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ITALIEN - Generationsübergreifende Solidarität: Ausbau des öffentlichen Dienstleistungssystems für Familien und Kleinkinder

Die italienische Zentralregierung hat letztes Jahr erneut die Bedeutung verschiedener Pläne hervorgehoben, die dazu beitragen sollen, das Familienleben zu unterstützen und zu gewährleisten, dass die Rechte von Kindern stärker gewahrt werden. Tatsächlich werden die sozialen und wirtschaftlichen Interessen von Kindern und Familien italienischer Staatsangehörigkeit und ausländischer Herkunft in politischen Maßnahmen besonders berücksichtigt, obwohl die Geburtenrate weiterhin unter dem europäischen Durchschnitt liegt. Im Bereich der Unterbringung bei Pflegeeltern wurde viel erreicht. Neue, experimentelle Formen der Pflegeunterbringung wurden optimiert. Es werden Studien und Forschungen zu den Rechten der Kinder, erhört zu werden und zu partizipieren, durchgeführt.

Arbeit und Familie: Bildung und Dienstleistungen für Kinder

Die Beschäftigungsrate von Frauen (zwischen 15 und 64) nimmt stetig zu (47,1 % im Jahr 2012 im Vergleich zu 46,1 % im Jahr 2010). 2012 ging eine von drei Frauen einer Teilzeittätigkeit nach. Diese Zahl hat sich in den letzten zwanzig Jahren verdreifacht. Die erhöhte Beschäftigungsrate von Frauen kann nur schwer mit einer besseren Vereinbarkeit von Arbeit und Beruf in Zusammenhang gebracht werden, da innerhalb der letzten vierzig Jahre die Fruchtbarkeitsziffer landesweit deutlich gesunken ist: 2011 lag die Zahl der Kinder für jede Frau bei durchschnittlich 1,39 Kindern. Dieser Wert liegt unterhalb des europäischen Durchschnitts von 1,57 Kindern.  

Der vom Referat für Familienpolitik geförderte Nationale Familienplan, der im Juni 2012 verabschiedet wurde, beinhaltet Maßnahmen, die Frauen nach der Geburt eines Kindes beim Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt helfen sollen. Aus dem Plan geht hervor, wie wichtig es ist, in die Erziehung von Kindern zu investieren und allen Kindern die gleichen Möglichkeiten zu bieten: Neben Geldleistungen werden auf Grundlage der Annahme, dass das Thema Kinderbetreuung von allen Familien als eine Tätigkeit von hohem sozialem Wert anerkannt werden muss, verschiedene Arten von Unterstützungen aufgezeigt.

Die Vereinbarung von Arbeit und Familie sowie die Förderung der erzieherischen Rolle, die Eltern zukommt, wurde auch dadurch stärker bedacht, dass Familien der Zugang zu frühkindlichen Bildungs-, Erziehungs- und Betreuungsangeboten erleichtert wurde. Ein spezielles, experimentelles Projekt besteht darin, Kindergärten für kleine Gruppen junger Kinder in Wohnungen in Anwesenheit einer Mutter und eines Erziehers zu organisieren. Zudem stellt dieses Projekt eine Möglichkeit für Mütter bereit, einen Beruf auszuüben. Aktuell wird in diesem Zusammenhang insbesondere über die Ausbildung von Müttern und über die Wahrung von Qualitätsstandards in Bezug auf dieses Dienstleistungsangebot diskutiert. Die Ergebnisse einer Kontrollstudie besagen, dass Ende 2010 438 Kommunen dieses Dienstleistungsangebot eingeführt hatten und landesweit 820 Kindergärten in Wohnungen betrieben wurden.

In Italien entspricht die Zahl der Kinder im Alter von weniger als drei Jahren, die – zwischen 1 und 29 Stunde(n) pro Woche – offizielle Kinderbetreuungseinrichtungen besuchen, 9 % der Gesamtbevölkerung in diesem Alter. Diese Zahl liegt unter dem europäischen Durchschnitt, erhöht sich jedoch, wenn die Kinder berücksichtigt werden, die drei oder mehr Stunden bleiben (17 %). Der gleiche Trend ist in Bezug auf den Besuch von Betreuungseinrichtungen von Kindern bis zum Mindestschulpflichtalter auszumachen: Die Prozentzahlen für Italien sind höher, wenn die Kinder berücksichtigt werden, die offizielle Kinderbetreuungseinrichtungen im Umfang von mehr als 30 Stunden pro Woche besuchen (75 % im Vergleich zu 46 % im Jahr 2011 in Europa).

Qualitativ hochwertige Dienstleistungen: Die Sozialkarte

Das italienische Bruttoinlandsprodukt entspricht mit 25.700 Euro dem europäischen Durchschnitt in Höhe von 25.600 Euro. Der Anteil des Bruttoinlandsprodukts, der für Familien und Kinder ausgegeben wurde, ist gestiegen und erreichte 2011 1,4 %. 

Der Dritte Nationale Maßnahmenplan für Kinder zielt unter anderem insbesondere darauf ab, jedem in gleichem Maße qualitativ hochwertige Dienstleistungen zugänglich zu machen. Um dieses Ziel zu erreichen, ist es notwendig, insbesondere Kindern benachteiligter Familien den Zugang zu Dienstleistungen zu ermöglichen. Der Plan ermöglicht es, in Abhängigkeit des Familieneinkommens oder der wirtschaftlichen Situation (Haushalte mit nur einem Einkommen, Bauspardarlehen etc.) die Kosten für Kindergärten anhand verschiedener Unterstützungsmechanismen oder Ermäßigungen zu senken. Es spielen aber auch verschiedene Merkmale der Kinder oder ihrer Familien bei der Entscheidung eine Rolle, ob beispielsweise auch Geschwister die Einrichtung besuchen, Fehlen aufgrund von Krankheit, behinderte Kinder etc.

Im Januar 2013 fiel mit dem interministeriellen Erlass des Arbeits- und Sozialministeriums und des Wirtschafts- und Finanzministeriums die Entscheidung für die probeweise Einführung der neuen „Sozialkarte“. Das Projekt bezieht die zwölf größten italienischen Städte ein und wird ein Jahr dauern. Insgesamt werden 50 Millionen Euro investiert. Die finanzielle Unterstützung wird sich an der Anzahl der Familienmitglieder orientieren. 

Unterstützung und Angebote, um Familien zu helfen

Der Nationale Familienplan enthält einige Maßnahmen, die prioritär im Rahmen der regionalen und kommunalen Programme umgesetzt werden sollen. Das System zur Evaluierung des Familieneinkommens wurde zum Vorteil von Familien abgeändert, um den Zugang zu Sozialleistungen zu erleichtern. Es wurden einige Schritte eingeleitet, um Familien, insbesondere jungen Paaren, dabei zu helfen, ein Haus zu mieten oder zu kaufen. Dabei wurde berücksichtigt, dass Familien nach der Geburt von Kindern mehr Platz benötigen. Weitere Maßnahmen wurden in Bezug auf ausländische oder junge Familien eingeleitet, die in ländlichen oder abgeschiedenen Gegenden wohnen. 

Das Thema Unterstützung von Familien und alternative Betreuungseinrichtungen stellt eines der wichtigsten Aspekte des Dritten Nationalen Plans dar und wurde aus diesem Grund besonders berücksichtigt.  Der Plan zielt hauptsächlich darauf ab, einerseits den Bereich der Unterbringung bei Pflegeeltern zu fördern und spezielle Dienstleistungen anzubieten. Andererseits sollen Risiko-Familien bei der Kindererziehung unterstützt und verhindert werden, dass Kinder ihrer Familie weggenommen werden. Die große Mehrheit der Kinder, die bei Pflegeeltern leben, besitzen die italienische Staatsbürgerschaft (mehr als acht von zehn Kindern), es fallen aber auch viele Kinder ausländischer Abstammung darunter (16,3 %). Proportional gesehen sind mehr Ausländer als Italiener von der Thematik der Unterbringung bei Pflegeeltern betroffen. 

Des Weiteren wird darauf abgezielt, Familien mit Problemen rechtzeitig zu erkennen. Dieses Ziel wird auch im Nationalen Familienplan betont, der im Juni 2012 von Ministerrat bewilligt wurde und die Notwendigkeit verdeutlicht, das Dienstleistungs-Netzwerk für Familienplanungen – wie die Familienzentren, die Familienberatungsstellen etc. – zu stärken.

Bei einem der in Italien durchgeführten Programme handelt es sich um den Maßnahmenplan gegen die Institutionalisierung (Action Plan for the Prevention of Institutionalization, P.I.P.P.I), ein experimentelles Projekt mit einer Laufzeit von zwei Jahren, in dessen Rahmen multidisziplinäre und integrierte Maßnahmen zur Unterstützung von Familien mit Kindern im Alter von 0 und 16 Jahren umgesetzt werden, für die ein hohes Risiko besteht, voneinander getrennt zu werden. An dem Programm nehmen zehn italienische Städte teil und es wird anhand der per Gesetz 285 von 1997 (siehe unten) zugewiesenen Ressourcen finanziert. Im Rahmen des Programms werden methodische Ansätze und Prozesse ausprobiert, vorangetrieben, unterstützt und überwacht, mit deren Hilfe Risiko-Familien geholfen werden soll, um zu verhindern, dass Kinder von ihren Eltern getrennt werden.

Partizipation des Kindes

In Italien werden im Zusammenhang mit dem Partizipationsrecht des Kindes verschiedene Initiativen, Projekte und Maßnahmen von Forschungszentren überwacht, die ihren Schwerpunkt auf die Rechte von Kindern setzen. Ein Beispiel ist die regelmäßige Überwachung der Umsetzung des Gesetzes Nr. 285 vom 28. August 1997, Maßnahmen zur Förderung der Rechte und Chancen von Kindern und Jugendlichen (Provisions for the promotion of rights and opportunities for children and adolescents), in dessen Zusammenhang ein spezieller nationaler Fonds eingerichtet wurde, um Maßnahmen von Kommunalbehörden zu fördern, die Kindern und Jugendlichen zugutekommen. Die Überwachungsergebnisse zeigen, dass sich in der Zeit zwischen 2012 und 2013 viele Projekte (200 von 488) auf die Wahrung des Rechtes der Kinder auf Anhörung bezogen. Dieses Thema steht in engem Zusammenhang mit dem Partizipationsrecht. Viele dieser Projekte bezogen sich auf Familien, die Probleme mit der Kindererziehung hatten und zielten darauf ab, das Beziehungsnetzwerk der Familien (ein Schwerpunkt wurde in diesem Zusammenhang auf ausländische Familien gelegt) sowie die Kompetenz der Eltern und den Zugang zu informellen Bildungsmaßnahmen, Freizeitaktivitäten, Sport- und Kulturzentren für alle Kinder, insbesondere aber für benachteiligte Kinder, zu optimieren.

Die Information im Länderprofil wurde zuletzt im Februar 2014 aktualisiert.

Experimentelles Projekt zur sozialen Inklusion und Integration von Roma-, Sinti- und Camminanti-Kindern.

2012 rief das Arbeits- und Sozialministerium gemeinsam mit dem Ministerium für Bildung, Universität und Forschung ein experimentelles Projekt zur sozialen Inklusion und Integration von Roma-, Sinti- und Camminanti-Kindern im Alter von 6 - 14 Jahren ins Leben, in das die Schulen und Familien der Kinder eingebunden wurden. Ziel des Projekts war es, ab September 2013 eine Reihe von Workshops und Veranstaltungen in Schulen auszurichten sowie die Lebensbedingungen von Familien zu verbessern und die Interaktion mit Schulen zu vereinfachen. Zudem sollten Dienstleistungen zugänglich gemacht werden. Für Lehrer, Fachpersonal und Schulpersonal wurden landesweite Schulungsveranstaltungen organisiert. Dieses Projekt ist eine der wichtigsten Säulen der „Nationalen Strategie zur sozialen Inklusion und Integration von Roma-, Sinti- und Camminanti-Kindern 2012 - 2020“, die von der italienischen Regierung verabschiedet wurde, um den Inhalt der Mitteilung der Europäischen Kommission Nr. 173/2011 umzusetzen.