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Finnland: Universaldienstleistungen und finanzielle Unterstützungen zur Förderung des Wohlbefindens aller Kinder und Familien

Die Kinderarmutsrate Finnlands zählt zu den niedrigsten in der EU, während die Beschäftigungsrate von Frauen eine der höchsten ist. Dies ist größtenteils einer starken staatlichen Unterstützung von Kindern und Familien zu verdanken. Die Familienpolitik in Finnland zielt darauf ab, eine bezahlte Beschäftigung und das Familienleben miteinander zu vereinbaren und Familien ein angemessenes Einkommensniveau zu bieten. Alle Kinder unter sieben Jahren haben Zugang zu öffentlichen Kindertagesstätten und großzügige Elternzeit- und -geldregelungen bieten Eltern die Möglichkeit, ihren Kindererziehungspflichten nachzukommen, ohne dabei ihre Arbeit zu gefährden. Kindern und Familien werden präventive, unterstützende Maßnahmen angeboten.

Zugang zu angemessenen Mitteln

Die Beteiligung der Eltern am Arbeitsmarkt unterstützen

Das Thema der Vereinbarung von Beruf und Familie wird in der finnischen Politik seit Langem mit Priorität behandelt. Mit 68 % lag die allgemeine Beschäftigungsrate von Frauen im Jahr 2014 deutlich über dem EU-Durchschnitt von 59,6 %. Im Vergleich zum EU-Durchschnitt von 32,8 % im Jahr 2014 lag die Teilzeit-Beschäftigungsrate von Frauen bei 20,2 %.

Die Beschäftigungsrate von Müttern mit Kindern unter sechs Jahren ist dennoch geringer. Im Jahr 2014 betrug die Rate 60,2 %. Während die Gesamtbeschäftigungsrate von Männern in Finnland im Jahr 2014 dem Durchschnittswert der EU von 69,5 % entsprach, lag die Beschäftigungsrate von Vätern junger Kinder mit 89,8 % weit darüber.

Ein umfassendes Elternzeitsystem bietet beiden Elternteilen die Möglichkeit, eine bezahlte Arbeit und Kinderbetreuungspflichten zu vereinen. Der Mutterschaftsurlaub im Umfang von 105 Arbeitstagen (etwa 18 Wochen), die Elternzeit im Umfang von 158 Arbeitstagen (etwa 26 Wochen) und der Vaterschaftsurlaub im Umfang von 54 Arbeitstagen (etwa neun Wochen) decken im Großen und Ganzen das erste Lebensjahr des Kindes ab. Leistungen während des Mutterschafts- und Vaterschaftsurlaubs sowie der Elternzeit sind einkommensabhängig und betragen 70 – 90 % der Einkommen des vorherigen Jahres.

Alle Kinder unter sieben Jahren haben vorbehaltslos Anspruch auf eine Tagesbetreuung in einer kommunalen Betreuungsstätte. Zudem können Eltern bezahlten Erziehungsurlaub in Anspruch nehmen, wenn sie am Ende der Elternzeit keine Tagesbetreuung in Anspruch nehmen. Dies ermöglicht Eltern, ein Kind von weniger als drei Jahren zu betreuen, ohne ihre Arbeit aufzugeben. 2015 betrug dieses Basis-Kinderbetreuungsgeld 342,53 Euro pro Kind pro Monat und ist beträchtlich geringer für weitere Kinder, die zu Hause betreut werden. In Abhängigkeit des Einkommens und der Höhe des Familienzuschlags werden bis zu 183,31 Euro gezahlt.

Zudem haben erwerbstätige Eltern die Möglichkeit, ab dem Ende der Elternzeit bis zum Ende des zweiten Schuljahrs des Kindes ihre Arbeitsstunden zu reduzieren. Eine „Flexible Betreuungsunterstützung“ soll die Eltern von Kindern unter drei Jahren dazu ermutigen, in Teilzeit arbeiten zu gehen und sich in Teilzeit um die Kinderbetreuung zu kümmern. Eltern, die maximal 22,5 Stunden pro Woche oder 60 % ihrer normalen Vollzeitstunden arbeiten, erhalten 244,18 Euro und Eltern, die maximal 30 Stunden pro Woche oder 80 % ihrer normalen Vollzeitstunden arbeiten, 162,78 Euro. Während der ersten zwei Schuljahre des Kindes haben die Eltern Anspruch auf eine teilweise monatliche Betreuungsunterstützung von 98,09 Euro, wenn diese maximal 30 Stunden pro Woche arbeiten.

Durch die Kombination verschiedener Leistungen für einen angemessenen Lebensstandard sorgen

Finnland wies 2014 EU-weit mit 15,6 % die drittniedrigste Rate an Kindern zwischen 0 und 17 Jahren auf, die von Armut oder sozialer Exklusion betroffen sind. Im Vergleich zum EU-Durchschnitt von 2,4 % flossen 2013 3,4 % des finnischen Bruttoinlandsprodukts in die finanzielle Unterstützung von Kindern und Familien. Dies macht einen großen Teil der Regierungsausgaben aus. Der größte Anteil hierbei bestand aus den Ausgaben für das Kindergeld und die Tagesbetreuung.

Für Kinder unter 17 Jahren wird ein einheitliches Kindergeld gezahlt. 2015 lag der monatliche Betrag zwischen 95,75 Euro für ein Kind und 174,27 Euro für das fünfte und jedes weitere Kind. Alleinerziehende Eltern erhalten weitere 48,55 Euro pro Kind. Die Höhe des Kindergelds war an den nationalen Rentenindex gebunden, es wurde jedoch festgelegt, dass es zwischen 2013 - 2015 keine Indexerhöhungen geben wird.

Zugang zu erschwinglichen, qualitativ hochwertigen Dienstleistungsangeboten

Ungleichheiten früh verringern durch die Förderung frühkindlicher Erziehung und Betreuung

Alle Kinder unter sieben Jahren haben vorbehaltslos Anspruch auf eine Tagesbetreuung in einer kommunalen Betreuungsstätte. Die monatliche Gebühr lag 2015 je nach Familiengröße und Einkommen zwischen 0 Euro und 283 Euro. Vorschulerziehung für Kinder im Alter von sechs Jahren ist kostenlos. Sie erreicht etwa 96 % der Altersgruppe.

Trotz einer verfügbaren Tagesbetreuung wurden im Jahr 2013 nur 22 % der Kinder unter drei Jahren in offiziellen Vollzeit- und nur 7 % in offiziellen Teilzeit-Kinderbetreuungseinrichtungen betreut. Kinder ab drei Jahren wurden im Jahr 2013 zu 57 % in Vollzeit- und 20 % in Teilzeit-Kinderbetreuungseinrichtungen untergebracht. Somit liegt die Gesamtzahl der Kinder, die noch nicht im schulpflichtigen Alter sind und offizielle Kinderbetreuungseinrichtungen besuchen (29 % der Kinder unter drei Jahren und 77 % der Kinder ab drei Jahren) weiterhin unterhalb der Barcelona-Ziele, ist aber höher als im EU-Durchschnitt.

Den Einfluss des Bildungssystems auf die Gleichheitschancen verbessern

Eines der grundlegenden Prinzipien des finnischen Bildungssystems ist, dass alle Menschen ungeachtet ihres ethnischen Hintergrundes oder wirtschaftlichen Status den gleichen Zugang zu qualitativ hochwertiger Bildung und Ausbildung haben müssen.

In Finnland hat jeder das Recht auf eine kostenlose Grundbildung, einschließlich der notwendigen Ausstattung und Schulbücher, dem Transport zur Schule und dortigen Mahlzeiten. Die Sekundärbildung ist ebenfalls kostenlos: es bestehen keine Gebühren für die allgemeine oder weiterführende Ausbildung, für Fachhochschulen oder Universitäten.

Das Reaktionsvermögen des Gesundheitswesens verbessern, um den Bedürfnissen benachteiligter Kinder zu entsprechen

Die medizinische Grundversorgung wird von kommunalen Gesundheitszentren übernommen. Während des ersten Lebensjahres eines Kindes sind neun Untersuchungen in regelmäßigen Abständen in einer Kinderklinik vorgesehen. Darauf folgen sechs Untersuchungen in der Zeit bis zum schulpflichtigen Alter. Seit 2011 müssen an dreien dieser Termine umfangreiche medizinische Untersuchungen stattfinden, die gemeinsam mit anderen Fachpersonen durchgeführt werden, die in das Leben des Kindes und der Familie eingebunden sind, beispielsweise Mitarbeitern einer Tagesbetreuungsstätte. Ziel ist es, die Gesundheit des Kindes zu überwachen und zu fördern sowie zum Wohlbefinden der gesamten Familie beizutragen.

Ab dem Schulbeginn werden die regelmäßigen Untersuchungen weitergeführt und vom Schulgesundheitswesen geleistet.  Die Untersuchungen in Kinderkliniken, die Untersuchungen, die im Rahmen des Schulgesundheitssystems stattfinden sowie Termine bei Allgemeinmedizinern in Kommunalkliniken sind für Kinder unter 18 Jahren kostenlos.

Kindern eine sichere, angemessene Unterkunft und ein sicheres, angemessenes Lebensumfeld bieten

Der Aktionsplan für die Wohnpolitik von 2012 bis 2015 soll die Anzahl der gebauten Unterkünfte erhöhen und die Wohnbedingungen derer, die besondere Unterstützung benötigen, verbessern. Um zu verhindern, dass die Wohnkosten zu viel unnötigen Druck auf Haushalte mit geringem Einkommen ausüben, unterstützt die finnische Wohnpolitik die Verfügbarkeit erschwinglicher Unterkünfte. Die Ziele der gemeinnützigen Bestimmungen, die Sozialunterkünfte betreffen, sind in die Gesetzgebung eingebunden. Die Maßnahmen der Wohnpolitik streben ebenfalls nach gerechter Verteilung des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wohlstandes zwischen den Wohngegenden.

Die Unterstützung für Familien und die Qualität alternativer Betreuungsumfelder fördern

Kinder unter 16 Jahre haben Anspruch auf Behindertenbeihilfe, wenn sie eine Krankheit oder Verletzung vorweisen können, die Betreuung und Rehabilitation erfordert, die über sechs Monate hinausgeht, eine besondere Belastung darstellt und eine größere Verpflichtung verlangt als die Betreuung eines nicht behinderten Kindes des gleichen Alters.

Partizipationsrecht von Kindern

Die Teilnahme aller Kinder beim Spielen, in der Pause, beim Sport und kulturellen Aktivitäten unterstützen

Sozialhilfe ist das letzte Mittel für ein gesichertes Einkommen. Sie wird normalerweise für jeweils einen Monat gewährt und basiert auf den wesentlichen Ausgaben des Empfängers. Die grundlegende Sozialhilfe basiert auf dem Sozialhilfegesetz und wird jährlich durch den nationalen Pensionsindex angepasst. 2015 belief sich der gesamte Grundbetrag auf 485,50 Euro. Zusätzlich zu Lebensmitteln, Kleidung, geringfügigen Gesundheitsausgaben, Hygiene, Transport, Zeitungen, Fernsehlizenz und Telefongebrauch, müssen die durch den Basisbetrag gedeckten Kosten auch die Ausgaben für Hobbies und die Freizeitgestaltung der Erwachsenen und Kinder mit einschließen.

Mechanismen einführen, die die Beteiligung der Kinder bei Entscheidungen, die ihre Leben beeinflussen, fördern

Seit 2014 sind alle Gesamtschulen in Finnland dazu verpflichtet, einen gesetzlichen Schülerrat zu haben. Das Ziel ist es, die Beteiligung der Kinder bei Entscheidungen in der Schule zu fördern.

Fazit

Die zukünftigen Herausforderungen der Kinderpolitik und des Wohlbefindens der Kinder in Finnland stehen mit der fortwährenden Wirtschaftskrise und der Notwendigkeit, Sparmaßnahmen einzuführen, in Verbindung. Diese Maßnahmen beeinflussen ebenfalls die Unterstützung und Dienstleistungen für Kinder und Familien. Andererseits zielt die im Jahr 2015 gewählte Regierung darauf ab, alle Dienstleistungen für Kinder und Familien umzustrukturieren, um ein stärker integriertes System zu schaffen, das die Bedürfnisse der Kinder und Eltern besser erfüllen kann.

Die Information im Länderprofil wurde zuletzt im Januar 2016 aktualisiert.

Zusammen mit den Schulen hat die Nichtregierungsorganisation Allianssi neun Jugendwahlen parallel zu den offiziellen Wahlen in Finnland organisiert. Die Jugendwahl ist Teil der Demokratieerziehung für Kinder unter 18 Jahre.

Die Nichtregierungsorganisation Save the Children Finland hat ein Programm ins Leben gerufen, das darauf abzielt, die Gleichberechtigung unter Kindern, die Partizipation und eine positive Entwicklung zu fördern, indem es insbesondere Kindern aus Familien mit geringem Einkommen hilft, die Schule zu besuchen und Hobbies nachzugehen. Das Programm beinhaltet Lernmaterialien für Schüler der Sekundarstufe, finanzielle Unterstützung für Hobbies der unter 18-Jährigen und Mentoring zur Förderung der Motivation von Schülern der Sekundarstufe und der 10. Jahrgangsstufe.