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Belgien: Führend in der Vorschulerziehung

Die Belgier sind weitaus zufriedener mit ihrem Familienleben als der europäische Durchschnitt: 92 % der Belgier sagen über sich, dass sie „sehr oder recht zufrieden“ sind. Dies steht möglicherweise in Zusammenhang mit einer Reihe von familienfreundlichen und die Chancengleichheit fördernden Gesetzen, die sich insbesondere auf den Bereich der Vorschulerziehung konzentrieren. Ab dem Alter von drei Jahren ist diese kostenlos und 98 % aller Kinder besuchen offizielle Kinderbetreuungs- oder Vorschuleinrichtungen. Die Zahl der Personen, die von Armut oder sozialer Exklusion betroffen sind, stieg 2012 jedoch leicht an (auf 23,4 %).

Zugang zu angemessenen Ressourcen

Elternzeit

Es gibt verschiedene Arten der Elternzeit: Acht Monate Vollzeit-Abwesenheit von der Arbeit, acht Monate, in denen in Teilzeit gearbeitet wird oder 20 Monate, in denen im Umfang von 80 % der normalerweise anfallenden Arbeitsstunden gearbeitet wird. Diese verschiedenen Modalitäten können von beiden Eltern in Anspruch genommen und flexibel kombiniert werden. Beispielsweise wäre es möglich, einen Monat gar nicht und dann sechs Monate in Teilzeit zu arbeiten. Nach der Elternzeit nehmen beinahe die Hälfte der Frauen (49 %) ihre Tätigkeit wieder auf und arbeiten genauso viele Stunden wie vor der Elternzeit. Nur 2 % kehren nicht an ihren Arbeitsplatz zurück (ein Wert, der deutlich unter dem EU-Durchschnitt von 10 % liegt).

Unterbrechung der Berufstätigkeit

Auf der Grundlage eines Programms für die Unterbrechung der Berufstätigkeit, das 1985 eingeführt wurde, hat die belgische Regierung 2002 ein neues „Zeitguthaben“-Programm eingeführt, das Arbeitnehmern in der Privatwirtschaft den Ausgleich von Berufs- und Privatleben erleichtern soll. Ihnen werden Ausgleichszahlungen auf der Grundlage ihres Alters und der Anzahl der Jahre, die sie bereits für ihren derzeitigen Arbeitgeber arbeiten, gezahlt, die das reduzierte Einkommen ausgleichen sollen. Für Angestellte der verschiedenen Ebenen der öffentlichen Hand wird das System für die Unterbrechung der Berufstätigkeit weitergeführt. 

2012 wurde das System aufgrund von Budgetbeschränkungen reformiert.

Es ermöglicht Arbeitnehmern in der Privatwirtschaft,

- sich bis zu drei Jahre von der Arbeit freistellen zu lassen, die Arbeitsstunden deutlich herabzusetzen, um Kinder zu erziehen, erkrankte Verwandte zu pflegen oder dazu, sich weiterzubilden, ohne dass der Arbeitsvertrag ungültig wird oder die Ansprüche auf Sozialversicherungsleistungen gefährdet werden.

- bis zu fünf Jahre lang weniger zu arbeiten, was in der Regel die Umstellung einer Fünf- auf eine Vier-Tage-Woche bedeutet.

-  ihre Arbeitszeit weiter zu reduzieren. Dies gilt für Arbeitnehmer im Alter von 51 Jahren und älter bis hin zu einer Teilzeitbeschäftigung auf unbestimmte Zeit.

Die Arbeitnehmer, die das Programm in Anspruch nehmen und sich für eine Vier-Tage-Woche entscheiden, erhalten eine pauschale Leistung in Höhe von 102,95 Euro pro Monat. 576,40 Euro pro Monat erhalten diejenigen, die ihre Berufstätigkeit unterbrechen, nachdem sie fünf Jahre lang für ein Unternehmen tätig waren.

Mutterschaftsurlaub

Mütter haben ein Recht auf bezahlten Mutterschaftsurlaub (15 Kalenderwochen). Dies ist im Vergleich zu anderen europäischen Ländern wenig. Acht Wochen dieses Mutterschaftsurlaubs müssen nach der Geburt und mindestens eine Woche vor dem voraussichtlichen Geburtstermin des Kindes in Anspruch genommen werden.

Die Leistung, die während des Mutterschaftsurlaubs gezahlt wird, beträgt in den ersten 30 Tagen 82 % und während der restlichen Zeit 75 % des Gehalts. Väter können zehn Tage lang in Vaterschaftsurlaub gehen. Sieben dieser Tage werden von der Sozialversicherung (bis zu einer festgelegten Obergrenze) im Umfang von 82 % des Gehalts des Vaters getragen.

Sozialleistungen

2011 beliefen sich die Ausgaben der Regierung für Sozialleistungen für Familien auf 2,3 % des Bruttoinlandsprodukts und lagen somit über dem EU-Durchschnitt von 2,2 %. Für das Erstgeborene wird eine einmalige „Geburtenzulage“ in Höhe von 1.199,10 Euro gezahlt. Für jedes weitere Kind werden 902,18 Euro gezahlt. Die „allgemeinen Familienleistungen“ werden monatlich und in Abhängigkeit von der Anzahl sowie dem Alter der Kinder und dem Beschäftigungsstatus der Eltern gezahlt. Darüber hinaus gibt es weitere Sozialzuschläge, beispielsweise für behinderte Kinder und Alleinerziehende.

Gleichberechtigung der Geschlechter

2012 gingen 43,6 % der Frauen einer Teilzeitbeschäftigung nach (mehr als der EU-Durchschnitt, der bei 32,5 % lag). Die Gesamterwerbstätigkeitsquote der Frauen lag bei 56,8 % im Vergleich zum EU-Durchschnitt von 58,5 %.  Im gleichen Jahr lag die Frauenerwerbstätigkeitsquote von Müttern mit Kindern unter sechs Jahren mit 68,4 % oberhalb des EU-28-Durchschnitts von 59,1 %. Auch die Erwerbstätigkeitsquote der Männer lag mit 86,8 % oberhalb des EU-Durchschnitts von 86,0 %.

63 % der Belgier sind mit ihrem Familienleben „sehr zufrieden“. Dieser Wert liegt deutlich über dem EU-Durchschnitt von 52 %. Diese Werte wurden einer 2008 durchgeführten Eurobarometer-Studie zum Thema Familienleben pdf Übersetzung für diesen Link wählen entnommen. Allerdings gaben 47 % der Teilnehmer an, dass sie es sehr oder recht schwierig fänden, Arbeit und Familie zu vereinbaren. 

Zugang zu erschwinglichen, qualitativ hochwertigen Dienstleistungsangeboten

Frühkindliche Bildung, Erziehung und Betreuung

2011 wurden für 39 % der Kinder unter drei Jahren und für 98 % der Kinder zwischen drei Jahren und dem Schulpflichtalter offizielle Kinderbetreuungsangebote in Anspruch genommen. Diese Zahlen liegen über den Barcelona-Zielen der EU hinsichtlich Kinderbetreuung und über dem jeweiligen EU-Durchschnitt von 30 % und 83 %.

Integrale Prävention

2007 wurde das Programm zur Unterstützung der Kindererziehung in der Region Flandern von der Regierung anhand eines Dekrets formal verabschiedet. In dem Programm wird Unterstützung zur Kindererziehung als „leicht zugängliche, grundlegende Unterstützung der Kindererziehung für Eltern und Personen, die mit der Betreuung von Kindern beauftragt sind“ beschrieben. Diese neue Entwicklung bedeutet, dass die Unterstützung der Kindererziehung nun für jeden verfügbar ist, der Kinder oder Jugendliche erzieht. Die meisten Dienstleistungen, die das Programm bietet, sind für alle verfügbar, die der definierten Zielgruppe des Programms entsprechen, andere sind insbesondere für bedürftige Familien gedacht. Das Dekret bildet die gesetzliche Grundlage für die Unterstützung der Kindererziehung in Flandern und beschreibt viele verschiedene Ebenen, auf denen die Unterstützung der Kindererziehung erfolgen kann. Hierzu gehören die Unterstützung auf lokaler sowie regionaler Ebene, die Bereitstellung von Workshops zum Thema Kindererziehung und von Koordinatoren für die Unterstützung der Kindererziehung in Flandern, Zentren für die Unterstützung der Kindererziehung auf Bezirksebene und ein Zentrum, in dem Experten in Bezug auf Themen im Zusammenhang mit der Kindererziehung beraten – das EXPOO. 

Partizipationsrecht von Kindern

Die Partizipation von hilfsbedürftigen Kindern

UNICEF Belgien hat mithilfe ihres „What do you think“-Projekts die aktive Partizipation der Kinder gefördert, die Hilfe am dringendsten benötigen (minderjährige Ausländer, behinderte Kinder, Kinder, die in Armut leben, psychiatrisch betreute Kinder etc.), damit diese ihre Meinungen zu Themen, die sie betreffen, ausdrücken und ernst genommen werden können. Junge Menschen, die in Armut leben, halten sich selbst nicht für arm. Sie fühlen sich aufgrund eines negativen Bildes, das die Gesellschaft von ihnen hat, ausgeschlossen. Sie sind nicht die Ursache der Probleme, sondern stellen vielmehr einen Teil der Ressourcen dar, die zur Lösung dieser benötigt werden. 

Auf der Grundlage realer Erfahrungen hat UNICEF Belgien mehrere praktische Empfehlungen auf verschiedenen Ebenen formuliert. Zudem wurde ein Handbuch zur Durchführung von Partizipationsprojekten mit Kindern, die in Armut leben, veröffentlicht.

Ausblick

UNICEF Belgien warnte kürzlich vor der steigenden Kinderarmutsquote in Belgien. Als weiteres Warnsignal können die steigende Kindersterblichkeitsrate, die sinkende Alphabetisierungsrate und der schwierige Zugang zu dem Wohnungsmarkt interpretiert werden. 

Eine große Herausforderung auf institutioneller Ebene wird die sechste belgische Staatsreform darstellen, in deren Rahmen Zuständigkeiten im Umfang von 17 Milliarden Euro von der Bundesebene an die Kommunen und Regionen übertragen werden. Die Regionen werden für Wirtschafts- und Bildungsthemen und die Gemeinden für die Familienpolitik zuständig sein. 

Die Information im Länderprofil wurde zuletzt im Februar 2014 aktualisiert. 

Innovation und Exzellenz in der Bildung (PIEO).

PIEO zielt primär darauf ab, die Lernleistung, den Lerngewinn und das Wohlbefinden aller Schüler einer bestimmten Zahl an Schulen zu steigern, die als „Konzentrationsschulen“ bezeichnet werden.  Ein wichtiges Ziel besteht darin, die gesammelten Erfahrungen und Erkenntnisse auf das gesamte Bildungssystem Flanderns zu übertragen.

PIEO wird auf drei Ebenen Innovationen hervorbringen: in der Umgebung jedes einzelnen Kindes, im Bereich der Lernumgebung (Klassenzimmer) und auf Schulebene (politische Maßnahme).

Bildungsanbieter (Schulen, Lehrer und Dienstleister im Bereich der pädagogischen Beratung) und bestehende Initiativen auf kommunaler Ebene werden eng zusammenarbeiten.  Die Kommunalbehörden und andere Akteure auf Kommunalebene sind in das Projekt involviert. Dieses wird durch Wissenschaftler unterstützt und beobachtet.

Ein Team aus Innovations-Coaches und ein Prozessmanager werden das Projekt in engem Austausch mit kommunalen Verantwortlichen überwachen. Ein Expertenteam, das sich aus Vertretern der Bildungsforschung und des Innovationsmanagements zusammensetzen wird, unterstützt die Schulen und Coaches während des gesamten Prozesses. Ein Arbeitskreis aus Vertretern aller Interessensgruppen wird das Projekt leiten.

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