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Frankreich: Großzügige Unterstützung für Frauen und hohe finanzielle Zuwendungen

In Frankreich werden seit Langem viele verschiedene politische Maßnahmen umgesetzt, von denen Familien profitieren. Das Land stellt eine große Anzahl subventionierter Kinderbetreuungsdienste und ein großzügiges und umfangreiches System von Zuschüssen bereit, das insbesondere bei Großfamilien zur Anwendung kommt. Die bereitgestellten Ressourcen zielen vorrangig darauf ab, Eltern einen besseren Ausgleich von Berufs- und Privatleben zu ermöglichen. Die verschiedenen Maßnahmen scheinen gut und äußerst wirksam zu sein: Von allen EU-Mitgliedsstaaten verfügt Frankreich über die höchsten Fruchtbarkeits- und Beschäftigungsraten von Frauen mit Kindern.

Hohe Fruchtbarkeits- und Beschäftigungsraten

Zusammen mit Irland konnte Frankreich 2011 eine der höchsten Fruchtbarkeitsraten Europas aufweisen. Seit etwa zwanzig Jahren ist die Fruchtbarkeitsrate langsam, aber stetig gestiegen.

Die hohe Fruchtbarkeitsrate kann dadurch erklärt werden, dass die Eltern kleiner Kinder gute Beschäftigungsaussichten haben und dass bewährte familienpolitische Maßnahmen konsequent umgesetzt werden. Aus Daten aus dem Jahr 2012 geht hervor, dass die Gesamtbeschäftigungsraten von Frauen (von 15 bis 64 Jahren) 2012 gestiegen sind (60 %) und damit dem Lissabon-Ziel entsprechen. Diese Rate liegt 8 % unter der Beschäftigungsrate von Männern. Allerdings gehen im Vergleich zu Männern (6,9 %) 30,2 % der Frauen einer Teilzeitbeschäftigung nach. 2012 lag das Lohngefälle zwischen Männern und Frauen bei 14,8 % und somit unterhalb des EU-Durchschnitts von 16,2 %.

Die Grundlage: Hohe finanzielle Zuwendungen

Unter der Bezeichnung Familienleistung bekannte Geldleistungen bilden eine der wichtigsten familienpolitischen Maßnahmen in Frankreich. Dieses System wird von den Familienkassen verwaltet. Finanzielle Zuwendungen für Familien machen 2,6 % und Kinderbetreuungsdienstleistungen 1,6 % des Bruttoinlandsprodukts aus. Werden Steuerbegünstigungen berücksichtigt, macht das Budget für die Unterstützung von Familien insgesamt 3,6 % des Bruttoinlandsprodukts aus. 2012 lag das Kinderarmutsrisiko (23,2 %) unter dem EU-28-Durchschnitt (28,1 %).

Frauen erhalten während des Mutterschaftsurlaubs 16 Wochen lang ihr volles Gehalt (26 Wochen lang, wenn es sich um das dritte Kind handelt und bis zu 34 Wochen, wenn mehrere Kinder gleichzeitig zur Welt kommen). Väter können 11 Tage am Stück in Vaterschaftsurlaub gehen, ohne finanzielle Einbußen zu verzeichnen.

Ab dem zweiten unterhaltsberechtigten Kind, das unter 20 Jahre alt ist, erhalten Eltern automatisch Familienleistungen. Die monatliche Zahlung ist von der Zahl der unterhaltsberechtigten Kinder abhängig.

Ab dem dritten Kind, und wenn die beiden älteren Kinder unter 21 Jahre alt sind, haben Eltern einen Anspruch auf eine zusätzliche, einkommensabhängige Familienleistung in Höhe von bis zu 167,34 Euro.

Unterstützung kann ab dem ersten Kind gezahlt werden, beispielsweise eine einmalige Geburten- (923,08 Euro) oder Adoptionszulage (1.846,15 Euro); der monatliche Grundbetrag, der Eltern drei Jahre bei der Erziehung und Ausbildung ihrer Kinder unterstützt (184,62 Euro); unterstützende Familienleistungen, die gezahlt werden, um ein Kind ohne Eltern oder mit nur einem Elternteil aufzuziehen (von 90,40 Euro bis 120,54 Euro) und eine einkommensabhängige finanzielle Unterstützung zum Beginn des Schuljahrs, die Eltern in Bezug auf Ausgaben für den Schulbesuch ihrer Kinder im Alter von 6 - 18 Jahren helfen sollen (360,47 Euro für Kinder im Alter von 6 - 10 Jahren, 380,36 Euro für Kinder im Alter von 11 - 14 Jahren und 393,54 Euro für Kinder im Alter von 15 - 18 Jahren).

Zudem können unterstützende Mittel, die einem Haushalt bereits gezahlt werden, erhöht werden, wenn Kinder geboren werden. Dies gilt beispielsweise für das Wohngeld, das auf der Grundlage der Miete sowie des Haushaltseinkommens und der aktivierenden Sozialhilfe berechnet und Personen über 25 Jahren ausgezahlt wird, denen nur begrenzte oder keine Mittel zum Leben zur Verfügung stehen.

Andere Leistungen, die ebenfalls ab dem ersten Kind gezahlt werden, ermöglichen es Eltern, ein schwer krankes, verletztes oder behindertes Kind unter 20 Jahren zu betreuen, indem sie in Teilzeit arbeiten oder sich zeitweise ganz von ihrer beruflichen Tätigkeit freistellen lassen. Beispiele hierfür sind ein Tagegeld für Eltern, die zu Betreuungszwecken freigestellt werden und eine Erziehungszulage für ein Kind mit Behinderungen. Diese finanziellen Unterstützungen sind je nach der Zusammenstellung und den Ressourcen des jeweiligen Haushalts sowie der Art der Behinderung des Kindes unterschiedlich hoch.

Zwischen 1994 und 2004 wurde die Elternzeit nach und nach allen Familien, unabhängig von der Anzahl der Kinder, zugänglich gemacht. Ein monatliches Elterngeld (zusätzliche freie Wahl der eigenen Beschäftigung) kann Familien ausgezahlt werden, wenn einer der beiden Elternteile weniger arbeiten geht oder aufhört zu arbeiten, um ein Kind im Alter von unter drei Jahren zu betreuen.

Steuervergünstigungen für Großfamilien

Großfamilien werden außerdem deutliche Steuervergünstigungen geboten. Ein bestimmter Steuergrundsatz, der „Familienquotient“, kommt insbesondere Familien mit mindestens drei Kindern zugute. Im französischen Steuersystem gilt nicht die Einzelperson, sondern der Haushalt als Steuereinheit. Jeder Haushalt setzt sich aus verschiedenen Anteilen zusammen, der von dem Familienstand und der Anzahl der Kinder abhängig ist: Für Eheleute gelten zwei Anteile, für die ersten beiden Kinder ein weiterer halber Anteil und ein weiterer Anteil für jedes Kind, das nach dem dritten Kind geboren wird. Dieser Mechanismus erwirkt eine deutliche Steuervergünstigung, da das Gesamthaushaltseinkommen durch die Zahl der Anteile geteilt wird, aus denen es sich zusammensetzt und die Steuern auf der Grundlage dieses angepassten Einkommens berechnet wird.

Viele verschiedene Kinderbetreuungsangebote

In Frankreich wurden ein umfassendes Kinderbetreuungssystem sowie qualitativ hochwertige Vorschuldienstleistungen entwickelt, die es den Eltern ermöglichen, arbeiten zu gehen. In Kinderkrippen werden Kleinkinder ab einem Alter von zwei Monaten betreut (oder ab dem Ende des Mutterschaftsurlaubs). Die Krippen werden von Kommunalbehörden, Unternehmen oder Elternvereinen geleitet. Die Kosten sind für die Eltern in fast allen Kinderkrippen einkommensabhängig. Alternativ hierzu können sich Eltern dafür entscheiden, die Dienste einer anerkannten Tagesmutter/eines anerkannten Tagesvaters in Anspruch zu nehmen, die/der bis zu vier Kinder bei sich zu Hause betreuen kann. Ab dem Alter von zwei Jahren können die Kinder einen Kindergarten besuchen, eine typisch französische Einrichtung, die seit 1881 zur Verfügung steht. Das Vorschulangebot ist kostenlos und wird von 95 % aller Kinder zwischen drei und sechs Jahren und 44 % der Kinder unter drei Jahren in Anspruch genommen. Zudem können Eltern von Kindern unter sechs Jahren vor und nach der Schule sowie während der Ferien auf die Dienstleistungen von Freizeitzentren oder Kinderhorte zurückgreifen. Diese Dienstleistungen werden oftmals von der Familienkasse subventioniert.

Obwohl das Kinderbetreuungsangebot vom Staat wie gewünscht ausgebaut wurde, haben einige Eltern Probleme, ihr Kind in einer Kinderkrippe unterbringen zu können. Zudem unterscheidet sich die Verfügbarkeit von Betreuungsplätzen je nach Region und liegt zwischen 9 - 80 von 100 Kindern unter drei Jahren. Vor diesem Hintergrund hat sich die französische Regierung vorgenommen, bis 2017 etwa 275.000 zusätzliche Kinderbetreuungsangebote für Kinder unter drei Jahren zu schaffen (100.000 Plätze in kollektiven Betreuungsangeboten, 100.00 in individuellen Betreuungsangeboten und 75.000 zusätzliche Plätze für Kinder zwischen zwei und drei Jahren in Kinderkrippen) und regionale Unterschiede auszugleichen, indem die ärmsten Gegenden durch finanzielle Mittel unterstützt werden sollen. Etwa 16,9 Milliarden Euro werden in dieses Projekt investiert, das unter der Aufsicht des Familienministeriums durchgeführt werden wird.

Und letztlich wurde im Mai 2009 das Dienstleistungsportal mon-enfant.fr von der Familienkasse eröffnet, um Familien besser mit Informationen zu dem Thema Kinderbetreuung versorgen zu können. Dieses Portal bietet Eltern allgemeine Informationen zu den unterschiedlichen Kinderbetreuungsangeboten. Zudem werden Informationen über die aktuelle Situation sowie betroffene Tätigkeiten und detaillierte Angaben zu den Einrichtungen, die von der Familienkasse finanziert werden sowie Informationen zu Personen, die Kinderbetreuungsdienstleistungen anbieten, bereitgestellt.

Stärkere Kindererziehungsförderung

Heutzutage haben Familien verschiedene Bedürfnisse, die eine Reaktion der staatlichen Behörden erforderlich machen. Vor diesem Hintergrund und mit dem Ziel, modernere Maßnahmen einzuführen, hat die Regierung im Jahr 2013 eine Beurteilung der staatlichen politischen Maßnahmen im Hinblick auf die „Kontrolle von politischen Maßnahmen zur frühkindlichen Entwicklung von Kindern und der Kindererziehungsförderung“ in Angriff genommen. Diese Beurteilung wurde unter der Verantwortung des Delegierten des Familienministeriums durchgeführt, der einen Lenkungsausschuss zusammengestellt hat, der sich aus institutionellen Partnern (Bereich Familie, Kommunalbehörden) und Gemeindepartnern zusammensetzt. Es wurde beschlossen, dass Programme auf kommunaler Ebene ausgearbeitet werden sollen, um Dienstleistungen für Familien anzubieten. Unter anderem sollen frühkindliche Betreuungsdienstleistungen angeboten und ausgebaut und unterstützende Kindererziehungsmaßnahmen ergriffen werden.

Die Information im Länderprofil wurde zuletzt im Februar 2014 aktualisiert.

Tagesmütter – eine sehr beliebte Kinderbetreuungsoption

Eltern benutzen oft die Dienste einer registrierten Tagesmutter, die Zweidrittel der Kinderbetreuungslösungen für Kinder unter drei Jahren bestreiten. Von den 28 % der Kinder unter drei Jahren, die innerhalb des institutionellen Systems betreut werden, werden über 18 % von Tagesmüttern in deren Zuhause oder im Haus der Eltern versorgt. Die 290.600 Tagesmütter in Frankreich stellten in der zweiten Hälfte des Jahres 2009 817.100 Kinderbetreuungsplätze für Kinder unter sechs Jahren bereit.

Eltern, die diese Art der Kinderbetreuung wählen, erhalten eine monatliche Beihilfe – die Kinderbetreuungsbeihilfe – deren Höhe vom Status und der Vergütung der Tagesmutter, dem Alter des Kindes und dem Einkommen des Haushalts abhängt. Die Gesamthöhe der Beihilfe liegt zwischen €162 und €378 für einen Haushalt mit einem Kind unter drei Jahren. Darüber hinaus werden die Sozialabgaben in vollem Umfang von der Familienabteilung übernommen.

Der Beruf des Kinderbetreuens hat sich über die Jahre um einiges weiterentwickelt. Die Zahl der gesetzlich erforderlichen Ausbildungsstunden hat sich verdoppelt und ein Arbeitsvertrag mit den Eltern ist heute Pflicht. Die Registrierung von Tagesmüttern wird alle fünf Jahre validiert, und Sicherheits- und Gesundheitsprüfungen werden regelmäßig an dem Ort, an dem die Kinder betreut werden, durchgeführt. Dennoch müssen weiterhin Probleme überwunden werden – der Beruf wird immer noch nicht hoch angesehen, und einkommensschwache Familien zögern oft trotz der gebotenen Beihilfe und dem vereinfachten System, Sozialversicherungsbeiträge zu deklarieren, diese Kinderbetreuungsoption zu benutzen. Außerdem werden viele Tagesmütter in den nächsten Jahren in den Ruhestand treten.