Navigationsleiste

Weitere Extras

  • Druckversion
  • Text verkleinern
  • Text vergrößern

Bulgarien – Wichtige politische Ansätze und Maßnahmen zur Förderung des Wohlbefindens von Kindern

Dieser Abschnitt liefert eine kurze Übersicht über die zentralen Maßnahmen, die im Bereich des Kindeswohls während des Berichtszeitraums umgesetzt wurden. Abgedeckt werden dabei einige der Hauptaspekte dieser Maßnahmen zur Unterstützung von Kindern und Familien – die Förderung von Eltern bei der Teilnahme am Arbeitsmarkt; die Bereitstellung qualitativ hochwertiger Dienstleistungen für Familien bzw. in deren Umfeld; die Investition in frühkindliche Betreuung; die Förderung der Partizipation von Kindern an Entscheidungen, die Auswirkungen auf ihr Leben haben usw. Besonderes Augenmerk wurde dabei auf die Bereitstellung vielschichtiger Unterstützung für Kinder und Familien gelegt. Der Zusammenhang zwischen den zentralen Prioritäten und den Herausforderungen in diesem Bereich ist ebenfalls zu berücksichtigen.

Zugang zu angemessenen Ressourcen

Förderung der Teilnahme von Eltern am Arbeitsmarkt

Maßnahmen im Rahmen des Arbeitsförderungsgesetzes, die auf die Förderung der Teilnahme von Eltern am Arbeitsmarkt abzielen und im Jahr 2013 weitergeführt werden. Die Kosten, die für Arbeitgeber aufgrund von Lohnzahlungen und Sozialabgaben für jeden neugeschaffenen Arbeitsplatz entstehen, der von den nachfolgend beschriebenen Personen besetzt wird, werden mit Mitteln des Staatshaushaltes finanziert:
• Erwerbslose Alleinerziehende und/oder Mütter mit Kindern unter drei Jahren;
• Erwerbslose Mütter (Adoptierende) mit Kindern zwischen drei und fünf Jahren.

Dank dieser Maßnahmen haben im Jahr 2013 690 Eltern und/oder Mütter den Weg in die Erwerbstätigkeit gefunden. In der ersten Jahreshälfte 2014 stieg diese Zahl auf 162.

Laut Daten, die im Zuge der EU-SILC erhoben wurden, betrug die Erwerbsquote von Frauen zwischen 15 und 64 Jahren im Jahr 2012 56,3 % im Vergleich zum EU-28-Durchschnitt von 58,5 %.

Zugang zu erschwinglichen, qualitativ hochwertigen Dienstleistungsangeboten

Reduzierung von Chancenungleichheit bereits in jungen Jahren durch Investitionen im Bereich Erziehung, Bildung und Betreuung im frühen Kindesalter (ECEC)

Die Investition im Bereich Erziehung, Bildung und Betreuung im frühen Kindesalter (ECEC) zählt zu den Hauptprioritäten der Regierung. Die Bemühungen Bulgariens, für den Bereich der frühkindlichen Entwicklung für Kinder zwischen 0 und 7 Jahren integrierte Handlungsstrategien zu erarbeiten und umzusetzen, werden von dem 2010 ins Leben gerufenen Projekt zur sozialen Inklusion unterstützt. Im Zuge der Umsetzung des Projekts werden die Gemeinden damit beginnen, eine neue Form integrierter Dienstleistungen für Kinder und Familien anzubieten. Seit Einführung des Projekts wurden in 29 Gemeinden insgesamt 1868 neue Plätze in Kinderkrippen und -gärten geschaffen. 19 Gemeinden haben im Rahmen des Projekts bereits Kinderkrippen und -gärten in Betrieb genommen – ebenso eingeführt wurde das Angebot „Integration von Kindern in Kindergärten und Vorschulgruppen/-klassen“. Während der Sommerferien 2014 haben 30 Gemeinden das Dienstleistungsangebot „Zusätzliche pädagogische Unterstützung für einen gleichberechtigten Start in die Schullaufbahn“ (“Additional pedagogical support for equal start at school") eingeführt. Bis Ende 2014 werden alle im Rahmen der Gemeindeprojekte angebotenen Dienstleistungen verfügbar ein.

Verbesserung der Auswirkung des Bildungssystems auf das Thema Chancengleichheit

Das Ministerium für Bildung und Wissenschaft ist Begünstigter des Projekts „Integrative Bildung” im Rahmen des OP HRD, welches durch ESF-Mittel mitfinanziert wird. Mit diesem Projekt sollen die Einstellungen gegenüber integrativer Bildung geändert und die Entwicklung einer Schulkultur auf Grundlage von Toleranz für Vielfalt ermöglicht werden, indem Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf unterstützt werden. Aktuell wird zusätzliche pädagogische Unterstützung für Kinder und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf angeboten, die in die Regelschulbildung eingebunden sind.

Im Juli 2014 hat der Ministerrat eine nationale Strategie zur Integration von Begünstigten des internationalen Schutzes in der Republik Bulgarien für 2014 bis 2020 verabschiedet. Der Aktionsplan für die Umsetzung dieser Strategie umfasst Maßnahmen zur Sicherstellung eines gleichberechtigten Zugangs zu qualitativer Bildung für Kinder und Jugendliche, die internationalen Schutz suchen oder genießen, wobei die Erlernung der bulgarischen Sprache und allgemeiner Fächer Schwerpunkte ausmachen.

Bedarfsgerechtere Gestaltung von Gesundheitssystemen, um den Bedürfnissen benachteiligter Kinder gerecht zu werden

Im Juli 2014 hat der Ministerrat ein nationales Programm zur Verbesserung der Gesundheitsfürsorge für Mütter und Kinder verabschiedet. Dieses Programm sieht die Einrichtung von Zentren für integrierte Gesundheits- und Beratungsdienstleistungsangebote vor – eine zusätzliche Gesundheitsfürsorge für Mütter und Kinder, die über die Dienstleistungen von Krankenhäusern in den einzelnen Verwaltungsbezirken Bulgariens hinausgeht. 2014 wurde im Rahmen eines gemeinsamen Pilotprojekts des Gesundheitsministeriums und der UNICEF ein Zentrum für Gesundheitsfürsorge für Mütter und Kinder in Schumen eröffnet, in dem Gesundheitsfürsorge für gefährdete Schwangere, Neugeborene und Kinder bis zu drei Jahren angeboten wird. Zudem werden für Siedlungen, in denen der Großteil der Einwohner der Roma-Bevölkerung angehört, jährlich Gelder für die Durchführung kostenloser Gesundheitsscreenings zugeteilt, welche in mobilen Untersuchungszimmern vorgenommen werden. Im Jahr 2013 wurden mithilfe mobiler Pädiatrie-Praxen 2706 prophylaktische Untersuchungen bei Roma-Kindern durchgeführt. Bei ungefähr 16 % der so untersuchten Kinder wurden Erkrankungen festgestellt.

Stärkere Unterstützung von Familien und bessere Qualität alternativer Betreuungseinrichtungen

Die Bereitstellung finanzieller Unterstützung ist ein wichtiges Mittel zur Förderung von Kindern und Familien. Gelder in Höhe von über einer halben Milliarde BGN wurden vom Staatshaushalt für das Jahr 2014 zur Zahlung von Familienleistungen bereitgestellt.

Während des Berichtszeitraums wurden eine Reihe von Maßnahmen zur Förderung von Kindern und Familien umgesetzt und die Beträge verschiedener Leistungen erhöht (dazu zählen die Ausgleichszahlungen für Mutterschaftsurlaub zwecks der Betreuung von Kindern zwischen ein und zwei Jahren; die Höhe des Monatsgeldes für Kinder mit einer dauerhaften Behinderung unter 18 Jahren; die einmalige gezielte Zulage für Schulkinder, die im Schuljahr 2013/2014 das erste Schuljahr an staatlichen oder städtischen Schulen absolvieren sowie die monatliche Zulage für Kinder bis zu deren Schulabschluss – für das jeweils zweite Kind einer Familie). Laut Daten der EU-SILC machten die Sozialschutzleistungen (Familien- bzw. Kinderschutz) im Jahr 2011 1,9 % des BIP aus. Im Vergleich dazu lag der EU-28-Durchschnitt bei 2,2 %.

Die Umsetzung des Deinstitutionalisierungsprozesses der Kinderbetreuung dauert weiter an und es gibt konkrete Ergebnisse, die aus der Implementierung der fünf Projekte resultieren, die im Aktionsplan für die Umsetzung der nationalen Strategie „Vision für die Deinstitutionalisierung der Kinder in Bulgarien“ hinsichtlich der Entwicklung alternativer Dienstleistungsangebote, des Ausbaus der Pflegeunterbringung, der Stärkung der administrativen Kapazitäten usw. dargelegt sind.

Die Deinstitutionalisierung hat einen konstanten Anstieg der Anzahl an gemeindebasierten Dienste im sozialen Bereich für Kinder (am 31.07.2014 waren es 389) und gleichzeitig einen Rückgang in der Anzahl an spezialisierten Einrichtungen (davon gab es am 31.07.2014 noch 72) zur Folge.

Partizipationsrecht von Kindern

Einführung von Maßnahmen, die die Partizipation von Kindern an Entscheidungsprozessen fördern, die Auswirkungen auf ihr Leben haben

Seit 2012 steuert die staatliche Kinderschutzbehörde (The State Agency for Child Protection (SACP)) eine vierstufige Maßnahme zur Förderung der Partizipation von Kindern in 3 Regionen und 8 Gemeinden. Bisher wurden 17 schuleigene und 8 gemeindeeigene Kinderräte sowie ein regionaler Rat ins Leben gerufen. Die Verfahrensregeln des nationalen Kinderrates wurden in Anlehnung an die Eingliederung der Maßnahme zur Förderung der Partizipation von Kindern überarbeitet. Diese Maßnahme bietet vielen Kindern die Möglichkeit, an Entscheidungsprozessen teilzunehmen, und deren Auswertung wird Ende 2014 abgeschlossen sein.

Zukunftsprognose

Eine der wichtigsten Herausforderungen, die in der Empfehlung identifiziert wurden, ist das Thema Kinderarmut. Um diese Herausforderung angehen zu können, bedarf es der Implementierung eines sektorenübergreifenden Ansatzes. Vorschläge für Maßnahmen zur Bekämpfung von Kinderarmut umfassen unter anderem: Die Förderung der Teilnahme von Eltern am Arbeitsmarkt, Zugang zu erschwinglichen und qualitativ hochwertigen Dienstleistungsangeboten im Bereich Betreuung, Investitionen im Bereich Erziehung, Bildung und Betreuung im frühen Kindesalter und die Förderung der Partizipation von Kindern an Entscheidungsprozessen. Eine weitere Voraussetzung für die Bekämpfung von Kinderarmut ist die Verbesserung der Koordination und Interaktion zwischen den unterschiedlichen Systemen (Bildung, Soziales, Gesundheit usw.).

Die Entwicklung integrierter Dienstleistungsangebote für frühkindliche Entwicklung sowie innovativer sektorenübergreifender Dienstleistungsangebote für Kinder und Familien zählt zu den Hauptprioritäten der eingeführten Maßnahmen im Bereich des Kindeswohls. Derartige Maßnahmen sind in der nationalen Strategie zur Armutsreduzierung und Förderung sozialer Inklusion 2020 sowie im nationalen Entwicklungsprogramm für Bulgarien 2020, Priorität 2 „Reduzierung von Armut und Förderung sozialer Integration“ dargelegt. Die Innovation dieser Dienstleistungen besteht im Wesentlichen darin, dass diese Form der Zusammenarbeit unterschiedlicher Experten und der Art der Dienstleistungen – sozial, gesundheitsbezogen, pädagogisch – miteinander integriert werden. Des Weiteren wird die Umsetzung dieser Maßnahmen dabei helfen, den besonderen Bedürfnissen von Kindern gerecht zu werden, da sie deren soziale Integration fördern und ihren Familien Unterstützung bieten.