftigungs-/Aktivitätenplanung, Inanspruchnahme externer Dienstleistungen). Das Programm wird den Ausbau von Kindertagesstätten sowie Einrichtungen und Zentren der offenen Jugendarbeit in Litauen fördern und die Dienstleistungen, die diese Zentren anbieten, werden sich unmittelbar positiv auf das Wohlbefinden von gefährdeten Kindern und Jugendlichen auswirken. Zudem wird das Programm dazu beitragen, dass die Mitarbeiter dieser Zentren weitergebildet werden und das Dienstleistungsangebot der Kindertagesstätten sowie Einrichtungen der offenen Jugendarbeit ausgebaut wird.

Die Information im Länderprofil wurde zuletzt im Februar 2014 aktualisiert. 

Die Webseite www.pagalbavaikams.lt des Beratungsdienstes für Kinder, auf der alle für Kinder relevanten Informationen eingesehen werden können, spielt für Kinder eine zentrale Rolle. Die Webseite www.pagalbavaikams.lt gewann 2012 den internationalen World Summit Award (WSA) in Kairo (Ägypten) für den besten digitalen Webseiteninhalt – Das Projekt gewann in der Kategorie E-Inklusion und Partizipation. Litauen nahm zum ersten Mal an einem Wettbewerb dieser Art teil. Der Beratungsdienst für Kinder hat 2012 Empfehlungen für die Kommunikation mit Kindern, die unter emotionalen Problemen leiden, ausgearbeitet, und diese in 254 Bildungseinrichtungen ausgelegt.