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Österreich: Großzügige Unterstützung für Familien

Die finanziellen Leistungen für Familien in Österreich zählen zu den großzügigsten in Europa; sie betragen 3,1% des BIP des Landes, verglichen mit dem EU-Durchschnitt von 2,3% in 2009. Laut neuester Eurostat-Daten ist die Fertilitätsrate, wie in vielen europäischen Ländern, mit 1,42 Kindern pro Frau in 2011 ziemlich niedrig. Die Beschäftigungsquote von Frauen ist hoch, aber viele Frauen arbeiten Teilzeit. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist eine politische Priorität. Derzeit bietet Österreich finanzielle und nicht-finanzielle Maßnahmen, um dies zu vereinfachen.
Die österreichische Familienpolitik zielt in erster Linie darauf ab, Eltern zu ermöglichen, jene Form der Kinderbetreuung zu wählen, die ihnen am meisten zusagt (d. h. die Betreuung selbst zu übernehmen, ein Familienmitglied, eine Tagesmutter/einen Tagesvater oder einen Kindergarten damit zu betrauen usw.), die Rückkehr der Eltern in den Arbeitsmarkt und die Schaffung familienfreundlicher Arbeitsbedingungen zu unterstützen, Kinderbetreuungseinrichtungen von guter Qualität zu fördern und zu finanzieren, und Vätern zu helfen, die sich intensiver am Familienleben beteiligen wollen.

Das Kinderbetreuungsangebot verbessern

Den Eurostat-Daten für das Jahr 2010 zufolge waren 84% der österreichischen Kinder zwischen drei Jahren und dem Schulpflichtalter und 9% der Kinder unter drei Jahren in formeller Kinderbetreuung. Diese Quoten bleiben weit hinter den Barcelona-Zielen der EU und dem EU-Durchschnitt von 84% bzw. 28% zurück. Jedoch ist festzuhalten, dass die nationalen Statistiken ein optimistischeres Bild zeichnen.
Etwa die Hälfte der Kinder zwischen drei und sechs Jahren und mehr als ein Drittel der Kinder unter drei Jahren wurden auf Teilzeitbasis betreut (d. h. weniger als 30 Stunden pro Woche) - obwohl 4409 der insgesamt 4694 institutionellen Kinderbetreuungseinrichtungen und 1146 der 1208 Kinderkrippen Ganztagsbetreuung anbieten. Etwa 60% der Kinderbetreuungsplätze werden von der öffentlichen Hand bereitgestellt, der Rest von privaten Institutionen und Vereinen, kirchlichen Organisationen, Betrieben oder Privatpersonen (z.B. Kindermädchen, Tagesmüttern/-vätern).
Diese Zahlen hängen damit zusammen, dass 2011 44% der berufstätigen Frauen in Teilzeit arbeiteten – eine der höchsten Quoten in der Union, die in den letzten zehn Jahren erheblich gestiegen ist: 1996 betrug ihr Anteil noch 27%. Mit 66,5% im Jahr 2011 liegt die Beschäftigungsquote von Frauen über dem Lissabon-Ziel von 60%. Allerdings bleibt diese Quote über 10 Prozentpunkte hinter der Beschäftigungsquote von Männern zurück.
Angesichts der steigenden Frauenbeschäftigungsquote investierte die österreichische Bundesregierung im Zeitraum 2008-2010 45 Millionen € in den Ausbau der Kinderbetreuungsangebote. Darüber hinaus wandten die Länder zuletzt zusätzliche 60 Millionen € für den Ausbau des Kinderbetreuungsangebots auf. Im Rahmen dieser Maßnahme wurden 24 573 Betreuungsplätze für Kinder bis 6 Jahre eingerichtet und 520 neue Tagesmütter/-väter ausgebildet. Weitere 15 Millionen € wurden in die sprachliche Frühförderung investiert, Seit 2009 stellt die Bundesregierung jährlich 70 Millionen € für kostenlose vorschulische Bildung für alle fünfjährigen Kinder bereit. Seit dem Jahr 2010 ist die vorschulische Bildung verpflichtend.
2011 beschlossen die Koalitionspartner sieben Arbeitspakete und befürworteten den weiteren Ausbau des Kinderbetreuungsangebots - insbesondere für Kinder bis drei Jahre - durch eine Kombination aus Sach- und Geldleistungen. Ziel ist die Schaffung von jährlich 5000 zusätzlichen Kinderbetreuungsplätzen. Hierzu investiert die Regierung zwischen 2011 und 2014 insgesamt 55 Millionen €. Die Länder investieren ebenfalls 55 Millionen €.
Seit 2009 mindern Ausgaben für qualifizierte Kinderbetreuung die Einkommenssteuerbemessungsgrundlage. Berücksichtigt werden Ausgaben für Kinder bis zum 10. Lebensjahr bis zu einer Höhe von jährlich max. 2,300 €.

Viele Wahlmöglichkeiten für Eltern

Der Mutterschaftsurlaub beginnt acht Wochen vor dem Geburtstermin und endet acht Wochen danach. Im Falle einer Mehrlingsgeburt oder eines Kaiserschnitts verlängert sich der Mutterschaftsurlaub nach der Geburt auf 12 Wochen. Während dieser Zeit erhalten schwangere Arbeitnehmerinnen einen Ausgleich von der Krankenversicherung, dessen Niveau ihrem Durchschnittsverdienst während der letzten drei Monate vor der Inanspruchnahme des Mutterschaftsurlaubs entspricht. Anspruch auf Elternurlaub (Karenz) – ein Zeitraum, in dem der Elternteil, der sich im Elternurlaub befindet, Kündigungsschutz genießt – besteht bis zum zweiten Geburtstag des Kindes.. Ein Teil des Elternurlaubs kann aber auch auf später verschoben werden, für diesen Zeitraum besteht dann allerdings kein Kündigungs- und Entlassungsschutz.
Das frühere System des Karenzgelds wurde 2002 durch das Kinderbetreuungsgeld ersetzt. . Seit Januar 2010 haben Eltern die Wahl zwischen zwei Systemen: einer Pauschalleistung (vier Varianten), die sie beanspruchen können, egal ob sie vor der Geburt des Kindes berufstätig waren oder nicht und dem einkommensabhängigen Kinderbetreuungsgeld, das auf Grundlage ihres Einkommens berechnet wird. Die letztere Variante gibt Eltern, die mehr verdienen, die Möglichkeit, für eine begrenzte Zeit aus dem Arbeitsmarkt auszuscheiden, um ihr Kind zu betreuen. Angaben der österreichischen Regierung zufolge hat sich die Zahl der Väter, die diese Leistung erhalten, seit der Einführung des neuen Systems erhöht.
Eltern dürfen während des Bezugs von Kinderbetreuungsgeld dazuverdienen. Die Höhe der Zuverdienstgrenze hängt vom gewählten System ab.
Das Kinderbetreuungsgeld kann nur für das jüngste Kind einer Familie in Anspruch genommen werden. , Im Falle einer Mehrlingsgeburt erhalten Eltern im Pauschalsystem 50% der gewählten Pauschalvariante für jedes zusätzliche Kind. Wenn Mutter und Kind sich nicht zehn ärztlichen Untersuchungen unterziehen, wird das Kinderbetreuungsgeld reduziert. Die ärztlichen Untersuchungen sind kostenlos.

Großzügige Familienbeihilfe

Die Familienbeihilfe ist keine bedarfsorientierte Leistung, sondern hängt einzig und allein vom Alter des Kindes ab. Sie reicht von 105,40 € pro Monat und pro Kind während der ersten drei Lebensjahre bis zu 152,70 € pro Monat für anspruchsberechtigte Jugendliche über 19 Jahre.
Höhere Leistungen sind für Familien mit zwei (zusätzlich 12,80 €), drei (47,80 €), vier (97,80 €) oder mehr Kindern (pro Kind 50 € zusätzlich) verfügbar. Für schwer behinderte Kinder und für Familien mit drei oder mehr Kindern, deren steuerpflichtiges Jahreseinkommen maximal 55 000 € beträgt, wird eine besondere Unterstützung gewährt.
Die Unterstützungsleistungen für Familien werden vom Familienlastenausgleichsfonds verwaltet. Neben dem Kinderbetreuungsgeld und der Familienbeihilfe finanziert der Fonds noch andere Maßnahmen, einschließlich der kostenlosen Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel für Schulkinder, Lehrlinge und Auszubildende, Bereitstellung von Schulbüchern für Schüler, Unterstützung für Familien durch zeitlich begrenzte finanzielle Zuwendungen und Familienberatung.

Die in diesem Länderprofil enthaltenen Angaben wurden im November 2012 letztmalig aktualisiert.

Regierungsinitiativen für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Die Verwirklichung einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist oberste Priorität der österreichischen Familienpolitik. In den vergangenen Jahren wurden auf rechtlicher Ebene mehrere Maßnahmen ergriffen: , die Anrechnung von Kindererziehungszeiten als Pensionszeiten, flexiblere Elternurlaubsregelungen bis zum Schuleintritt des Kindes und das Recht auf Teilzeitarbeit für Eltern, das 2004 eingeführt wurde.
Das Bundesministerium für Wirtschaft, Familie und Jugend fördert auch eine Reihe gesellschaftlicher und Sensibilisierungsmaßnahmen, die Mütter und Väter in ihren Jobs unterstützen sollen.
Dazu zählen das Audit "berufundfamilie“, das eingeführt wurde, um Unternehmen zu helfen, ein familienfreundliches Umfeld zu schaffen. Im Rahmen dieses Audits ermittelt ein Auditor in Gesprächen mit der Geschäftsleitung und den Arbeitnehmern den Bedarf des Unternehmens. Anschließend wird ein Unternehmensplan mit Zielen erstellt,  die innerhalb eines festgelegten Zeitraums zu erreichen sind. Am Ende dieses Zeitraums bewertet ein externer Gutachter die Ergebnisse. Unternehmen können für einen Teil der Kosten eine Förderung erhalten.
2011 wurde das Audit „hochschuleundfamilie“ eingeführt, um den besonderen Bedürfnissen von Universitätsangestellten und Studierenden hinsichtlich einer familienfreundlichen Verwaltung von Humanressourcen gerecht zu werden.
Eine weitere Maßnahme in diesem Bereich ist der 2010 eingeführte Staatspreis „Familienfreundlichster Betrieb“. Für diese Auszeichnung können sich Unternehmen bewerben, die sich mit innovativen Strategien für ein familienfreundliches Arbeitsumfeld einsetzen. Der Staatspreis wird alle zwei Jahre verliehen.

2012 wurde der "berufundfamilie Index" - ein wissenschaftlich fundiertes Instrument zur Messung des Familienbewusstseins in Unternehmen - entwickelt (www.berufundfamilie-Index.at). Im selben Jahr wurde die Charta "Vereinbarkeit von Familie und Beruf" als öffentliches Bekenntnis zur Bedeutung von familienfreundlichen Maßnahmen in Unternehmen und Organisationen fertiggestellt (www.bmwfj.gv.at).

Für die Umsetzung der Audits und des Staatspreises „Familienfreundlichster Betrieb“ ist die Familie & Beruf Management GmbH zuständig.