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Dänemark: Voraushandelnde Maßnahmen entwickeln, die gefährdete Kinder und ihre Familien unterstützen

Der dänische Sozialstaat verfolgt Möglichkeiten zur Geschlechtergleichstellung für alle Bürger durch eine Reihe an Dienstleistungen und Vorteilen. Die dänische Familienpolitik wurde so entwickelt, dass es das Prinzip der „Doppelverdiener“-Familie bevorzugt und das System daher die Gleichstellung zwischen Frauen und Männern unterstützt. Die meisten Sektoren investieren in universelle Dienstleistungen und Vorteile und fördern zudem gezielte Maßnahmen zur Verbesserung der Lebensbedingungen aller Menschen, z. B. Sozialwohnungen, gerechte gesundheitspolitische Maßnahmen, Missbrauchsprävention etc.

Zugang zu angemessenen Ressourcen

Unterstützung für die Teilnahme von Eltern am Arbeitsmarkt

Das dänische Elternurlaubsystem gehört zu den großzügigsten und flexibelsten in der EU. Müttern stehen 4 Wochen Mutterschaftsurlaub vor dem erwarteten Geburtsdatum und 14 Wochen Mutterschaftsurlaub nach Geburt zur Verfügung. Väter sind zu 2 Wochen Vaterschaftsurlaub innerhalb der ersten 14 Tage nach der Geburt berechtigt. Außerdem hat jedes Elternteil Anspruch auf 32 Wochen Elternurlaub.

Eltern stehen Mutterschaftsleistungen vom Staat für maximal 52 Wochen pro Kind zu, wenn sie die Beschäftigungskriterien des Maternity Leave Act (Mutterschaftsurlaubsgesetz) erfüllen. Die während 32 der 52 Wochen zugesicherten Mutterschaftsleistungen sind der Elternzeit vorbehalten und werden zwischen den Eltern aufgeteilt. Die Gesamtwochenzahl an möglichem Elternurlaub übertrifft die Gesamtwochenzahl an Urlaub. Das bedeutet, dass Eltern ihren Elternurlaub über den Unterstützungszeitraum von 32 Wochen verlängern können, wenn sie dies wünschen.

Der Satz an Mutterschaftsleistungen ist gleichgestellt mit dem des Arbeitslosengeldes. Im Jahr 2015 lag der Satz der Mutterschaftsleistungen bei wöchentlich 4.135 Kronen (ungefähr €554). Vergütungen für die gesamten 52 Wochen betrugen 215.020 Kronen (€28.817) im Jahr 2015. Unbeschäftigte Eltern erhalten weiterhin ihre Sozialleistungen, die geringer ausfallen können als die Mutterschaftsleistungen während der Elternzeit.

Arbeitnehmer haben außerdem das Recht auf Gehaltszahlungen während der gesamten Urlaubszeit oder Teilen ihrer Urlaubszeiten. Das Recht auf Gehaltszahlung durch den Arbeitgeber wird durch Tarifverträge, individuelle Verträge oder Arbeitsplatzvereinbarungen bestimmt. Dabei handelt es sich um eine wichtige Grundlage des dänischen Arbeitsmarktmodells.

Im Falle, dass der Arbeitnehmer sein Gehalt während der Urlaubszeiten weiterbezieht, erhält der Arbeitgeber die Mutterschaftsleistung als Rückvergütung, um so die Gehaltsausgaben während der Urlaubszeit zu verringern.

Arbeitnehmer sind während Mutterschafts-, Vaterschafts- oder Elternurlaub gegenüber Kündigung durch Beweislastumkehr geschützt. Das heißt, dass eine Kündigung während der Freistellung als unrechtmäßig gilt, soweit der Arbeitgeber nicht nachweisen kann, dass die Kündigung unabhängig vom Urlaub ausgesprochen wurde. Der gleiche Schutz trifft auf Arbeitnehmer zu, die ihr Vorhaben für die Nutzung ihres Rechts auf Mutterschafts-, Vaterschafts- oder Elternurlaub bekundet haben.

Angemessene Lebensstandards durch eine Kombination an Leistungen bieten

Dänemark verwendet einen großen Teil des BIP für Familien- und Kindersozialleistungen (4 % im Jahr 2013) – mehr als irgendein anderer EU-Mitgliedstaat zur Unterstützung von Familien bezahlt.

Zu den Geldzuwendungen gehört das allgemeine Kindergeld, das für jedes Kind unter 18 Jahren gezahlt wird und zwischen 1.481 Kronen (€198) pro Monat für Kinder unter drei Jahren und 923 Kronen (€123) für Kinder zwischen sieben und siebzehn liegt. Bei Mehrlingsgeburten werden zusätzliche Leistungen in Höhe von 2.008 Kronen (€296) pro Kind, außer dem ersten, pro Quartal bis zum 7. Lebensjahr des Kindes bereitgestellt. Einige Arten von Adoptionen qualifizieren sich auch für eine einmalige Geldzuwendung in Höhe von 50.871 Kronen (€6.824).

Ein zusätzliches einfaches Kindergeld kann an alleinerziehende Eltern gezahlt werden. Das einfache Kindergeld liegt bei 1.339 Kronen pro Quartal für jedes Kind. Zusätzlich zum allgemeinen Kindergeld erhalten alleinerziehende Eltern, bei denen das Kind lebt, einen zusätzlichen Kinderzuschuss. Unabhängig von der Anzahl der Kinder wird nur ein zusätzlicher Kinderzuschuss gezahlt. Der zusätzliche Kinderzuschuss liegt bei 1.365 Kronen pro Quartal (2015).

Zugang zu bezahlbaren Qualitätsdienstleistungen

Die Investitionen, die die dänische Regierung in ihr Bildungssystem tätigt, zählen zu den höchsten in der gesamten EU. Ein großer Teil dieser Investitionen wird für die frühkindliche Betreuung, Bildung und Erziehung (Early Childhood Education and Care, ECEC) und das öffentliche Grund- und Mittelschulsystem (auf Dänisch: „Folkeskolen“) verwendet.

Gleichberechtigter Zugang zu qualitativ hochwertigen Bildungs- und Betreuungsangeboten

Das dänische ECEC-System ist gut zugänglich und wird von einer Vielzahl an dänischen Eltern in Anspruch genommen. Dementsprechend sind in Dänemark 89 % der Kinder im Alter von 1 bis 2 Jahren und 98 % der Kinder im Alter von 3 bis 5 Jahren in Einrichtungen der frühkindlichen Betreuung, Bildung und Erziehung angemeldet. Der Zugang wird durch die garantierte Verfügbarkeit von Tagestätten gemäß des Tagesstättengesetzes (Day-Care Facilities Act) garantiert, das die Gemeinden dazu verpflichtet, allen Kindern ab dem Alter von 26 Wochen bis zur Einschulung einen Ganztagesplatz in einer Tagesstätte anzubieten.

Die Zahlungen der Eltern werden niedrig gehalten, da sie 25 % der durchschnittlichen Bruttokosten des Betriebs für die bestimmte Art der Kinderbetreuungseinrichtung in der jeweiligen Gemeinde nicht überschreiten dürfen. Um den Zugang für benachteiligte Kinder noch stärker zu sichern, erhalten einkommensschwächere Familien unter einem bestimmten Mindestniveau zusätzlich zu dem allgemeinen Zuschuss für einen Platz in einer Tagesstätte einen weiteren Zuschuss von der Kommunalverwaltung, damit sie nicht so viel zahlen müssen. Eltern kann eine Zuschusszahlung von bis zu 100 % gewährt werden, sodass die Eltern selbst nichts mehr zuzahlen müssen. Ein wesentliches Ziel des dänischen ECEC-Sektors besteht darin, ein zusätzliches, qualitativ hochwertiges Bildungs- und Betreuungsangebot für alle Kinder zu schaffen. Dies kommt insbesondere Kindern aus benachteiligten Verhältnissen zugute.

Neue Reform zur Verringerung der Bedeutung der sozialen Herkunft der Schüler

Eine Reform zur Verbesserung der Standards im öffentlichen Grund- und Mittelschulsystem trat zu Beginn des Schuljahrs im August 2014 in Kraft. Diese beinhaltet drei Hauptziele: 1) Das öffentliche Schulsystem soll alle Schüler dazu herausfordern, ihr volles Potenzial auszuschöpfen, 2) das öffentliche Schulsystem soll die Bedeutung des sozialen Hintergrunds auf die akademischen Leistungen verringern, und 3) das Vertrauen in die Schule und das Wohlbefinden der Schüler soll durch Respekt für professionelles Wissen und professionelle Praktiken verbessert werden.

Die Hauptelemente der Reform sind ein längerer und vielfältigerer Schultag, mehr Unterricht und verbesserter qualitativer Unterricht in beispielsweise Dänisch und Mathe, ein neues Konzept mit unterstütztem Lernen, Kompetenzentwicklung von Lehrern und Schulleitern, Wissen- und Kapazitätsaufbau, Zielsetzung und Überwachung von Fortschritten.

Das Präventivmaßnahmenpaket: Frühe Bemühungen – Lebenslange Wirkungen

2014 führte die dänische Regierung das Präventivmaßnahmenpaket für 2014 bis 2017 ein. Das Paket beinhaltet eine Vielzahl an Initiativen zur frühzeitigen Unterstützung von benachteiligten Kindern. Die Maßnahmen zielen darauf ab, die Bemühungen zur Unterstützung von Kindern und jungen Menschen, die in benachteiligten Familien aufwachsen, zu einem weitaus früheren Zeitpunkt zu stärken.

Im Rahmen des Präventivmaßnahmenpakets hat die dänische Regierung im Juni 2014 einen Gesetzesentwurf verabschiedet, in dem die Bedeutung von frühzeitigen Präventivmaßnahmen hervorgehoben wird. Das Gesetz ist seit Oktober 2014 in Kraft. Die Gesetzesänderung stellt eine bedeutende Verbesserung von Paragraph 11 im Sozialleistungsgesetz (konsolidierte Fassung) dar. Paragraph 11 ist nun ein „Präventionsparagraph“, der die kommunalen Verpflichtungen im Hinblick auf Vorsichtsmaßnahmen gegen die Vernachlässigung von Kindern und jungen Menschen erläutert.

Das Recht des Kindes auf Teilhabe

Der dänische Staat hat bis Ende 2014 in 23 Gemeinden mit 80 Millionen Kronen ein „Activity Green Card“-Projekt unterstützt. Das Ziel des Projekts ist es, sozial gefährdeten Kindern und jungen Menschen, die nicht an Freizeitaktivitäten teilnehmen, eine Möglichkeit zu bieten, an verschiedenen Arten von Freizeitbeschäftigungen wie Sport, musikalischer Erziehung, Pfadfindervereinen usw. teilzunehmen. Die Erfahrungen im Zusammenhang mit diesem Projekt werden jetzt mithilfe des Präventionsmaßnahmenpakets in verschiedenen anderen Gemeinden umgesetzt.

Schlussfolgerung

Dänemark ist eine Gesellschaft mit Chancengleichheit, wobei soziale, wirtschaftliche und gesundheitsbezogene Herausforderungen weiterhin von Generation zu Generation weitergereicht werden. Initiativen zielen auf die Prävention von generationsübergreifenden Zyklen von Armut und sozialer Ausgrenzung als ein wichtiger Schritt für eine positive Veränderung für Kinder und junge Menschen in Dänemark ab. Deshalb arbeitet die Regierung darauf hin, bessere Lebensbedingungen für die gefährdetsten Gruppen und dabei effektive Chancengleichheit für alle Kinder und jungen Menschen zu schaffen.

Die Information im Länderprofil wurde zuletzt im Februar 2016 aktualisiert.

Das Präventionsmaßnahmenpaket: Frühzeitige Unterstützung – Lebenslange Auswirkungen

Das Präventivmaßnahmenpaket besteht aus den folgenden Maßnahmen:
•    Stärkung der elterlichen Kompetenzen durch präventive, familienorientierte Bemühungen
•    Strategische Partnerschaften zwischen Gemeinden und Freiwilligenorganisationen hinsichtlich präventiver Bemühungen für benachteiligte Kinder und junge Menschen
•     Stärkung frühzeitiger Maßnahmen im Hinblick auf benachteiligte Kinder in Tagesstätten
•     Ausweitung des Einsatzes von Freizeitaktivitäten für benachteiligte Kinder und junge Menschen durch die Gemeinden als präventive Maßnahme

Gemeinden können eine Förderung beantragen, um diese Maßnahmen zu testen oder umzusetzen. Zudem hat der nationale Ausschuss für Sozialdienstleistungen (National Board of Social Services) eine Vereinbarung mit verschiedenen Gemeinden getroffen, die darauf abzielt, einen innovativen Aktionsplan zu erarbeiten, um frühzeitige und präventive Maßnahmen im Zusammenhang mit Kindern und jungen Menschen zu fördern.

Frühzeitigere, präventive und effizientere Maßnahmen

Gemeinsam mit den politischen Parteien, die hinter dem „Kostenanpassungspool“ (auf Dänisch: „Satspuljen“) für 2016 stehen, hat die dänische Regierung für den Zeitraum zwischen 2016 und 2019 96 Millionen Kronen bereitgestellt. Diese sollen eingesetzt werden, um die Gemeinden dabei zu unterstützen, ihr Aktivitätenangebot für benachteiligte Kinder und junge Menschen umzustrukturieren, sodass frühzeitigere, präventive und effizientere Maßnahmen ergriffen werden.