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Dänemark: Auf dem Weg zu idealen Bedingungen für eine Vereinbarkeit von Beruf und Familie

Laut Angaben einer Eurobarometer-Umfrage gehören die Dänen zu den Europäern, die am glücklichsten mit ihrem Familienleben sind. Gleitzeitarbeit, universelle Bereitstellung von Kinderbetreuungsplätzen, umfassende Rechte auf Freistellung und großzügige individuelle Sozialleistungen sind die Hauptelemente der dänischen Politik, die auf Unterstützung der Familie abzielt. Diese günstigen Bedingungen spiegeln sich in einem hohen Grad an Geschlechtergleichstellung im Erwerbsleben und dem höchsten Anteil berufstätiger Frauen in der EU wieder. Mit 1,75 Kindern pro Frau im Jahr 2011 ist die Geburtenrate im Vergleich zu anderen EU-Ländern hoch, und dänische Kinder wurden von UNICEF als zu den glücklichsten der Welt gehörend eingestuft.

 

Ein hoher Grad an Gleichstellung der Geschlechter auf dem Arbeitsmarkt

Mit 70,4 % im Jahr 2011 war die Beschäftigungsrate von Frauen die zweithöchste in der EU und lag nur 5 % unter der von Männern. Laut Angaben der OECD ist die Beschäftigungsrate von Müttern mit Kindern unter sechs Jahren außerdem mit 79 % die höchste in der EU. Frauen und Männer in Dänemark arbeiten weniger Stunden pro Woche als der EU-Durchschnitt: 32,1 und 37,9 Stunden im Vergleich zu 37,5 und 44,1; die Differenz zwischen den Arbeitsstunden von Frauen und Männern ist somit auch kleiner als für die EU insgesamt.

Flexible Beschäftigungsformen wurden umfassend sowohl von Frauen als auch von Männern genutzt. 2011 waren 37,6 % der Frauen und 15,3 % der Männer teilzeitbeschäftigt und lagen damit über dem EU-Durchschnitt von 32,1 % und 9 %. Mit 16 % im Jahr 2010 entsprach das Lohngefälle zwischen den Geschlechtern in etwa dem EU-Durchschnitt.

Seit 2002 gilt das Recht auf Teilzeitbeschäftigung ungeachtet anderer, in Tarifverträgen niedergelegter Bestimmungen. Beschäftigte sind außerdem vor Entlassung geschützt, wenn sie einen Antrag auf Teilzeitarbeit stellen.

Langer und flexibler Elternurlaub

Das dänische Elternurlaubsystem gehört zu den großzügigsten und flexibelsten in der EU. Insgesamt stehen Eltern 52 Wochen (1 Jahr) Freistellung von der Arbeit (Mutterschafts-, Vaterschafts- oder Elternurlaub) zur Verfügung. Die Vergütung während der Freistellung richtet sich nach der Beschäftigungssituation des Arbeitnehmers / der Arbeitnehmerin und den Tarifvertragsbedingungen: in bestimmten Fällen kann sie den vollen Umfang des Gehalts für die Dauer der Freistellung umfassen.

Müttern stehen vier Wochen Mutterschaftsurlaub vor der Entbindung und 14 Wochen nach der Geburt zur Verfügung. 2008 betrug die durchschnittliche Dauer des Mutterschaftsurlaubs 7,4 Monate. Allen Eltern mit neugeborenen Kindern stehen außerdem ein Gesundheitsberater und sechs bis sieben Beratungen zur Verfügung, bis das Baby 18 Monate alt ist. Darüber hinaus sind Väter nach der Geburt eines Kindes zu zwei Wochen Urlaub berechtigt. Fast alle Väter nehmen Vaterschaftsurlaub in Anspruch, doch stellt dieser nur 8 % der kombinierten Freistellung (Mutterschafts-, Vaterschafts- und Elternurlaub), die von Müttern und Vätern beansprucht wird, dar.

Beide Eltern haben Anspruch auf 32 Wochen bezahlten Elternurlaub, und zwei weitere Wochen ohne Bezahlung. Arbeitnehmer können die 32 Wochen auf 46 Wochen mit reduzierter Vergütung verlängern, Arbeitslose auf 40 Wochen. Wenn der Arbeitgeber damit einverstanden ist, können die Eltern den Elternurlaub teilen, so dass beide in der Lage sind, halbtags zu arbeiten.

Eltern, deren Kinder vor dem 27. März 2002 geboren wurden, können Kinderbetreuungsurlaub nehmen, um sich bis zu 52 Wochen lang um ihre Kinder unter neuen Jahren zu kümmern, egal ob sie beschäftigt oder arbeitslos sind. Während des Kinderbetreuungsurlaubs ist der betreffende Elternteil zu Vergütungen von 60 % des höchsten Arbeitslosengeldsatzes (3,625 Kronen pro Woche (€486) im Jahr 2008) berechtigt. Das System wurde kürzlich (seit 2011) zugunsten eines anderen Systems, bei dem Eltern 8-13 Wochen ihres Elternurlaubs verschieben können, um ihr Kind zu betreuen, bevor es seinen neunten Geburtstag vollendet, aufgegeben.

Höchste Zahl an Kinderbetreuungseinrichtungen in der EU

Laut einer Eurofound-Umfragepdf nehmen 79 % der dänischen Mütter, die Elternurlaub in Anspruch nehmen,  ihre Arbeit in gleichem Umfang wieder auf. Kinderbetreuungseinrichtungen von hoher Qualität sind ein wichtiger Faktor, der Müttern hilft, an ihre Stelle zurückzukehren. Die Gebühren sind einkommensabhängig: Einkommensschwächere Familien bezahlen einen reduzierten Tarif oder erhalten die Betreuungsdienste kostenlos.

2008 befanden sich 78% der Kinder unter drei Jahren und 90% der Kinder zwischen drei Jahren und dem Schulpflichtalter in formeller Kinderbetreuung. 68 % und 75 % der Kinder beider Altersgruppen gingen 30 Stunden pro Woche oder mehr in eine Betreuungseinrichtung. Die Zahlen liegen über den  in Barcelona formulierten Zielsetzungen für Kinderbetreuungseinrichtungen und den EU-Durchschnitten von 28 % und 83 %.

Die höchsten Ausgaben für Familienleistungen in der EU

2009 beliefen sich die Ausgaben für Familiensozialleistungen auf 4,2 % des dänischen BNP – mehr als irgendein anderer EU-Mitgliedstaat zur Unterstützung von Familien bezahlt. Der größte Teil davon – 3,96 % - besteht aus bedarfsunabhängigen Leistungen.

Zu den Geldzuwendungen gehören das allgemeine Kindergeld, das für jedes Kind unter 18 Jahren gezahlt wird und zwischen 1,408 Kronen (€189) pro Monat für Kinder unter zwei Jahren und 880 Kronen (€118) für Kinder zwischen sieben und siebzehn liegt. Bei Mehrlingsgeburten werden zusätzliche Leistungen in Höhe von 2.006 Kronen (€269) pro Kind pro Quartal bis zum 7. Lebensjahr des Kindes bereitgestellt. Einige Arten von Adoption qualifizieren sich auch für eine einmalige Geldzuwendung in Höhe von 46.214 Kronen (€6.203).

Mit 10,9 % gehörte die Kinderarmutsrate in Dänemark zu den niedrigsten in Europa. 2007 verlieh UNICEF Dänemark einen Platz unter den drei Spitzenreitern im Hinblick auf das Wohlergehen des Kindes.

Bessere Vereinbarkeit von Arbeits- und Privatleben: sich bemühen, es noch besser zu machen

Eine bessere Vereinbarkeit von Arbeits- und Privatleben steht weiterhin ganz oben auf der politischen Agenda.

Im Jahr 2005 führte das Bewusstsein für diese Fragen dazu, dass die dänische Regierung eine Kommission zum Berufs- und Privatleben einsetzte, die damit beauftragt war, die Probleme, die Dänen daran hinderten, ein ausgewogenes Gleichgewicht zwischen Berufs- und Privatleben zu erreichen, zu identifizieren.

Im Anschluss daran setzte die dänische Regierung eine Reihe von Empfehlungen des Komitees um. Diese und andere wichtige Initiativen umfassten:

  • Längerer und flexiblerer Mutterschaftsurlaub
  • Garantiert verfügbare Betreuung für alle Kinder ab sechs Monaten bis zum Schulalter
  • freie Wahl des Kinderbetreuungssystems
  • ein gesundes Mittagessen für alle Vorschulkinder in Kindertagesstätten
  • Abschaffung isolierter Ruhetage in Kindertagesstätten
  • Erweiterung des Ersatz-Großeltern-Programms
  • Einführung eines Ausgewogenheitspreises für Unternehmen, die der Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben Vorrang geben

Die in diesem Länderprofil enthaltenen Angaben wurden im Dezember 2012 letztmalig aktualisiert.

Beratungszentren, die Jugendlichen und jungen Erwachsenen bei der Berufswahl helfen

Dänemark hat ein System eingerichtet, das in erster Linie dazu dienen soll, jungen Leuten bis zum Alter von 25 den Übergang von der obligatorischen Schulausbildung zur Jugendbildung oder, alternativ dazu, zum Arbeitsmarkt zu erleichtern. Das System existiert seit 2004. Kernziel der dänischen Regierung ist es, jungen Leuten dabei zu helfen, in ihrem eigenen Interesse und dem der Gesellschaft insgesamt eine realistische Entscheidung über ihre Ausbildungsmöglichkeiten und Karriere zu treffen.

Innerhalb dieses Framework 45 wurden Berufsinformationszentren in ganz Dänemark eingerichtet. Die Betriebskosten der Zentren, die sich auf rund €70 Mio. pro Jahr belaufen, werden alle von den dänischen Stadtverwaltungen getragen.

Die Beratungsaktivitäten umfassen die Diskussion der individuellen Pläne von Schülern, die Veranstaltung von Gruppensitzungen und die Bereitstellung allgemeiner Informationen über zukünftige Ausbildungs- und Berufsoptionen. Die Berufsinformationszentren arbeiten eng mit Primär- und Hauptschulen, lokalen Unternehmen und öffentlichen Arbeitsvermittlungsstellen (Arbeitsämtern) zusammen.