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Belgien: Führend in der Vorschulerziehung

In Belgien besucht nicht nur ein hoher Anteil der Kinder vor Beginn der belgischen Schulpflicht offizielle Kinderbetreuungseinrichtungen, auch liegt der Anteil der Kinder unter 18 Jahren, die von Armut oder sozialer Exklusion betroffen sind, unter dem EU-28-Durchschnittswert (23,2 % verglichen mit 27,7 % in 2014). Belgien weist somit in Bezug auf die Situation von Kindern und ihrer Betreuung eine positive Bilanz auf. Die Beschäftigungsquoten in Belgien liegen jedoch unter dem europäischen Durchschnitt, und das geschlechtsspezifische Lohngefälle lag 2013 bei 9,8 %, damit allerdings noch unter dem EU-Durchschnitt von 16,3 %.

Zugang zu angemessenen Ressourcen

Elternzeit

Es gibt verschiedene Arten der Elternzeit: Acht Monate Vollzeit-Abwesenheit von der Arbeit, acht Monate, in denen in Teilzeit gearbeitet wird oder 20 Monate, in denen im Umfang von 80 % der normalerweise anfallenden Arbeitsstunden gearbeitet wird. Diese verschiedenen Modalitäten können von beiden Eltern in Anspruch genommen und flexibel kombiniert werden. Beispielsweise wäre es möglich, einen Monat gar nicht und dann sechs Monate in Teilzeit zu arbeiten. 2014 waren 68,1 % der Mütter (im Alter von 15 bis 64 Jahren) mit einem Kind unter 6 Jahren berufstätig (mehr als der EU-28-Durchschnitt von 60,7 %). Im Vergleich dazu betrug der Anteil der Väter in Belgien bei gleichen Umständen 86,1 %.

Unterbrechung der Berufstätigkeit

Auf der Grundlage eines Programms für die Unterbrechung der Berufstätigkeit, das 1985 eingeführt wurde, hat die belgische Regierung 2002 ein neues „Zeitguthaben“-Programm eingeführt, das Arbeitnehmern in der Privatwirtschaft den Ausgleich von Berufs- und Privatleben erleichtern soll. Ihnen werden Ausgleichszahlungen auf der Grundlage ihres Alters und der Anzahl der Jahre, die sie bereits für ihren derzeitigen Arbeitgeber arbeiten, gezahlt, die das reduzierte Einkommen ausgleichen sollen. Für Angestellte der verschiedenen Ebenen der öffentlichen Hand wird das System für die Unterbrechung der Berufstätigkeit weitergeführt.

2012 und 2015 wurde das System aufgrund von Budgetbeschränkungen reformiert.

Es ermöglicht Arbeitnehmern in der Privatwirtschaft,

- sich bis zu vier Jahre von der Arbeit freistellen zu lassen, die Arbeitsstunden deutlich herabzusetzen, um Kinder zu erziehen, erkrankte Verwandte zu pflegen oder dazu, sich weiterzubilden, ohne dass der Arbeitsvertrag ungültig wird oder die Ansprüche auf Sozialversicherungsleistungen gefährdet werden sowie für

- bis zu acht Jahre lang weniger zu arbeiten, was in der Regel unter anderem die Umstellung einer Fünf- auf eine Vier-Tage-Woche bedeutet.

Mutterschaftsurlaub

Mütter haben ein Recht auf bezahlten Mutterschaftsurlaub über einen Zeitraum von 15 Kalenderwochen, was unter der EU-weiten durchschnittlichen Dauer eines Mutterschaftsurlaubs von 23 Wochen liegt. Neun Wochen dieses Mutterschaftsurlaubs müssen nach der Geburt und mindestens eine Woche vor dem voraussichtlichen Geburtstermin des Kindes in Anspruch genommen werden. Die Leistung, die während des Mutterschaftsurlaubs gezahlt wird, beträgt in den ersten 30 Tagen 82 % und während der restlichen Zeit 75 % des Gehalts. Väter können zehn Tage lang in Vaterschaftsurlaub gehen. Sieben dieser Tage werden von der Sozialversicherung (bis zu einer festgelegten Obergrenze) im Umfang von 82 % des Gehalts des Vaters getragen.

Familienleistungen

Für das Erstgeborene wird eine einmalige „Geburtenzulage“ in Höhe von 1.199,10 Euro gezahlt. Für jedes weitere Kind werden 902,18 Euro gezahlt. Die „allgemeinen Familienleistungen“ werden monatlich und in Abhängigkeit von der Anzahl sowie dem Alter der Kinder und dem Beschäftigungsstatus der Eltern gezahlt. Darüber hinaus gibt es weitere Sozialzuschläge, beispielsweise für behinderte Kinder und Alleinerziehende. 2012 beliefen sich die Ausgaben der Regierung für Sozialleistungen für Familien auf 2,2 % des BIP im Vergleich zum EU-Durchschnitt von 2,2 %.

Gleichberechtigung der Geschlechter

2014 gingen 41,4 % der Frauen einer Teilzeitbeschäftigung nach (mehr als der EU-Durchschnitt, der 32,8 % betrug). Die Gesamtbeschäftigungsquote der Frauen lag knapp unter 60 %, damit aber über dem EU-Durchschnitt von 59,6 %. Insgesamt lag die Erwerbstätigkeitsquote 2014 in Belgien unterhalb des EU-28-Durchschnitts (61,9 % verglichen mit 64,9 %).

Zugang zu erschwinglichen, qualitativ hochwertigen Dienstleistungsangeboten

Frühkindliche Bildung, Erziehung und Betreuung

2013 wurden für 46 % der Kinder unter drei Jahren und für 98 % der Kinder zwischen drei Jahren und dem Schulpflichtalter offizielle Kinderbetreuungsangebote in Anspruch genommen. Diese Zahlen liegen über dem jeweiligen EU-Durchschnitt von 27 % und 82 %.

Integrale Prävention

2007 wurde das Programm zur Unterstützung der Kindererziehung in der Region Flandern von der Regierung mittels eines Dekrets formal verabschiedet. In dem Programm wird Unterstützung zur Kindererziehung als „leicht zugängliche, grundlegende Unterstützung der Kindererziehung für Eltern und Personen, die mit der Betreuung von Kindern beauftragt sind“ beschrieben. Diese neue Entwicklung bedeutet, dass die Unterstützung der Kindererziehung nun für jeden verfügbar ist, der Kinder oder Jugendliche erzieht. Die meisten Dienstleistungen, die das Programm bietet, sind für alle verfügbar, die der definierten Zielgruppe des Programms entsprechen, andere sind insbesondere für bedürftige Familien gedacht. Das Dekret bildet die gesetzliche Grundlage für die Unterstützung der Kindererziehung in Flandern und beschreibt viele verschiedene Ebenen, auf denen die Unterstützung der Kindererziehung erfolgen kann. Hierzu gehören die Unterstützung auf lokaler sowie regionaler Ebene, die Bereitstellung von Workshops zum Thema Kindererziehung und von Koordinatoren für die Unterstützung der Kindererziehung in Flandern, Zentren für die Unterstützung der Kindererziehung auf Bezirksebene und ein Zentrum, in dem Experten in Bezug auf Themen im Zusammenhang mit der Kindererziehung beraten – das EXPOO (Expertisecentrum opvoedingsondersteuning). Im Jahr 2014 wurde das Programm zur Unterstützung der Kindererziehung mit der Gesundheitsvorsorge und der psychosozialen Prävention in öffentlichen Treffpunkten, die sich „Huizen van het kind“ nennen, zusammengeführt.

Partizipationsrecht von Kindern

Die Partizipation von hilfsbedürftigen Kindern

UNICEF Belgien hat mithilfe ihres „What do you think“-Projekts die aktive Partizipation der Kinder gefördert, die Hilfe am dringendsten benötigen (minderjährige Ausländer, behinderte Kinder, Kinder, die in Armut leben, psychiatrisch betreute Kinder etc.), damit diese ihre Meinungen zu Themen, die sie betreffen, ausdrücken und ernst genommen werden können. Junge Menschen, die in Armut leben, halten sich selbst nicht für arm. Sie fühlen sich aufgrund eines negativen Bildes, das die Gesellschaft von ihnen hat, ausgeschlossen. Sie sind nicht die Ursache der Probleme, sondern stellen vielmehr einen Teil der Ressourcen dar, die zur Lösung dieser benötigt werden.
Auf der Grundlage realer Erfahrungen hat UNICEF Belgien mehrere praktische Empfehlungen auf verschiedenen Ebenen formuliert. Zudem wurde ein Handbuch zur Durchführung von Partizipationsprojekten mit Kindern, die in Armut leben, veröffentlicht.

Ausblick

UNICEF Belgien warnte kürzlich vor der steigenden Kinderarmutsquote in Belgien. Als weiteres Warnsignal können die steigende Kindersterblichkeitsrate, die sinkende Alphabetisierungsrate und der schwierige Zugang zu dem Wohnungsmarkt interpretiert werden.
Eine große Herausforderung auf institutioneller Ebene wird die Koordination der politischen Arbeit sowie die Schaffung der notwendigen Strukturen, wie beispielsweise die Gründung von Kinderzentren oder die Unterbringung in Familien, darstellen.

Die Information im Länderprofil wurde zuletzt im Februar 2016 aktualisiert.

Innovation und Exzellenz in der Bildung (PIEO)

PIEO zielt primär darauf ab, die Lernleistung, den Lerngewinn und das Wohlbefinden aller Schüler einer bestimmten Zahl an Schulen zu steigern, die als „Konzentrationsschulen“ bezeichnet werden. Ein wichtiges Ziel besteht darin, die gesammelten Erfahrungen und Erkenntnisse auf das gesamte Bildungssystem Flanderns zu übertragen.

PIEO wird auf drei Ebenen Innovationen hervorbringen: in der Umgebung jedes einzelnen Kindes, im Bereich der Lernumgebung (Klassenzimmer) und auf Schulebene (politische Maßnahme).

Bildungsanbieter (Schulen, Lehrer und Dienstleister im Bereich der pädagogischen Beratung) und bestehende Initiativen auf kommunaler Ebene werden eng zusammenarbeiten. Die Kommunalbehörden und andere Akteure auf Kommunalebene sind in das Projekt involviert. Dieses wird durch Wissenschaftler unterstützt und beobachtet.

Ein Team aus Innovations-Coaches und ein Prozessmanager überwachen das Projekt in engem Austausch mit kommunalen Verantwortlichen. Ein Expertenteam, das sich aus Vertretern der Bildungsforschung und des Innovationsmanagements zusammensetzt, unterstützt die Schulen und Coaches während des gesamten Prozesses. Ein Arbeitskreis aus Vertretern aller Interessensgruppen leitet das Projekt.

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