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Frankreich: Großzügige Unterstützung für Frauen und hohe finanzielle Zuwendungen

In Frankreich werden seit Langem viele verschiedene politische Maßnahmen umgesetzt, von denen Familien profitieren. Das Land stellt eine große Anzahl subventionierter Kinderbetreuungsdienste und ein großzügiges und umfangreiches System von Zuschüssen bereit, das insbesondere bei Großfamilien zur Anwendung kommt. Die bereitgestellten Ressourcen zielen vorrangig darauf ab, Eltern einen besseren Ausgleich von Berufs- und Privatleben zu ermöglichen. Die verschiedenen Maßnahmen scheinen gut und äußerst wirksam zu sein: Von allen EU-Mitgliedsstaaten verfügt Frankreich über die höchsten Fruchtbarkeits- und Beschäftigungsraten von Frauen mit Kindern.

Zugang zu angemessenen Ressourcen

Förderung der Teilnahme von Eltern am Arbeitsmarkt

Aus Daten aus dem Jahr 2012 geht hervor, dass die Gesamtbeschäftigungsraten von Frauen (von 15 bis 64 Jahren) hoch sind (60 %) und damit dem Lissabon-Ziel entsprechen. Diese Rate liegt jedoch 8 % unter der Beschäftigungsrate von Männern. Allerdings gehen im Vergleich zu Männern (6,9 %) 30,2 % der Frauen einer Teilzeitbeschäftigung nach. 2012 lag das Lohngefälle zwischen Männern und Frauen bei 14,8 % und somit unterhalb des EU-Durchschnitts von 16,2 %.

Damit bei der Geschlechter- und Berufsentwicklung keine Lücken entstehen, ist es entscheidend, dass Väter nach der Geburt eines Kindes Pflichten übernehmen. Mit dem Gesetz zur wirklichen Gleichstellung zwischen Frauen und Männern vom 4. August 2014 wird die „Zulage für die freie Wahl der eigenen Beschäftigung“ (CLCA) geändert, um eine gleichmäßige Verteilung der Elternzeit umzusetzen. Diese Maßnahme soll Frauen unterstützten, die ins Arbeitsleben zurückkehren, und elterliche Verpflichtungen gleichmäßig auf Paare verteilen.
Frauen erhalten während des Mutterschaftsurlaubs 16 Wochen lang ihr volles Gehalt (26 Wochen lang, wenn es sich um das dritte Kind handelt). Väter können 11 Tage am Stück in Vaterschaftsurlaub gehen, ohne finanzielle Einbußen zu verzeichnen.

Auch staatliche Behörden und Organisationen für Sozialschutz haben eine Reihe an Anreizmaßnahmen eingeführt, um die Entwicklung von Lösungen für Kinderbetreuungsangebote in Unternehmen (wie Steuervergünstigungen für Arbeitnehmerfamilien, steuerliche Absetzbarkeit, Zulagen) zu stärken.

Durch eine Kombination verschiedener Leistungen für einen angemessenen Lebensstandard sorgen

Unter der Bezeichnung Familienleistung bekannte Geldleistungen bilden eine der wichtigsten familienpolitischen Maßnahmen in Frankreich. Finanzielle Zuwendungen für Familien machen 2,6 % und Kinderbetreuungsdienstleistungen 1,6 % des Bruttoinlandsprodukts aus. 2012 lag das Kinderarmutsrisiko (23,2 %) unter dem EU-28-Durchschnitt (28,1 %).

Die Unterstützung für armutsgefährdete Familien ist fest im französischen Sozialleistungssystem integriert. 2012 waren 26,8 % der Familienleistungen einkommensabhängigpdf. In Einklang mit der Strategie zur „Erneuerung der Familienpolitik“ aus dem Jahr 2013 hat die französische Regierung bis 2018 für die einkommensschwächsten Familien auch eine Neubewertung der Familienzulagen und der unterstützenden Familienleistungen von jeweils 50 bzw. 25 % angekündigt.

Zugang zu erschwinglichen, qualitativ hochwertigen Dienstleistungsangeboten

Prävention von Chancenungleichheit bereits in frühen Jahren durch Investitionen im Bereich Erziehung, Bildung und Betreuung im frühen Kindesalter

In Frankreich wurden ein umfassendes Kinderbetreuungssystem sowie qualitativ hochwertige Vorschuldienstleistungen entwickelt. Kinderbetreuungsdienstleistungen machen 1,6 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP) aus. In Kinderkrippen werden Kleinkinder ab einem Alter von zwei Monaten betreut (oder ab dem Ende des Mutterschaftsurlaubs). Die Krippen werden von Kommunalbehörden, Unternehmen oder Elternvereinen geleitet. 2012 wurden 18,6 % des Familienbudgets für die Betreuung von Kleinkindern ausgegebenpdf. Grundlage für die jeweiligen Summen bilden die Einkommen der Haushalte.

Ab dem Alter von zwei Jahren können die Kinder einen Kindergarten besuchen, eine typisch französische Einrichtung, die seit 1881 zur Verfügung steht. Das Vorschulangebot ist kostenlos und wurde 2011 von 95 % aller Kinder zwischen drei und sechs Jahren und 44 % der Kinder unter drei Jahren in Anspruch genommen und lag damit 25 % über dem Barcelona-Ziel.

2011 lag Frankreich bei Kindern zwischen drei und sechs Jahren (schulpflichtiges Alter) 90 % über dem Barcelona-Ziel – unabhängig von Anwesenheitsstunden wurde das Vorschulangebot von 95 % der Kinder dieser Altersgruppe in Anspruch genommen.

Vor dem Hintergrund des mehrjährigen Plans gegen Armut und für soziale Inklusion, der am 21. Januar 2013 verabschiedet wurde, hat sich die französische Regierung vorgenommen, bis 2017 etwa 275.000 zusätzliche Kinderbetreuungsangebote für Kinder unter drei Jahren bereitzustellen und regionale Unterschiede auszugleichen, indem die ärmsten Gegenden prioritär durch finanzielle Mittel unterstützt werden sollen.
Der prozentuale Anteil an Kindern, die unter der Armutsgrenze leben und kollektive Betreuungsangebote in Anspruch nehmen, soll eines Tages mindestens dem prozentualen Anteil entsprechen, den diese Kinder innerhalb ihrer Altersgruppe im selben Gebiet ausmachen (aber in jedem Fall mindestens 10 % erreichen). Dazu wird die französische Regierung die Verflechtung von Ausschüssen begünstigen, die auf Basis transparenter Sozialkriterien für die Zuteilung von Kinderbetreuungsplätzen verantwortlich sind.

Verbesserung der Auswirkung des Bildungssystems auf das Thema Chancengleichheit

Der Abbau sozialer und regionaler Ungleichheiten ist in Frankreich im Gesetz zur „Neugründung der Schule der Republik“ vom 8. Juli 2013 verankert, in dem ein grundlegendes Ziel definiert ist: die Verkleinerung der Kluft bei den akademischen Leistungen zwischen Schülern der sogenannten „prioritären Bildungszonen” (ZEP) und allen anderen Schülern Frankreichs auf unter 10 %.

Der Fokus liegt dabei auf der ersten Klasse (denn hier beginnt der Zyklus für den grundlegenden Lernprozess); er spiegelt sich in der Umsetzung innovativer Lernstrategien (z. B. „mehr Lehrer als Klassenzimmer“) wider. Darüber hinaus werden – insbesondere in ZEP und abgelegenen ländlichen Gebieten – die Schulmöglichkeiten für Kinder unter drei Jahren ausgebaut. Ziel ist es, dass 30 % der Kinder dieser Altersgruppe eine Schule besuchen.

Kindern ein sicheres, angemessenes Wohn- und Lebensumfeld schaffen

Um Familien den Zugang zum sozialen Wohnungsbau zu erleichtern, legt das Gesetz vom 18. Januar 2013 den Fokus auf öffentlichen Grund und Boden, der – insbesondere in Gebieten mit Wohnraummangel – für den Wohnungsbau zur Verfügung steht. Das Gesetz bekräftigt auch die im Gesetz für Solidarität und Stadterneuerung (2000) festgelegten Strategien, indem es die Zielvorgabe für den sozialen Wohnungsbau für Gemeinden mit mehr als 3.500 Einwohnern von 20 auf 25 % anhebt. Außerdem wurden die Sanktionen für Gemeinden, die diese Maßnahmen nicht befolgen, verfünffacht.

Aus dem Gesetz vom 5. März 2007, in dem ein einklagbares Recht auf Wohnraum verankert ist, geht die französische Regierung als Hüter des Anspruchs auf angemessenen Wohnraum hervor. Die Umsetzung dieses Gesetzes basiert auf einem Vergleich, der infolge eines strittigen Verfahrens vor einem Département-Ausschuss erzielt wurde.

2010 wurden mit der individuellen Wohnungsbeihilfepdf in Höhe von 15.928 Milliarden Euro mehr als 6,3 Millionen Menschen unterstützt; das entspricht 212 Euro pro Monat.

Partizipationsrecht von Kindern

Umsetzung von Maßnahmen, die die Partizipation von Kindern an Entscheidungsprozessen fördern, die Auswirkungen auf ihr Leben haben

Auf nationaler Ebene unterstützt das Ministerium für Jugend und Sport die Nationale Vereinigung der Kinder- und Jugendräte (ANACEJ), die sich aktiv für das Partizipationsrecht von Kindern und jungen Menschen bei öffentlichen Entscheidungsprozessen einsetzt und dafür eng mit lokalen Vertretern zusammenarbeitet. 2010 waren in Frankreich 30.000 Kinder und junge Erwachsene in 2.000 Ausschüssen vertreten.
Beim Französischen Jugendforum, das 2012 den Nationalen Jugendausschuss abgelöst hat, kommen große Organisationen unter Leitung junger Menschen zusammen. Das Jugendforum nimmt an der öffentlichen Debatte teil, indem es Meinungen und Vorschläge in Zusammenhang mit wichtigen gesellschaftlichen Themen, und insbesondere Jugendbelangen, vorbringt.

Ausblick

Der Schwerpunkt von Programmen zur Förderung der Kindererziehung, Familienzulagen und Strategien zum Abbau von Ungleichheiten, insbesondere im Bildungsbereich, liegt auf der Verbesserung des Wohlergehens von Kindern sowie auf der verstärkten Inklusion von Kindern in die Gesellschaft.

Um diesen Herausforderungen zu begegnen und die Fortführung des französischen Sozialmodels auf lange Sicht zu gewährleisten, muss die Familienpolitik Frankreichs ausgewogener werden.

Tagesmütter – eine sehr beliebte Kinderbetreuungsoption und ein Beruf, dessen Wiedereinführung sich lohnt

Eltern benutzen oft die Dienste einer registrierten Tagesmutter, die Zweidrittel der Kinderbetreuungslösungen für Kinder unter drei Jahren bestreiten. Von den 28 % der Kinder unter drei Jahren, die innerhalb des institutionellen Systems betreut werden, werden über 18 % von Tagesmüttern in deren Zuhause oder im Haus der Eltern versorgt.

2010 wurden in Frankreich 27 % der Betreuungsleistungen für Kinder unter drei Jahren von 300.000 Tagesmüttern abgedeckt.

Eltern, die diese Art der Kinderbetreuung wählen, erhalten eine monatliche Beihilfe – die Kinderbetreuungsbeihilfe – deren Höhe vom Status und der Vergütung der Tagesmutter, dem Alter des Kindes und dem Einkommen des Haushalts abhängt.

Die Registrierung von Tagesmüttern wird alle fünf Jahre validiert, und Sicherheits- und Gesundheitsprüfungen werden regelmäßig an dem Ort, an dem die Kinder betreut werden, durchgeführt.

Die Strategie zur „Erneuerung der Familienpolitik“ (2013) sieht bis 2018 die Betreuung 100.000 weiterer Kinder durch Tagesmütter vor und orientiert sich damit an einer neuen Beschäftigungsstrategie mit dem Ziel, den Beruf der Tagesmutter neu zu bewerten. Durch Maßnahmen zur Karriereförderung, Weiterentwicklung, verbesserten Schulungsangeboten und verbesserter finanzieller Unterstützung sollen Tagesmütter vermittelt werden, um so deren lokale Präsenz im ganzen Land zu gewährleisten.