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Finnland: Universaldienstleistungen und finanzielle Unterstützungen zur Förderung des Wohlbefindens aller Kinder und Familien

Die Kinderarmutsrate Finnlands zählt zu den niedrigsten in der EU, während die Beschäftigungsrate von Frauen eine der höchsten ist. Dies ist größtenteils einer starken staatlichen Unterstützung von Kindern und Familien zu verdanken. Die Familien- und Kinderpolitik in Finnlandpdf zielt darauf ab, eine bezahlte Beschäftigung und das Familienleben miteinander zu vereinbaren und Familien ein angemessenes Einkommensniveau zu bieten. Alle Kinder unter sieben Jahren haben Zugang zu öffentlichen Kindertagesstätten und großzügige Elternzeit- und -geldregelungen bieten Eltern die Möglichkeit, ihren Kindererziehungspflichten nachzukommen, ohne dabei ihre Arbeit zu gefährden. Kindern und Familien werden präventive, unterstützende Maßnahmen angeboten.

Hohe Ausgaben für Familienleistungen

Finnland wies 2012 EU-weit mit 14,9 % die niedrigste Rate an Personen auf, die von Armut oder sozialer Exklusion betroffen sind. Im Vergleich zum EU-Durchschnitt von 2,2 % flossen 2011 3,3 % des finnischen Bruttoinlandsprodukts in die finanzielle Unterstützung von Kindern und Familien. Dies macht einen großen Teil der Regierungsausgaben aus. Der größte Anteil hierbei bestand aus den Ausgaben für das Kindergeld und die Tagesbetreuung. Dennoch sind die Ausgaben für Familienleistungen im Vergleich zu 4 % des Bruttoinlandsprodukts im Jahr 1995 gesunken und die Einkommenstransfers an Familien wurden nicht an die durchschnittlichen Gehaltserhöhungen angepasst.

Für Kinder unter 17 Jahren wird ein einheitliches Kindergeld gezahlt. 2013 lag der monatliche Betrag zwischen 104,19 Euro für ein Kind und 189,63 Euro für das fünfte und jedes weitere Kind. Alleinerziehende Eltern erhalten weitere 48,55 Euro pro Kind. 2011 war die Höhe des Kindergelds an den nationalen Rentenindex gebunden, im Januar 2013 wurde jedoch festgelegt, dass es zwischen 2013 - 2015 keine Indexerhöhungen geben wird.

Regelung für eine lange und großzügig unterstützte Elternzeit

Ein umfassendes Elternzeitsystem bietet beiden Elternteilen die Möglichkeit, ihre Kinder zu betreuen. Der Mutterschaftsurlaub im Umfang von 105 Arbeitstagen (etwa 18 Wochen), die Elternzeit im Umfang von 158 Arbeitstagen (etwa 26 Wochen) und der Vaterschaftsurlaub im Umfang von 54 Arbeitstagen (etwa neun Wochen) decken im Großen und Ganzen das erste Lebensjahr des Kindes ab. Leistungen während des Mutterschafts- und Vaterschaftsurlaubs sowie der Elternzeit sind einkommensabhängig und betragen 70 – 90 % der Einkommen des vorherigen Jahres. Auch erwerbslosen Eltern steht finanzielle Hilfe zu. Sie beträgt mindestens 23,77 Euro pro Arbeitstag (2013 etwa 594 Euro pro Monat).

Zudem können Eltern bezahlten Erziehungsurlaub in Anspruch nehmen, wenn sie am Ende der Elternzeit keine Tagesbetreuung in Anspruch nehmen. Dies ermöglicht Eltern, ein Kind von weniger als drei Jahren zu betreuen, ohne ihre Arbeit aufzugeben. 2013 betrug dieses Basis-Kinderbetreuungsgeld 336,67 pro Kind pro Monat. In Abhängigkeit des Einkommens und der Höhe des Familienzuschlags werden bis zu 180,17 Euro gezahlt.

Zudem haben erwerbstätige Eltern die Möglichkeit, ab dem Ende der Elternzeit bis zum Ende des zweiten Schuljahrs des Kindes ihre Arbeitsstunden zu reduzieren. Im September 2013 schlug die Regierung eine „Flexible Betreuungsunterstützung“ vor, die Eltern von Kindern unter drei Jahren dazu ermutigen soll, in Teilzeit arbeiten zu gehen und sich in Teilzeit um die Kinderbetreuung zu kümmern. Eltern, die maximal drei Tage pro Woche oder 4,5 Stunden pro Tag arbeiten, würden 240 Euro gezahlt und Eltern, die maximal vier Tage pro Woche oder sechs Stunden pro Tag arbeiten, 160 Euro. Die Reform wird voraussichtlich 2014 in Kraft treten.

Einheitliche und bezahlbare Kinderbetreuung

Das Thema der Vereinbarung von Beruf und Familie wird in der finnischen Politik seit Langem mit Priorität behandelt. Die meisten Frauen gehen nicht nur generell arbeiten, sondern dies zumeist in einem Vollzeit-Beschäftigungsverhältnis. Mit 68,2 % lag die allgemeine Beschäftigungsrate von Frauen 2012 deutlich über dem EU-Durchschnitt. Im Vergleich zum EU-Durchschnitt von 32,5 % liegt die Teilzeit-Beschäftigungsrate von Frauen bei 20,1 %.

Alle Kinder unter sieben Jahren haben vorbehaltslos Anspruch auf eine Tagesbetreuung in einer kommunalen Betreuungsstätte. Die monatliche Gebühr lag 2013 je nach Familiengröße und Einkommen zwischen 0 Euro und 264 Euro. Vorschulerziehung für Kinder im Alter von sechs Jahren ist kostenlos. Sie erreicht etwa 98 % der Altersgruppe.

Trotz einer verfügbaren Tagesbetreuung werden nur 20 % der Kinder unter drei Jahren in offiziellen Vollzeit- und nur 6 % in offiziellen Teilzeit-Kinderbetreuungseinrichtungen betreut. Kinder ab drei Jahren werden zu 57 % in Vollzeit- und 20 % in Teilzeit-Kinderbetreuungseinrichtungen untergebracht. Somit liegt die Gesamtzahl der Kinder, die noch nicht im schulpflichtigen Alter sind und offizielle Kinderbetreuungseinrichtungen besuchen (26 % der Kinder unter drei Jahren und 77 % der Kinder ab drei Jahren) unterhalb der Barcelona-Ziele.

Kostenlose Gesundheitsfürsorge für alle Kinder

Die medizinische Grundversorgung wird von kommunalen Gesundheitszentren übernommen. Während des ersten Lebensjahres eines Kindes sind neun Untersuchungen in regelmäßigen Abständen in einer Kinderklinik vorgesehen. Darauf folgen sechs Untersuchungen in der Zeit bis zum schulpflichtigen Alter. Seit 2011 müssen an dreien dieser Termine umfangreiche medizinische Untersuchungen stattfinden, die gemeinsam mit anderen Fachpersonen durchgeführt werden, die in das Leben des Kindes und der Familie eingebunden sind, beispielsweise Mitarbeitern einer Tagesbetreuungsstätte. Ziel ist es, die Gesundheit des Kindes zu überwachen und zu fördern sowie zum Wohlbefinden der gesamten Familie beizutragen.

Ab dem Schulbeginn werden die regelmäßigen Untersuchungen weitergeführt und vom Schulgesundheitswesen geleistet.  Die Untersuchungen in Kinderkliniken, die Untersuchungen, die im Rahmen des Schulgesundheitssystems stattfinden sowie Termine bei Allgemeinmedizinern in Kommunalkliniken sind für Kinder unter 18 Jahren kostenlos.

Herausbildung sektorenübergreifender Dienstleistungen

Seit 2008 zielt das Programm „Lasten Kaste“ („Nationales Entwicklungsprogramm für sozialen Wohlstand und Gesundheitsversorgung" (Kaste: von Kindern)) darauf ab, Sozial- und Gesundheitsleistungen für Kinder, Jugendliche und Familien auszubauen. In der zweiten Phase des Programms, die von 2012 - 2015 laufen wird, werden diese Ziele weiterverfolgt. Diese Dienstleistungsreform bezieht sich auf Basis-Universaldienstleistungen, damit so schnell wie möglich Unterstützung geboten werden kann. Das Programm zielt darauf ab, sektorenübergreifenden Problemen vorzubeugen und diese  zu beheben. Die wichtigsten Ziele des Programms lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  • Diese Dienstleistungen für Kinder, die noch nicht im schulpflichtigen Alter sind, in Familienzentren anzubieten.
  • Die Dienstleistungen Schulkindern und Studenten im Rahmen von Sozialdienstleistungen für selbige anzubieten.

Schwerpunktverlagerung der Kinderfürsorge zu nicht-institutionellen Maßnahmen und Familienbetreuung.

Die Information im Länderprofil wurde zuletzt im Februar 2014 aktualisiert.

Jugendgarantie

Die finnische Regierung hat eine „Jugendgarantie“ verabschiedet, die im Januar 2013 in Kraft treten und über ein Jahresbudget von 60 Millionen Euro verfügen wird. Die Jugendgarantie wird jeder Person unter 25 Jahren sowie Studenten, die gerade ihr Studium absolviert haben und unter 30 Jahren sind, garantieren, innerhalb von drei Monaten ab Beginn ihrer Erwerbslosigkeit eine Anstellung, einen Studien- oder Weiterbildungsplatz oder einen Platz in einer Maßnahme zur beruflichen Rehabilitation zu erhalten. Ziel ist es, sicherzustellen, dass junge Menschen Zugang zu Bildungs- und Weiterbildungsmaßnahmen sowie Arbeitsplätzen haben und zu vermeiden, dass sie von der Gesellschaft ausgeschlossen werden. Diese verwaltungsübergreifende Garantie bezieht sich auf verschiedene Elemente: Eine Beschäftigungsgarantie, eine Bildungsgarantie, ein Kompetenzprogramm für junge Erwachsene, einen Jugend-Workshop und Jugendarbeit.

Das finnische Kinderparlament und die finnischen Jugendräte

Kinder- und Jugendpartizipation in Finnlandpdf findet in unterschiedlichen formalen Strukturen statt.

Das finnische Kinderparlament setzt sich aus 9 - 13-jährigen zusammen, die von den Gemeinden ernannt werden. Es handelt sich um eine Erweiterung der Kinderparlamente der Gemeinden oder der Schulkonferenzen und wird internetgestützt durchgeführt. Das Parlament setzt sich dafür ein, dass Kinder Einfluss nehmen und partizipieren können und gibt Behörden und Entscheidungsträgern zudem die Möglichkeit, verschiedene Themen direkt mit Kindern zu besprechen.

Jugendräte sind auf der Gemeindeebene mit 13 - 18-jährigen Vertretern angesiedelt. Sie vertreten die örtlichen Jugendlichen bei Entscheidungsprozessen und fördern den Dialog zwischen Jugendlichen und politischen Entscheidungsträgern. Die Räte werden auf nationaler Ebene durch Vertreter der finnischen Jugendräte repräsentiert, was Jugendlichen die Möglichkeit gibt, auf die nationale Gesetzgebung Einfluss zu nehmen.