Die Gründerväter der EU

Den folgenden europäischen Politikern mit ihrer Vision von einem geeinten Europa haben wir die Schaffung der Europäischen Union zu verdanken, in der wir heute leben. Ohne ihre Energie und Entschlossenheit hätten wir nicht den Frieden und die Stabilität in Europa, die wir heute für selbstverständlich halten. Die Gründerväter der Union waren Personen mit völlig unterschiedlichem Hintergrund – vom Widerstandskämpfer bis hin zum Anwalt. Aber ihre Ideale waren dieselben: ein friedliches, geeintes und wirtschaftlich erfolgreiches Europa. Neben den anschließend aufgeführten Gründervätern haben noch viele andere mit ihrem unermüdlichen Einsatz dazu beigetragen, Europa zu schaffen. Dieser Abschnitt über die Gründerväter der Union wird daher ständig überarbeitet.

Konrad Adenauer: Pragmatischer Demokrat und unermüdlicher Verfechter der Einigung

Der erste Kanzler der Bundesrepublik Deutschland, der 1949–1963 an der Spitze des neu gegründeten Staates stand, hat die deutsche und die europäische Nachkriegsgeschichte so stark geprägt wie kein anderer.

Die Aussöhnung mit Frankreich bildete den Eckpfeiler von Adenauers Außenpolitik. Gemeinsam mit dem französischen Präsidenten Charles de Gaulle erreichte er einen historischen Wendepunkt: 1963 unterzeichneten die ehemaligen Erzfeinde Deutschland und Frankreich einen Freundschaftsvertrag, der zu einem Meilenstein auf dem Weg zur europäischen Einigung wurde.

X

Konrad Adenauer spricht am 2. Juli 1966 in Metz

Wenn es uns gelingt, eine Organisation zu schaffen, die den Franzosen gestattet, alles das zu sehen, was auf dem Gebiete der Fabrikation von Stahl und der Förderung von Kohle in Deutschland vor sich geht und, wenn umgekehrt, die Deutschen sehen, was in Frankreich vor sich geht, dann ist diese gegenseitige Kontrolle das beste Mittel, um eine Politik zu treiben, die sich auf Vertrauen gründet.

Joseph Bech: Ein kleines Land spielt bei der europäischen Integration eine entscheidende Rolle

Joseph Bech war der luxemburgische Politiker, der in den frühen 1950er Jahren an der Gründung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl mitwirkte und eine treibende Kraft der europäischen Integration in den späten 1950er Jahren war.

Ein gemeinsames Memorandum der Benelux-Länder führte zur Einberufung der Konferenz von Messina im Juni 1955, die der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft den Weg bereitete.

X

Joseph Bech 1968 in Straßburg

Was war der wirkliche Grund, weswegen wir Europa am Morgen nach dem Zweiten Weltkrieg gründen wollten? Wir glaubten, ein neues Europa gründen zu müssen, um in diesem neuen Rahmen Frankreich und Deutschland miteinander zu versöhnen.

Wie wir sehen, wurde zumindest in diesem wichtigen Punkt, auf dem der Frieden Europas beruht und den wir zur europäischen Idee oder zu einem unserer Beweggründe gemacht haben, eines der Ziele unseres Kampfes für ein geeintes Europa erreicht.


Joseph Bech parle en 1968 à Strasbourg

Pourquoi est-ce qu’en réalité nous avons voulu faire l’Europe au lendemain de la Seconde Guerre mondiale ? Nous pensions qu’il fallait absolument créer une Europe nouvelle afin de permettre, dans ce cadre nouveau, de réconcilier la France et l’Allemagne.

Et constatons que tout au moins dans ce domaine qui était un domaine essentiel, puisque c’est la paix en Europe qui en dépend, nous avons fait l’idée européenne ou l’un des motifs, l’un des objectifs de la lutte pour l’Europe unie a été atteint.

Johan Willem Beyen: Ein Plan für einen gemeinsamen Markt

Der internationale Bankier, Geschäftsmann und Politiker Johan Willem Beyen war ein niederländischer Staatsmann, der dem Prozess der europäischen Integration in der Mitte der 1950er Jahre mit seinem „Beyen-Plan“ neues Leben einflößte.

Beyen ist einer der weniger bekannten Gründerväter der EU. Wer ihn kannte, bewunderte ihn für seinen Charme, seine internationale Ausrichtung und sein sicheres Auftreten.

X

Winston Churchill: Forderung nach Vereinigten Staaten von Europa

Winston Churchill, ehemaliger Armeeoffizier und Kriegsberichterstatter, war von 1940 bis 1945 und von 1951 bis 1955 britischer Premierminister und einer der Ersten, der die Schaffung der „Vereinigten Staaten von Europa“ forderte. Er war davon überzeugt, dass nach dem Zweiten Weltkrieg nur ein vereinigtes Europa den Frieden garantieren konnte. Sein Ziel war es, Nationalismus und Kriegstreiberei in Europa endgültig auszumerzen.

X

Winston Churchill am 19. September 1946 in Zürich

… wir müssen die europäische Familie in einem regionalen System, sei es den Vereinigten Staaten von Europa, wiederherstellen. Der erste Schritt hierzu wäre, einen Europarat ins Leben zu rufen. Wenn alle Staaten Europas dieser Union fürs Erste nicht beitreten wollen oder können, so müssen wir doch alle jene sammeln, die willens und imstande sind, es zu tun.


Winston Churchill speaking on 19 September 1946 in Zurich

…we must re-create the European family in a regional structure called, it may be, the United States of Europe, and the first practical step will be to form a Council of Europe. If at first all the States of Europe are not willing or able to join the union we must nevertheless proceed to assemble and combine those who will and those who can.

Alcide de Gasperi: Ein engagierter Vermittler für Demokratie und Freiheit in Europa

In seinen Ämtern als italienischer Premierminister und Außenminister gab Alcide de Gasperi von 1945 bis 1953 die Richtung für die Entwicklung des Landes in den Nachkriegsjahren vor.

Immer wieder stieß er Initiativen an, die zu einer Vereinigung Westeuropas führen sollten, und arbeitete an der Umsetzung des Marshall-Plans und an der Schaffung enger Beziehungen zu anderen Ländern Europas, insbesondere zu Frankreich.

X

Alcide de Gasperi am 12. Januar 1951 in Straßburg

Wenn wir ohne einen von einem zentralen Organ kontrollierten, übergeordneten politischen Willen lediglich gemeinsame Verwaltungen aufbauen, in der nationale Interessen aufeinandertreffen, sich herauskristallisieren und zu Höherem verbinden, läuft diese europäische Aktivität Gefahr, ohne Leben zu bleiben – im Vergleich zur Vitalität nationaler Vorhaben. Dieses Europa könnte sogar als überflüssiges Korsett empfunden werden, ähnlich dem Heiligen Römischen Reich in der Zeit seines Niedergangs.


Alcide de Gasperi parle le 12 janvier 1951 à Strasbourg

Si nous ne bâtissons que des administrations communes sans qu'il y ait une volonté politique supérieure vérifiée par un organisme central, dans lesquels les volontés nationales se rencontrent, se précisent et se réchauffent dans une synthèse supérieure, nous risquons que cette activité européenne, comparée aux vitalités nationales particulières, paraisse sans chaleur, sans vie idéale. Il pourrait même apparaître à certain moment un harnachement superflu et peut être oppressif, tel que le Saint-Empire Romain apparu à certaine période de son déclin.

Walter Hallstein: Diplomatische Antriebskraft einer zügigen europäischen Integration

Walter Hallstein war der erste Präsident der Kommission der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (1958–1967). Er war ein überzeugter Europäer, der sich mit viel Engagement für die europäische Einigung einsetzte.

Als Präsident der EWG-Kommission wirkte Hallstein auf die rasche Verwirklichung des Gemeinsamen Marktes hin. Sein Enthusiasmus und seine Überzeugungskraft förderten die europäische Integration noch über seine Amtszeit hinaus. Während seines Mandates schritt die Integration deutlich voran.

X

Walter Hallstein spricht am 2. März 1953 in Straßburg

Was uns vorwärts treibt, ist zur Genüge bekannt: Es gibt ein unzerstörbares europäisches Selbstgefühl. Nur mit einem starken, einigen Europa können die Europäer - und kann die Welt - wirklich gedeihen. Ein zersplittertes Europa wird zum Balkan der Welt werden und zur ständigen Einladung an andere, sich in seine Angelegenheiten einzumischen. Es muss mit einer Stimme sprechen, um gehört zu werden. Nichts ist darum unangebrachter, als die von Zeit zu Zeit eintretende Konzentration auf einzelne Ausgleichsvorgänge oder ihre gelegentliche Kumulierung zu dramatisieren.

Sicco Mansholt: Landwirt, Widerstandskämpfer und ein wahrer Europäer

Sicco Mansholt war Landwirt, Mitglied des niederländischen Widerstandes im Zweiten Weltkrieg, Landespolitiker und der erste Europäische Kommissar für Landwirtschaft. Mansholts Ideen bildeten die Grundlage der Gemeinsamen Agrarpolitik der Europäischen Union, die seit ihrer Entstehung einen der wichtigsten Politikbereiche darstellt.

Nachdem Mansholt die Schrecknisse des Hungerwinters in den Niederlanden am Ende des Zweiten Weltkriegs miterlebt hatte, war er davon überzeugt, dass Europa autark werden müsse und dass für eine verlässliche Versorgung mit erschwinglichen Nahrungsmitteln für alle Menschen garantiert werden solle.

X

Sicco Mansholt am 10. Dezember 1968 in Brüssel

Die Kommission hat dem Ministerrat also kürzlich erläutert, was ihrer Meinung nach in den kommenden zehn Jahren in der europäischen Landwirtschaft geschehen muss.

Zunächst wird sie ein Memorandum zur Agrarstruktur im weitesten Sinne des Wortes vorlegen.

Es handelt sich um derart drastische Maßnahmen, nicht nur in finanzieller, sondern auch in struktureller Hinsicht, dass ihrer Meinung nach die Form eines Memorandums angemessen ist.


Sicco Mansholt in gesprek op 10 december 1968 in Brussel

De Commissie heeft dus zojuist aan de ministerraad een uiteenzetting gegeven van wat zij meent dat in de komende 10 jaar moet gebeuren in de Europese landbouw.

Zij heeft dus meegedeeld dat er in de 1ste plaats een memorandum zal worden overgelegd ten aanzien van de agrarische structuur in de ruimste zin van het woord.

Het zijn zulke ingrijpende maatregelen, niet alleen financieel diep ingrijpend maar ook structureel diep ingrijpend, dat zij meent dat de vorm van een memorandum de juiste is.

Jean Monnet: Einende Kraft in der Geburtsstunde der Europäischen Union

Das Leben des französischen politischen und Wirtschaftsberaters Jean Monnet stand ganz im Zeichen der europäischen Einigung. Er war der Urheber des „Schuman-Plans“, der zur Zusammenlegung der westeuropäischen Schwerindustrie führte.

Monnet stammte aus der französischen Region Cognac. Er verließ die Schule mit 16 Jahren und reiste als Cognac-Händler und später auch als Bankier um die Welt. Während der beiden Weltkriege hatte er hochrangige Positionen im Zusammenhang mit der Koordinierung der Industrieproduktion in Frankreich und im Vereinigten Königreich inne.

X

Jean Monnet 1951 in Straßburg

Die Entscheidungen dieser ersten europäischen Exekutive, der Hohen Behörde, werden in unseren sechs Ländern durchgeführt, als sei es ein einziges Land. Dies ist eine der wichtigen Veränderungen, anhand derer der Erfolg unseres Projekts bemessen wird.

Ein erster Binnenmarkt, erste supranationale Institutionen – Europas Einigung beginnt!


Jean Monnet parle en 1951 à Strasbourg

Les décisions de ce premier exécutif européen qu’est la Haute Autorité, sont exécutées dans nos six pays comme s'ils n’en faisaient qu'un. C'est là une des transformations essentielles que réalise notre entreprise et le test de sa réussite.

Ce premier marché commun, ces premières institutions supranationales, c'est l'Europe qui commence à s'unir.

Robert Schuman: Architekt der europäischen Integration

Der Staatsmann Robert Schuman, Rechtsanwalt und 1948–1952 französischer Außenminister, gilt als einer der Gründerväter der europäischen Einigung.

In Zusammenarbeit mit Jean Monnet entwickelte er den international anerkannten Schuman-Plan, den er am 9. Mai 1950 ankündigte, dem Tag, der heute als Geburtsstunde der Europäischen Union gilt. Er schlug eine gemeinsame Kontrolle der Produktion von Kohle und Stahl vor, den wichtigsten Grundstoffen für die Rüstungsindustrie. Der Gedanke dahinter war, dass es nur über die Kontrolle der Kohle- und Stahlproduktion möglich sei, einen neuen Krieg zu verhindern.

X

Robert Schumans Erklärung am 9. Mai 1950 in Paris

Frankreich, das sich seit mehr als zwanzig Jahren zum Vorkämpfer eines Vereinten Europas macht, hat immer als wesentliches Ziel gehabt, dem Frieden zu dienen.

Europa ist nicht zustande gekommen, wir haben den Krieg gehabt. Europa lässt sich nicht mit einem Schlage herstellen und auch nicht durch eine einfache Zusammenfassung: Es wird durch konkrete Tatsachen entstehen, die zunächst eine Solidarität der Tat schaffen. Die französische Regierung schlägt vor, die Gesamtheit der französisch-deutschen Kohle- und Stahlproduktion einer gemeinsamen Hohen Behörde zu unterstellen.


Robert Schuman donne sa déclaration le 9 mai 1950 à Paris

En se faisant depuis plus de 20 ans le champion d'une Europe unie, la France a toujours eu pour objet essentiel de servir la paix.

L'Europe n'a pas été faite, nous avons eu la guerre. L'Europe ne se fera pas d'un coup, ni dans une construction d'ensemble. Elle se fera par des réalisations concrètes, créant d'abord une solidarité de fait. Le gouvernement français propose de placer l'ensemble de la production franco-allemande de charbon et d'acier sous une haute autorité commune.

Paul-Henri Spaak: Europäischer Visionär mit Überzeugungskraft

Ein europäischer Staatsmann – mit diesen Worten lässt sich die lange politische Karriere des Belgiers Paul-Henri Spaak beschreiben.

Bei der Ausarbeitung des Vertrags von Rom war Spaak die führende Persönlichkeit, und auf der Konferenz von Messina (1955) ernannten ihn die sechs teilnehmenden Regierungen zum Vorsitzenden der Arbeitsgruppe, die mit der Formulierung des Vertrags beauftragt war.

X

Paul-Henri Spaak am 11. Dezember 1951 in Paris

… zwar sind Einige nur schwer von der Notwendigkeit unserer Aktivitäten zu überzeugen, doch für viele von uns ist das, was wir hier tun, von dringender Wichtigkeit.

Ich bewundere diejenigen, die angesichts des derzeitigen Zustands Europas ruhig bleiben können. Man könnte wirklich gemein werden, wenn wir nicht gezwungen wären, zu vermitteln ... Schauen Sie einmal auf die Jahre zurück, die hinter uns liegen!


Paul-Henri Spaak parle le 11 décembre 1951 à Paris

…alors que certains sont à peine touchés par l'intérêt et l'utilité de notre besogne, pour un certain nombre d'entre nous ce que nous aurions à faire ici c'est une chose vitale et d'une urgente nécessité.

J'admire ceux qui peuvent rester calme dans l'état actuel de l'Europe. On pourrait être terriblement cruel si nous n'étions pas forcé d'être aussi parlementaire.., mais tout de même retournez-vous un peu sur les années qui viennent de s'écouler!

Altiero Spinelli: Unbeugsamer Föderalist

Der italienische Politiker Altiero Spinelli zählt zu den Gründervätern der Europäischen Union. Er war maßgeblich an dem im Europäischen Parlament ausgearbeiteten Vertragsentwurf zur Gründung einer föderalen Europäischen Union beteiligt, der nach ihm „Spinelli-Entwurf“ genannt wurde. Der Entwurf wurde 1984 mit überwältigender Mehrheit vom Parlament angenommen und hatte starken Einfluss auf die Gestaltung der EU-Verträge in den 1980er und 1990er Jahren.

X

Altiero Spinelli am 8. Juli 1981 in Straßburg

In erster Linie müssen wir das gesamte Parlament immer mehr und immer stärker einbeziehen. Deshalb beantragen wir die Einsetzung eines neuen parlamentarischen Ausschusses, der – wie immer er heißen mag – sich ausschließlich mit dieser Frage befasst. Er wird dem Parlament nach und nach Zwischenberichte vorlegen und es so auffordern, zwischen verschiedenen Optionen zu wählen und über umfassende Debatten möglichst breiten Konsens zu erzielen. Bei der abschießenden Abstimmung über das Reformprojekt sollen dessen Bedeutung und Folgen allen klar sein.


Altiero Spinelli parlando l’8 luglio 1981 a Strasburgo

Dovremo in primo luogo impegnare sempre più e sempre più fortemente il Parlamento tutto intero. È per questo che chiediamo la costituzione di una nuova commissione parlamentare che, comunque essa si chiami, si occupi solo di questo tema e che man mano presenti rapporti interinali al Parlamento per chiamarlo a decidere fra le varie opzioni che si presenteranno ed a formare attraverso larghi dibattiti di consensi più ampi possibili, fino a giungere al voto finale del progetto di riforma, nella piena consapevolezza da parte di tutti di ciò che significa e implica.

KONTAKT

Allgemeine Informationsanfragen

Rufen Sie uns unter der Rufnummer
00 800 6 7 8 9 10 11 Angebotene Dienstleistungen

Senden Sie uns Ihre Fragen

Kontakt zu und Besuche bei den Institutionen, Pressekontakt

Feedback

Haben Sie die gesuchten Informationen gefunden?

JaNein

Wonach haben Sie gesucht?

Haben Sie Vorschläge?